Paolo Emili, De Rebus Gestis Francorum, a Pharamundo Primo Rege usque ad Carolum octavum. Basel 1601
Bestand: AES, Priesterhausbibliothek
Signatur: 17D 908
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Das Buch
Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um eine Geschichte Frankreichs, eingeteilt nach den jeweils herrschenden Königen. Der Autor ist Paolo Emili. Er wurde 1455 in Verona geboren, erlangte als Historiker große Berühmtheit und wurde eingeladen, sich in Frankreich niederzulassen, wo er jenes Werk zu verfassen begann, das er aber vor seinem Tod am 5. Mai 1529 in Paris nicht mehr zu Ende bringen konnte. Diese Ausgabe erschien in Basel bei Jacobus Henricpetri im Jahr 1601. Abgesehen von den üblichen ornamentalen Verzierungen bilden Portraits der vorgestellten französischen Könige in ihrer schlichten Ausführung als Holzschnitt den einzigen Buchschmuck. Die vorliegende Ausgabe ist in lateinischer Sprache, das Buch wurde aber bereits im 16. Jahrhundert ins Französische und später auch auf Italienisch und Deutsch übersetzt.
Der Einband
Der Einband besteht aus festem Karton und ist mit weißem Schweinsleder mit zahlreichen prächtigen Blindprägungen überzogen, die auf der Vorder- und Rückseite gleich gestaltet sind. In der Mitte liegt jeweils ein Supralibros des Karl Jörger mit Wappen und Namenszug. Das Wappen zeigt einen geteilten Schild in Rot und Silber, in beiden Feldern befindet sich je ein silbernes oder rotes Winzermesser oder eine Sensenklinge. Das Motiv wiederholt sich in der Helmzier. Um das Wappen herum befinden sich drei Rahmen. Zwei davon sind in Ornamenten ausgeführt, einmal als Bandwerk und einmal in girlandenartigen Formen. Im mittleren Rahmen wiederholen sich vier bezeichnete Allegorien: Fides (Glaube) mit Kelch und Hostie, Spes (Hoffnung) mit Spaten und Caritas (Liebe) mit zwei spielenden Kindern. Zu den drei göttlichen Tugenden gesellt sich noch Iustitia (Gerechtigkeit) mit Richtschwert und Waage. Das Buch kann mit grünen Stoffbändern, die am Einband befestigt sind, verschnürt werden. Am Buchrücken ist oben der Titel des Buches und etwas darunter „No. 114“ geschrieben. Bei der Zahl dürfte es sich um eine Signatur der Bibliothek Jörgers oder des zweiten Besitzers, Christoph Sigismund Donauer, handeln.
Die Vorbesitzer
Erster Besitzer dieses Buches war Karl Jörger. Er ließ seine Bücher in prachtvoll geprägte weiße Schweinsledereinbände binden. Auf der Vorder- und auf der Rückseite findet sich sein Namenszug und Wappen in einem Supralibros. Der Nachname und einige darauf folgende, nicht mehr ermittelbare Buchstaben wurden vom nächsten Besitzer, Christoph Sigismund Donauer, mit einem scharfen Gegenstand weggeschabt. Wann Karl Jörger dieses Buch erwarb, kann nicht festgestellt werden. Es muss wohl irgendwann zwischen 1601 und 1620 gewesen sein. Über seine Frau Anna kam das Buch nach 1620 an Christoph Sigismund Donauer, wahrscheinlich im Jahr 1625, denn es trägt im Inneren folgenden Besitzeintrag: „Christophorus Sigismundus Donauerus Ratisbon: Ecclesiae patriae Servus 1625.“
In der staatlichen Bibliothek Regensburg finden sich 25 weitere Bände mit ganz ähnlicher Geschichte. Auch sie haben an Deckel und Rücken ein Supralibros von Karl Jörger und als zweiten Besitzer Christoph Sigismund Donauer. Ebenfalls ist bei diesen der Name Jörger weggeschabt.
Heute gehört dieses Buch zum Bestand der Priesterhausbibliothek, es ist allerdings aus konservatorischen Gründen im Diözesanarchiv am Kapitelplatz verwahrt. Wie dieses Buch nach Salzburg gekommen ist, kann gegenwärtig nicht mit Sicherheit gesagt werden, da die sehr umfangreichen Quellen in dieser Hinsicht noch kaum ausgewertet sind. Womöglich kaufte Fürsterzbischof Guidobald Graf Thun und Hohenstein (1654–1668), der auch Bischof von Regensburg war, für das Salzburger Seminar dort einiges an Büchern.
Karl Jörger
Er war ein Sohn von Helmhard VIII. Jörger. Zu seiner Lebenszeit (1584–1623) war die Familie bereits über mehrere Generationen hinweg protestantischer Konfession. Als Student taucht er im Jahr 1594 in der Matrikel von Padua auf. Er war ein sehr schwieriger Geist, ständig zwischen Jähzorn, Trunksucht, aber auch Großmut schwankend. Obwohl nicht unbegabt, recht gebildet und sogar im Stande sich mit einer geistigen Größe seiner Zeit wie Melchior Khlesl zu messen, ererbte er nicht das wirtschaftliche Geschick seines Vaters. In den Jahren 1618 und 1619 beteiligte er sich als Truppenführer beim Aufstand der oberösterreichischen Stände gegen Erzherzog Leopold. Dabei verausgabte er sich wirtschaftlich völlig. Als Oberösterreich 1620 durch Herzog Maximilian von Bayern besetzt wurde, suchte er das Heil in der Flucht und ging nach Padua, wo er sich aber nur für zwei Wochen aufhielt. Er wollte über Tirol nach Württemberg reisen, wurde aber in Innsbruck gefasst, zuerst dort gefangen gehalten und dann in die Feste Oberhaus nach Passau überstellt, wo er am 4. Dezember 1623 starb. Er hinterließ einen gewaltigen Schuldenstand von 495.831 fl. Seine Frau Anna, der es nur in Passau ein einziges Mal erlaubt wurde, ihn zu besuchen, verkaufte das Wenige, das ihr noch zur Verfügung stand, um ihr eigenes Überleben zu sichern. Die Bibliothek Karl Jörgers veräußerte sie an den späteren Regensburger Superintendenten Christoph Sigismund Donauer, den sie wohl über einen ihrer Söhne, der damals in Regensburg ansässig war, kennen gelernt hatte.
Christoph Sigismund Donauer
Er wurde am 28. August 1593 in Wiesent, in der Nähe von Regensburg, geboren. Sein Vater war Christoph Donauer, ein Prediger und bekannter Poet, seine Mutter eine geborene Mattheson aus Schottland. Er studierte in Helmstädt, Jena und Wittenberg. 1621 wurde er Prediger in Regensburg, 1652 Superintendent. Am 28. Juni 1655 starb er in Regensburg.
Zwei Mal in seinem Leben findet er sich an vorderster Front der Geschichte, beide Male als geistlicher Beistand eines Sterbenden. Zuerst war er der letzte Begleiter in der Todesstunde Johannes Keplers, der am 15. November 1630 starb. Mit ihm war er durch seinen Vater Christoph Donauer verbunden, der in Briefkontakt mit Kepler gestanden war. Am 19. November hielt Christoph Sigismund Donauer auch die Leichenrede für Johannes Kepler am St. Petersfriedhof außerhalb der Stadtmauern.
Der andere, den er auf seinem letzten Weg begleitete, war Hans Ulrich Freiherr von Schaffgotsch, ein Gefolgsmann Wallensteins, der nach dessen Fall selbst des Hochverrats angeklagt wurde. Schaffgotsch wurde am 23. Juli 1635 in Regensburg enthauptet, seine Schuld konnte ihm jedoch nie nachgewiesen werden und sein Todesurteil war vom Kaiser nicht unterschrieben worden.
Literatur:
Aemilius, Paulus (Paolo Emilio), in: Encyclopedia Britannica, Bd. 1 A–Androphagi. Cambridge 111910, 257.
http://www.staatliche-bibliothek-regensburg.de/index.php?id=72#J, am 11. 8. 2010.
Heinrich Wurm, Die Jörger von Tollet. Graz 1955.
Jürgen Hübner, Die Theologie Johannes Keplers zwischen Orthodoxie und Naturwissenschaft. Tübingen 1975.
Karl Bauer, Regensburg, Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte. Regensburg 1997.