Glockengedächtnis. Die Glockenkunde des P. Augustin Jungwirth Salzburg, bearb. von Josef Kral (Schriftenreihe des Archivs der Erzdiözese Salzburg 16), Salzburg 2017.

Spätestens seit 1127, als ein großer Stadtbrand weite Teile Salzburgs und den Dom in Schutt und Asche legte, sind Glocken für diese Stadt ein Thema. Die Brandursache war wohl Unvorsichtigkeit beim Guss neuer Glocken für den Dom, welche nach damals üblicher Art unter freiem Himmel erfolgte.
Dieses Ereignis war natürlich nur ein Punkt in der langen Geschichte der Salzburger Glocken. Es folgten viele Jahrhunderte, in denen teils hervorragende Gießer unseren Kirchen eine Stimme gaben, Höhen und Tiefen, in denen Glocken die Gläubigen begleiteten, aber auch beinharte wirtschaftliche Konkurrenz zwischen den Gießereien, Kriege, Brände und zuletzt die großen Zerstörungen in den beiden Weltkriegen.

P. Agustin Jungwirth unternahm den Versuch, im Rahmen einer „Glockenkunde“ alle verfügbaren Daten zu diesem spannenden Stück Geschichte zusammenzutragen. Sein Tod im Jahr 1942 und die umfangreichen Destruktionen im Zusammenhang mit dem zweiten Weltkrieg verhinderten die Fertigstellung seines Werkes. So fristeten seine Aufzeichnungen ein Dasein als unveröffentlichtes Manuskript im Archiv der Erzdiözese und im Kloster St. Peter. Das war insofern besonders bedauerlich, als für viele der verzeichneten Stücke dieses Manuskript die einzigen überhaupt noch verfügbaren Informationen enthält. Viele der Glocken fielen ohne weitere Dokumentation den Weltkriegen zum Opfer.

Nun wurde zumindest für das Bundesland Salzburg diese für den Campanologen und Glockenliebhaber gleichermaßen höchst wertvolle Quelle gemäß der Intention P. Augustin Jungwirths vervollständigt und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
In einem umfangreichen Theorieteil werden anhand der verzeichneten gut 1.600 Salzburger Glocken außerdem historische und campanologische Aspekte beleuchtet, welche teilweise spezifisch für die Salzburger Glockengeschichte sind, teilweise aber auch Aspekte der allgemeinen mitteleuropäischen Glockengeschichte verdeutlichen. Die verwendeten Quellen werfen außerdem ein interessantes Licht auf den Bezug der Bevölkerung zu ihren Glocken und geben Aufschluss über die Geschichte der Erfassung, Erforschung und Zerstörung.
Zusammen mit den andernorts bereits erschienenen Zusammenstellungen der Glocken nach 1945 existiert mit diesem Buch für Salzburg ein geschlossenes Verzeichnis von den frühesten fassbaren Stücken des 12. Jahrhunderts bis zur Gegenwart.

Das Buch „Glockengedächtnis. Die Glockenkunde des P. Augustin Jungwirth Salzburg“ ist als Band 16 der „Schriftenreihe des Archivs der Erzdiözese Salzburg“ im BoD-Verlag erschienen (ISBN: 9783744893671). Es umfasst 634 teils farbige Seiten, Hardcover und Fadenbindung und ist im Buchhandel und über das Archiv der Erzdiözese Salzburg zum Preis von EUR 49,90 erhältlich.

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