Missalebänder sind in Italien seit dem Mittelalter nachgewiesen und werden im liturgischen Gebrauch bis heute als Lesezeichen verwendet. Die italienischen Liturgiker gaben ihnen den Namen „la nota in testamento“. Weitere Bezeichnungen sind „signaculum“, „diple“ und „antilambda“, wobei nur die erste Bezeichnung als gebräuchlich anzusehen ist.

An einem Querstab, der parallel zum Buchrücken gelegt wird, sind zumeist an einem dünnen Faden vielfach unterschiedlich farbige Bänder montiert. Die feinen Übergänge sollten verhindern, dass sich die Bänder am Ansatz zusammenhäufen und dadurch die Buchseiten beschädigen. Die Anzahl der Bänder ist nicht festgelegt und in deren Ausführung und Qualität gibt es beträchtliche Unterschiede vom einfachen einfarbigen Band mit geradem oder spitzem Abschluss über gestreifte Varianten bis zu aufwändig bunt bestickten Bändern mit verzierten Abschlüssen. Manche Bänder tragen christliche Symbole oder figürlichen Schmuck, wie ein Beispiel mit den Evangelistensymbolen belegt. Die Gestaltung der Enden reichen von einer einfachen Einschnürung über Knoten bis zum Besatz mit aufwändigen Quasten. Die Querstäbe sind teilweise massiv und fest ausgeführt und mit abgeschnürten oder buschigen Enden versehen.

Die Qualität der Missalebänder richtete sich häufig nach dem Wert und der Gestaltung des Missales. So entstanden in der Zeit der handgeschriebenen Missale auch künstlerisch hochstehende Missalebänder, während in der Zeit der gedruckten Massenware auch die Missalebänder einfacher gehalten waren. Bemerkenswert sind die zumeist immer noch frische Farbigkeit sowie deren verblasenden Enden, die über die Buchseiten hinausragten.

 

Provenienz und Restaurierung:

Im Zuge des Umzugs der Restaurierungswerkstatt wurde eine große Menge an Missalebändern in einer Schachtel gefunden. Die hohe Anzahl und die Farbigkeit der aus verschiedensten Messbüchern stammenden Lesezeichen aus Stoff warf die Frage zur weiteren Aufbewahrung und Konservierung auf, die vorerst dahingehende beantwortet wurde, die wenig beachteten Werke in einer kleinen Ausstellung zu präsentieren.

Letztlich wurden die Lesezeichen im Sinne der Minimalintervention trocken gereinigt und die Deformationen weitestgehend korrigiert. An einem Nylonfaden, der fest an einem Keilrahmen mit Rückwand montiert ist, wurden diese lose angebracht.

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