Ordnung zur Sicherung und Nutzung der Archive der Katholischen Kirche in der Erzdiözese Salzburg

I. Archivordnung

Zur Regelung des kirchlichen Archivwesens in der Erzdiözese Salzburg wird im Sinne der Bestimmungen des allgemeinen Kirchenrechts insbesondere c. 491 CIC, für den staatlichen Bereich unter Bezugnahme auf Artikel I § 2 des Konkordats (5. 6. 1933 BGBl. II Nr 2/1934) folgendes allgemeine Dekret erlassen:


    § 1 Grundsätzliches
 

  1. Die Katholische Kirche ordnet und verwaltet ihre inneren Angelegenheiten selbständig. Sie regelt daher auch ihr Archivwesen eigenständig.
  2. Die Archive der Katholischen Kirche dokumentieren deren Wirken; sie dienen der Verwaltung der Kirche und der Erforschung ihrer Geschichte. Die kirchlichen Archive werden nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen für eine Nutzung geöffnet.
  3. Zwingende Bestimmungen des staatlichen Rechts, die auf kirchliche Archive und deren Inhalte anwendbar sind (insbesondere Personenstandsgesetz, Denkmalschutzgesetz, Datenschutzgesetz) bleiben durch dieses Dekret unberührt.


    § 2 Geltungsbereich

Die Bestimmungen dieser Verordnung gelten für das Archiv der Erzdiözese Salzburg, die Pfarrarchive und die sonstigen der Leitung oder Aufsicht des Diözesanbischofs unterstehenden Archive bzw. Registraturen.

  

   § 3 Verwaltung von Registratur- und Archivgut
 

  1. Amtliches Schrift- und Dokumentationsgut sind alle Unterlagen, die aus der Tätigkeit kirchlicher Stellen erwachsen. Hierzu gehören Urkunden, Akten, Amtsbücher, Einzelschriftstücke, Karteien, Dateien, Karten, Pläne, Zeichnungen, Plakate, Siegel, Druckerzeugnisse, Bild-, Film- und Tondokumente sowie automatisationsunterstützte und sonstige Informationsträger.
  2. Amtliches Schrift- und Dokumentationsgut ist mit größter Sorgfalt nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen zu verwalten und aufzubewahren. Diese Aufgabe obliegt allen aktenführenden kirchlichen Stellen, insbesondere den Registraturen und Archiven.
  3. Schrift- und Dokumentationsgut, das für die laufende Tätigkeit nicht mehr benötigt wird, ist dem zuständigen Archiv unaufgefordert zu übergeben, jedenfalls 30 Jahre nach Schließung der Akte bzw. Erledigung des Vorganges.
  4. Dürfen Unterlagen nach anderen Rechtsvorschriften vernichtet oder gelöscht werden, sind sie dessen ungeachtet dem zuständigen Archiv zu übergeben, wenn nicht rechtliche Verpflichtungen zur Vernichtung oder Unkenntlichmachung vorliegen. Art und Umfang der Unterlagen sind von der abgebenden Stelle im Einvernehmen mit dem zuständigen Archiv vorab im Grundsatz festzulegen. Für programm gesteuerte, mit Hilfe von Datenverarbeitungsanlagen geführte Datenbestände ist ferner festzulegen, in welcher Darstellung die zu archivierenden Daten bereitgestellt werden können. Hierbei sollte eine Darstellung in konventioneller Form angestrebt werden, die ein Lesen der Unterlagen ohne höheren technischen Aufwand ermöglicht.
  5. Das Archiv entscheidet nach Anhörung der abgebenden Stelle gemäß der Kassationsordnung über die Archivwürdigkeit des Schrift- und Dokumentationsgutes. Amtliches Schrift- und Dokumentationsgut wird mit der Übernahme ins Archiv zu Archivgut. Das Archiv sorgt für die Ordnung, Verzeichnung, Erhaltung und Erschließung des Archivguts zur Ermöglichung der Nutzung durch Verwaltung und Forschung.
  6. Das Archiv sammelt und bewahrt auch Schrift- und Dokumentationsgut anderer Provenienz, sofern es für die kirchengeschichtliche bzw. lokalgeschichtliche Forschung von Bedeutung ist. Dies gilt insbesondere für Sammlungen und Nachlässe.
  7. Das Erzbischöfliche Konsistorialarchiv verwahrt nach Maßgabe der Möglichkeiten auch das Schrift- und Dokumentationsgut solcher Provenienzen seines Sprengels, deren Stellen für eine dauerhafte Erhaltung ihres Schriftgutes keine Gewähr bieten.
  8. Über die Verwahrung fremden Archivgutes ist eine schriftliche Vereinbarung (samt angeschlossenem Inventar) abzuschließen.
  9. Das Archiv hat im Rahmen seiner Möglichkeiten die Aufgabe, das in seiner Obhut befindliche Archivgut selbst zu erforschen und zu veröffentlichen bzw. Forschungen anzuregen.


    § 4 Nutzung kirchlichen Archivguts durch abgebende Stellen

Abgebende Stellen haben das Recht, das bei ihnen entstandene Archivgut zu nutzen. Das gilt auch für deren Rechtsnachfolger.


    § 5 Nutzung kirchlichen Archivguts durch betroffene Privatpersonen
 

  1. Jedermann, der sein rechtliches Interesse glaubhaft machen kann, hat das Recht, zur Führung von Standesnachweisen authentische Abschriften nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen zu erhalten.
  2. Diesem Personenkreis kann auf Antrag eine Nutzung nicht gesperrten kirchlichen Archivguts gewährt werden, soweit es Angaben zu seiner Person enthält. Dies gilt nicht, wenn einer Nutzung überwiegende berechtigte Interessen des Archivalieneigners, des Archivalienabgebers oder eines Dritten entgegenstehen.

 

   § 6 Sonstige Nutzung kirchlichen Archivguts

  1. Bei Vorliegen berechtigten Interesses kann auf Antrag an das zuständige Archiv eine Nutzung kirchlichen Archivguts erlaubt werden, soweit die in § 7 angeführten Nutzungsvoraussetzungen erfüllt sind und das Archivgut keinen Sperrfristen gemäß § 8 unterliegt. Ein berechtigtes Interesse liegt u. a. vor, wenn mit der Nutzung amtliche, historisch-wissenschaftliche oder pädagogische Zwecke verfolgt werden.
  2. Die Benutzung des Archivguts erfolgt ausschließlich unter Aufsicht im Archiv.
    Ein Anspruch auf Abschriften oder Kopien besteht nicht.
  3. Editionen und Reproduktionen von Archivgut bedürfen einer eigenen Genehmigung durch das zuständige Archiv.
  4. Bei Verwertung von Archivgut hat der Benutzer berechtigte Interessen und die Persönlichkeitsrechte anderer Personen sowie die Vorschriften des Urheberrechtes zu beachten. Zuwiderhandlungen hat er selbst zu vertreten.
  5. Weitere Einzelheiten der Nutzung werden durch entsprechende Ordnungen der Archive geregelt.


    § 7 Nutzungsvoraussetzungen

Voraussetzung für die sonstige Nutzung von Archivgut ist, dass
    a) der betreffende Bestand geordnet ist,
    b) das Archivgut nicht schadhaft ist oder durch eine Benutzung keinen Schaden nimmt,
    c) der Antragsteller in der Lage ist, das Archivgut unabhängig von Hilfeleistungen durch das Archivpersonal zu benutzen,
    d) das Nutzungsanliegen des Antragstellers in einem angemessenen Verhältnis zum Arbeitsaufwand des Archivpersonals steht.

    § 8 Sperrfristen

  1.  Grundsätzlich ist Archivgut, dessen Schlussdatum weniger als 50 Jahre zurückliegt, von einer Nutzung durch Dritte ausgeschlossen.
  2. Einzelne Aktengruppen und Aktenstücke können von der Benutzung durch Dritte ausgenommen werden.
  3. Besondere Sperrfristen gelten für:
    Personalakten und personenbezogenes Archivgut: 50 Jahre nach Tod der betroffenen Person und für Archivgut, für das der Abgeber spezielle Regelungen angeordnet hat.
  4. Eine Verlängerung der Sperrfrist ist aus wichtigem Grunde möglich. Dies gilt insbesondere für Archivgut, durch dessen Nutzung das Wohl der Kirche, schutzwürdige Belange Dritter oder Interessen Betroffener gefährdet oder Persönlichkeitsrechte, Regelungen des staatlichen oder kirchlichen Datenschutzes oder das Steuergeheimnis verletzt würden. Falls der Zweck dieser Vorschriften auch durch Auflagen für die Nutzung und Verwertung (etwa durch Anonymisierung) erreicht wird, kann dieses Archivgut zur wissenschaftlichen Benutzung freigegeben werden.


    § 9 Sondergenehmigungen

  1. Für wissenschaftliche Forschung kann in begründeten Ausnahmefällen eine Sondergenehmigung zur Nutzung von Archivgut erteilt werden, das noch einer Sperre unterliegt.
  2. Für eine Sondergenehmigung ist ein schriftliches Gesuch über das zuständige kirchliche Archiv an den Ordinariatskanzler zu richten. Der Leiter des Archivs der Erzdiözese übernimmt die Vorprüfung des Gesuches.
  3. Nach Abschluss der Vorprüfung fällt der Ordinariatskanzler die Entscheidung über das Gesuch. Das Ergebnis wird dem Gesuchsteller durch das Archiv mitgeteilt.

 

     § 10 Verfahren
 

  1. Bei Ablehnung der Nutzung von Archivgut bzw. einer Verlängerung der Sperrfrist gemäß § 8, Abs. 4 durch das Archiv ist ein an den Ordinariatskanzler gestelltes Ansuchen zulässig.
  2. Dieser entscheidet durch Verwaltungsdekret; ein Rekurs an den Diözesanbischof ist zulässig.


    § 11 Inkrafttreten und Änderung
 

  1. Diese Ordnung tritt als allgemeines Dekret mit der Veröffentlichung im diözesanen Verordnungsblatt am 1. Dezember 1998 in Kraft.
  2. Änderungen bedürfen der Veröffentlichung im diözesanen Verordnungsblatt und treten, wenn nichts anderes angeordnet ist, einen Monat nach ihrer Veröffentlichung in Kraft.

Salzburg, 6. November 1998
+ Dr. Georg Eder
Erzbischof


II. Ausführungsbestimmungen

 

1. Rahmenordnung für die Benutzung des Archivs der Erzdiözese Salzburg

(vormals Erzbischöfliches Konsistorialarchiv)

   
1. Der Benutzer/die Benutzerin des Archivs der Erzdiözese Salzburg hat seine/ihre Identität nachzuweisen und die Bestimmungen der Archiv-Ordnung durch Unterschrift als verbindlich anzuerkennen.

2. Der Benutzer/die Benutzerin hat seine/ihre Forschungsziele dem Diözesanarchivar möglichst genau bekanntzugeben; der Archivar/die Archivarin kann nur beraten, die Bearbeitung der Archivalien hat der Benutzer/die Benutzerin selbst zu leisten. Die notwendigen Vorkenntnisse (Schriftkunde, Sprache) werden vorausgesetzt.

3. Die Möglichkeit zur Einsichtnahme in die Bestände ist ausnahmslos im Benutzersaal unter Aufsicht eines/r Bediensteten gegeben. Ein Betreten der Speicherräume ist nicht gestattet. Entlehnungen von Archivalien an Privatpersonen sind ausgeschlossen. Entlehnungen an andere Archive, sonstige wissenschaftliche Einrichtungen, Museen oder für Ausstellungen sind in besonderen Fällen möglich, wenn der Entlehner/die Entlehnerin vertraglich gewährleistet, dass die Archivalien sicher und sachgerecht verwahrt und unversehrt zurückgestellt werden. Die Archivalien sind vom Entlehner/von der Entlehnerin nach Maßgabe des Leihvertrages zu versichern. Überdies trägt der Entlehner/die Entlehnerin die Kosten einer vorherigen Sicherheitsverfilmung.

4. Es werden nur geordnete und nicht schadhafte Archivalienbestände ausgegeben, die nicht unter die Archivsperre (= 50 Jahre nach Aktenschluss bzw. bei Personalia 50 Jahre nach dem Tod) oder unter sonstige Schutzbestimmungen fallen. Sondergenehmigungen sind in begründeten Fällen möglich. Der Antrag hiezu ist bei der Leitung des Archivs schriftlich einzubringen (vgl. unten Pkt. 3: Grundsätze zur Nutzung gesperrten kirchlichen Schrift- und Dokumentationsgutes aufgrund von Sondergenehmigungen).

5. Der Benutzer/die Benutzerin verpflichtet sich, die vorgelegten Archivalien mit größter Schonung zu behandeln, in der vorhandenen Ordnung zu belassen und bei Rückgabe wieder ordnungsgemäß in die beschrifteten Schachteln bzw. Mappen einzureihen. Es ist streng untersagt, Vermerke etc. anzubringen, Archivalien als Schreibunterlage zu benutzen und geöffnete Archivalien oder Bücher aufeinanderzulegen.

6. Die Anfertigung von Fotokopien ist nur mit Genehmigung in beschränktem Ausmaß möglich, sofern der Erhaltungszustand der Archivalien dies zulässt. Fotokopien von Urkunden und Akten mit Siegelabdrücken sowie aus gebundenen Handschriften sind ausnahmslos verboten; dies gilt auch für Archivalien, die nur mit Sondergenehmigung benutzt werden dürfen. Bei gebundenen Handschriften besteht die Möglichkeit, die Anfertigung von Mikrofilmaufnahmen in Auftrag zu geben. Ein Anspruch darauf besteht nicht.


7. Die Ausgabe der Archivalien erfolgt zu den festgesetzten Aushebezeiten; die Anzahl der gleichzeitig auszugebenden Einheiten ist beschränkt. Der Einsatz von elektronischen Datenerfassungsgeräten im Lesesaal ist nach Vereinbarung möglich. Beim Verlassen des Benutzersaales hat der Benutzer/die Benutzerin den Abbruch seiner/ihrer Arbeit bekanntzugeben. Unterbricht der Benutzer/die Benutzerin die Arbeit, so hat er/sie dies mit Angabe einer Reservierungsfrist mitzuteilen.

8. Bei Veröffentlichungen ist jeder Benutzer/jede Benutzerin  verpflichtet, die aus den Beständen des Archivs verwendeten Archivalien zu zitieren. Editionen und Reproduktionen von Archivgut sind genehmigungspflichtig. Bei Veröffentlichung oder Vervielfältigung von Forschungsergebnissen, die aus Beständen des Archivs gewonnen werden, ist dem Diözesanarchiv unaufgefordert und kostenlos ein Belegexemplar zu übermitteln. Dies gilt auch für ungedruckte Diplomarbeiten und Dissertationen.

9. Der Benutzer/die Benutzerin verpflichtet sich, die einschlägigen Bestimmungen des Personenstandsgesetzes, Datenschutzgesetzes und Urheberrechtes zu beachten, und erklärt mit seiner/ihrer Unterschrift, bei der Publikation von Forschungsergebnissen, die auf den zur Einsicht vorgelegten Materialien basieren, keine geschützten personenbezogenen Daten zu veröffentlichen. Zuwiderhandlungen hat der Benutzer/die Benutzerin  selbst zu vertreten.

10. Verstöße gegen die Benutzungsordnung können die sofortige Ausschließung von der weiteren Benutzung zur Folge haben.

Mit dieser Regelung tritt die Verordnung Nr. 134 aus dem Jahr 1978 außer Kraft.


 

2. Rahmenordnung für die Benutzung von Pfarrarchiven

1. Die Benutzung des Pfarrarchivs setzt die schriftliche Genehmigung des Archivs der Erzdiözese Salzburg voraus. Der Benutzer/die Benutzerin hat seine/ihre Identität nachzuweisen und die Bestimmungen der Archivordnung durch seine/ihre Unterschrift verbindlich anzuerkennen.

2. Der Benutzer/die Benutzerin  hat seine/ihre Forschungsziele möglichst genau bekanntzugeben; der Pfarrer/Archivverwalter kann nur beraten, die Bearbeitung der Archivalien hat der Benutzer/die Benutzerin selbst zu leisten. Die notwendigen Vorkenntnisse (Schriftkunde, Sprache) werden vorausgesetzt.

3. Die Benutzung der Archivalien/Matriken erfolgt im Pfarramt (unter Aufsicht). Der Benutzer/die Benutzerin darf das Material nicht eigenmächtig im Archiv suchen. Der Pfarrer/Archivverwalter hebt die entsprechenden Archivalien/Matriken aus und zählt gegebenenfalls die Schriftstücke.

4. Das Pfarramt kann die Benutzungszeit auf die Amtsstunden beschränken. In besonders berücksichtigungs-würdigen Fällen können Archivalien/Matriken mit Einverständnis des Diözesanarchivars an das Archiv der Erzdiözese entlehnt und dort benutzt werden. Die Kosten hiefür trägt der Benutzer/die Benutzerin. Entlehnungen von Archivalien/Matriken an Privatpersonen sind ausnahmslos verboten. Die Entlehnung an andere Archive und zu Ausstellungszwecken bedarf der Genehmigung des Archivs der Erzdiözese und kann nur aufgrund eines kirchenbehördlich genehmigten Leihvertrages erfolgen.

5. Es werden nur geordnete und nicht schadhafte Archivalienbestände ausgegeben, die nicht unter die Archivsperre oder unter sonstige Schutzbestimmungen fallen. Die Archivsperre beträgt 50 Jahre nach Aktenschluss bzw. bei Personalakten 50 Jahre nach dem Tod. Pfarrchroniken sowie jüngere Akten dürfen grundsätzlich nur mit schriftlicher Sondergenehmigung des Archivs der Erzdiözese und des Ordinariats eingesehen werden. Die Matrikeneinsichtnahme unterliegt sowohl den kirchlichen Vorschriften als auch jenen des Personenstandsgesetzes.  

6. Die ausgehändigten Archivalien/Matriken sind sorgfältig zu behandeln und dürfen auf keinen Fall mit Unterstreichungen oder Notizen versehen werden. Es ist streng untersagt, Archivalien als Schreibunterlage zu benutzen und geöffnete Archivalien oder Bücher aufeinanderzulegen. Bei Rückgabe der Archivalien/Matriken wird gegebenenfalls deren Stückzahl überprüft. Sie dürfen vom Benutzer/von der Benutzerin  nicht eigenmächtig wieder eingeordnet werden.

7.  Kopien aus Altmatriken sind generell verboten (Erhaltungszustand!).

8. Bei Veröffentlichungen ist jeder Benutzer/jede Benutzerin  verpflichtet, die aus den Beständen des Archivs verwendeten Archivalien zu zitieren. Editionen und Reproduktionen von Archivgut sind genehmigungspflichtig. Bei Veröffentlichung oder Vervielfältigung von Forschungsergebnissen, die aus Beständen des Archivs gewonnen werden, ist dem Pfarrarchiv und dem Archiv der Erzdiözese unaufgefordert und kostenlos je ein Belegexemplar zu übermitteln. Dies gilt auch für ungedruckte Diplomarbeiten und Dissertationen.

9. Der Benutzer/die Benutzerin verpflichtet sich, die einschlägigen Bestimmungen des Personenstands-gesetzes, des Datenschutzgesetzes (DSG) und Urheberrechtes zu beachten, und erklärt mit seiner/ihrer Unterschrift, bei der Publikation von Forschungsergebnissen, die auf den zur Einsicht vorgelegten Materialien basieren, das DSG zu beachten und keine geschützten personenbezogenen Daten zu veröffentlichen. Zuwiderhandlungen hat der Benutzer/die Benutzerin selbst zu vertreten.

10. Verstöße gegen die Benutzungsordnung können die sofortige Entziehung der Benutzungsgenehmigung zur Folge haben.

Mit dieser Regelung tritt die Verordnung Nr. 135 aus dem Jahr 1978 außer Kraft.

 

 

3. Grundsätze zur Nutzung gesperrten kirchlichen Schrift- und Dokumentationsguts aufgrund von Sondergenehmigungen


Jüngere kirchengeschichtliche oder profangeschichtliche Forschungen mit kirchlichen Bezügen liegen auch im Interesse der Kirche. Deshalb bedürfen qualifizierte Forschungen in einzelnen Fällen der Nutzung gesperrten kirchlichen Schrift- und Dokumentationsgutes. Dabei ist allerdings stets zu bedenken, dass die Benutzung jüngerer Akten hinsichtlich des Schutzes der berechtigten Interessen und der Persönlichkeitsrechte betroffener Personen, der Wahrung kirchlicher Belange etc. besondere Probleme aufwirft.
Grundsätzlich können Sondergenehmigungen zur Nutzung von Archivgut in kirchlichen Archiven, das noch einer Sperrfrist unterliegt (vgl. Archivordnung § 8), nur unter Wahrung der einschlägigen staatlichen Gesetze und kirchlichen Verordnungen erteilt werden.

Für die Benutzung noch gesperrter Akten im Rahmen wissenschaftlicher Forschung regelt die Archivordnung im § 9 (siehe oben) die Möglichkeit der Erteilung von Sondergenehmigungen.

Durch diese Grundsätze soll ein Ausgleich zwischen den Anliegen der Forschung einerseits und den Interessen von Archiveigentümern und Betroffenen andererseits erreicht werden. Damit diesem Anspruch in der Praxis entsprochen werden kann, sind bezüglich der Sicherung und Nutzung gesperrten kirchlichen Schrift- und Dokumentationsgutes folgende Gesichtspunkte zu beachten:

1. Die Regelung bezüglich der Sondergenehmigung bezieht sich grundsätzlich nur auf solches Schrift- und Dokumentationsgut, das sich bereits im Archiv befindet und archivarisch bearbeitet sowie benutzbar ist.

Registraturgut sowie unverzeichnete bzw. ungeordnete Akten können für die Forschung grundsätzlich nicht freigegeben werden. Ausnahmen sind nur für solche Forschungen möglich, die im Auftrag des Archiveigners bzw. mit einer gleichwertigen Einverständniserklärung des Ordinarius erfolgen. Für die Erteilung der entsprechenden Genehmigung ist das in § 9 Abs. 2 und 3 vorgesehene Verfahren anzuwenden. Die Nutzung von Registraturgut sollte ausschließlich im Archiv und unter Aufsicht erfolgen. Wird die Genehmigung zur Nutzung der o. g. Aktenbestände im Einzelfall gewährt, stellt dies kein Präjudiz für gleiche oder ähnliche Nutzungsanträge anderer Wissenschafter dar.

2. Die Erteilung von Sondergenehmigungen wird umso schwieriger, je weiter das Thema gefasst ist bzw. je größer der Gegenwartsbezug ist. Probleme ergeben sich u. a. auch dann, wenn die einschlägigen Materialien nicht als separate Aktengruppe, sondern mit anderen - gegebenenfalls sogar gesperrten - Materialien vermischt vorliegen.  Diese Schwierigkeiten sollten bereits bei der Formulierung des Forschungsthemas bei wissenschaftlichen Arbeiten  bedacht und gegebenenfalls vorab mit dem Diözesanarchivar/der Diözesanarchivarin erörtert werden.

3. Auch bei sorgfältiger Prüfung des Antrages und Begleitung des Forschungsvorhabens durch das Archiv der Erzdiözese kann bei der Nutzung gesperrten Schrift- und Dokumentationsgutes nicht ausgeschlossen werden, dass Archivgut eingesehen wird, das seiner Natur nach nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Diese Problematik sollte mit dem Forscher vorab erörtert werden. Über die Erklärung zur Beachtung der berechtigten Interessen und des Personenschutzes Dritter (so genannte „Verpflichtungserklärung" bzw. Anonymisierung) hinaus muss er die Selbstverpflichtung eingehen, über derartiges Archivgut Stillschweigen zu bewahren.

4. In vielen Fällen wird jedoch trotzdem eine vorherige Durchsicht der Bestände durch den Archivar bzw. Pfarrer erforderlich sein, gegen die seitens des Benutzers keine Einwände erhoben werden können. In diesem Zusammenhang ist auch stets zu prüfen, ob nicht eine mündliche oder schriftliche Auskunft über den Sachverhalt genügt.


4. Gebührenordnung für das Archiv der Erzdiözese Salzburg


1. Allgemeines
Die persönliche Benutzung von Archivalien im Archiv der Erzdiözese Salzburg ist grundsätzlich gebührenfrei. Die Benutzung von Matriken (Kirchliche Matriken, Altmatriken) ist gesondert geregelt. Für den Einsatz von elektronischen Datenerfassungsgeräten (Notebooks) durch den Benutzer wird bis auf weiteres keine Betriebskostenpauschale in Rechnung gestellt.

2. Schriftliche und mündliche Anfragen

Die Beantwortung nichtamtlicher schriftlicher oder mündlicher Anfragen erfolgt nach Maßgabe der personellen und technischen Möglichkeiten des Archivs. Dafür können Gebühren verrechnet werden. Der Anfragesteller wird in diesem Fall vor Durchführung der Recherche über die voraussichtlichen Kosten der Nachforschungen informiert. Als Berechnungsgrundlage gilt ein Satz von derzeit € 70,- Stunde. Diese Gebühren werden unabhängig vom Erfolg der Nachforschungen fällig. Die Durchführung der Nachforschungen kann von einer Vorauszahlung der voraussichtlichen Gebühren und Auslagen abhängig gemacht werden.

Das Archiv kann dem Anfragesteller zusätzlich alle anfallenden Auslagen (z. B. Postgebühren, Bankspesen, Versicherungsauslagen) in Rechnung stellen.

3. Fotokopien

Auf Antrag des Benutzers können von Archivalien, sofern es deren Erhaltungszustand zulässt und die Besorgung der anderen Aufgaben des Archivs es erlaubt, durch das Archivpersonal Fotokopien in beschränktem Ausmaß angefertigt werden (s. II.1.6.). Die Preise für Fotokopien setzen sich aus den Selbstkosten des Archivs sowie aus der Entschädigung für den erforderlichen Manipulationsaufwand zusammen. Dies gilt auch für die Anfertigung von Readerprinter-Kopien von Archivmikrofilmen. Im Einzelnen gelten derzeit folgende Preise:


Kostensätze für die Anfertigung von Kopien, Digitalbildern und Filmaufnahmen
(nach der Gebührenordnung für das Archiv der Erzdiözese Salzburg [Konsistorialarchiv],
VBl. 81, 1998, S. 163-165, § 3, überarbeitet nach VBl. 3/2011, S. 32-33, Zl. 25)

 

 

    Preise in EUR 
 Gruppe 0
 
 Kopien
 
 
   Fotokopien Schwarzweiß DIN A 4  0,50
   Fotokopien Schwarzweiß DIN A 3  1,00
   Fotokopien Farbe DIN A 4  2,00
   Readerprinter-Kopien DIN A 4  1,50
   Readerprinter-Kopien DIN A 3  2,00

 

 

 Gruppe 1  Digitalbilder  
   Arbeitsscan/Druckvorlage  5,00
 

 Readerprinter-Scan (jepg) 
 Ausdruck Farbe DIN A 4

 1,50 
 2,00
 
   Ausdruck Farbe DIN A 3  4,00
   Ausdruck Farbe - größere Formate je m²  40,00
   Herstellung einer CD/DVD  3,60
   E-Mail-Versand  1,80
 Gruppe 2  Reproduktionsgebühren für Druckwerke  
   Gebühr für Vervielfältigungen von Farbabbildungen  58,00
 Gruppe 3  Reproduktionsgebühren für Verwendung von
 Vorlagen des Diözesanarchivs im Internet - Publikationsdauer
 
   1 Woche  20,00
   1 Monat  40,00
   6 Monate  80,00
   1 Jahr  120,00

 

 

 

 Gruppe 4  Entgelte für Fernseh- und Filmaufnahmen  
   Aufnahmen zu kommerziellen Zwecken (Spiel- und Werbefilme) je angefangene Stunde Dreharbeit  150,00
   Aufnahmen zu Dokumentationszwecken/kulturellen Zwecken je angefangene Stunde Dreharbeit  75,00
 Gruppe 5 Reproduktionsgebühren für Fernseh-, Film- und  Rundfunkaufnahmen      
   Gebühr für die Verwendung von Farbabbildungen  290,00
   Gebühr für die Verwendung von Tondokumenten  150,00
 Gruppe 6  Versandspesen  

 

 


4. Fotos
Das Anfertigen von Digitalfotos (Reproduktionen von Archivalien und Fotos aus dem Bildarchiv) durch den Benutzer ist nur mit Erlaubnis der Archivleitung und lediglich in Ausnahmefällen gestattet.

a) Reproduktionen von Archivalien
Bei Reproduktionen von Archivalien durch den Benutzer verbleibt das Verwertungsrecht beim Archiv.

b) Reproduktionen von Fotos aus dem Bildarchiv
Bei der Anfertigung und Veröffentlichung von Reproduktionen aus den Fotosammlungen des Archivs ist die Beachtung allfällig bestehender Schutzrechte nach Urheberrechtsgesetz durch Unterfertigung einer Verpflichtungserklärung (Fotorevers) zu bestätigen. 


5. Veröffentlichungen


Für Publikationen wird zusätzlich zu den Digitalisierungskosten eine Veröffentlichungsgebühr eingehoben. Bei wissenschaftlichen, heimatkundlichen oder volksbildnerischen Publikationen und bei Veröffentlichungen, die dem Interesse der Kirche dienen, kann von der Einhebung einer Veröffentlichungsgebühr abgesehen werden.

Für Veröffentlichungen von Abbildungen werden derzeit EUR 58,- berechnet. Diese Gebühren gelten jeweils nur für eine Auflage. Für jede weitere Auflage sind die Gebühren für die Nutzungsrechte neuerlich zu bezahlen. Für Veröffentlichungen von Abbildungen in elektronischen Medien werden derzeit EUR 290,- berechnet.


6. Transkriptionen und Übersetzungen

 

Für die Archivbenutzung wird vorausgesetzt, dass der Benutzer die Archivalien selbst lesen kann. Das Archivpersonal ist nicht verpflichtet, abgesehen von allgemeinen Hilfestellungen, dem Benutzer aus den Archivalien vorzulesen, zu übersetzen oder zu transkribieren. Werden Transkriptionen oder Übersetzungen vom Archiv selbst durchgeführt, so wird pro Stunde Zeitaufwand einer wissenschaftlichen Fachkraft derzeit ein Betrag von EUR 70,- in Rechnung gestellt. Ein Anspruch auf Anfertigung von Transkriptionen oder  Übersetzungen besteht nicht.


7. Gültigkeit

Diese Gebührenordnung ist bis auf Widerruf gültig.

Eine analoge Handhabung der Gebührenordnung gilt für die Pfarrarchive bzw. wird den überdiözesanen Einrichtungen empfohlen.

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