Weitere Hirtenworte Biographie




 

Liebe Katholiken der Erzdiözese Salzburg, liebe Brüder und Schwestern!

Es ist für mich die Zeit gekommen, zu gehen und euch allen ein letztes Grüß Gott zu sagen. Ich habe am 23. November d.J. das mir im Jahre 1989 vom obersten Hirten der Kirche anvertraute Amt in dessen gütige Hände zurückgelegt. Noch bevor ich zum Bischof geweiht wurde, hat mir der Heilige Vater persönlich ein schönes Brustkreuz geschenkt, in das ich Reliquien der hll. Rupert und Virgil sowie der hl. Erentrudis eingeschlossen habe. So bleibe ich mit der Erzdiözese Salzburg und mit Johannes Paul II. für immer verbunden. Er hat mir das Vertrauen geschenkt und mich in schweren Zeiten immer wieder persönlich ermutigt; dafür bin ich ihm für alle Zeit dankbar. Großen Dank schulde ich auch dem scheidenden Apostolischen Nuntius Erzbischof DDr. Donato Squicciarini. Oft und oft hat er mich gestärkt und mir aus seiner profunden Kenntnis der Kirche guten Rat gegeben. Der Herr wird es ihm vergelten.

Im Rückblick auf meine bischöfliche Tätigkeit in beinahe 14 Jahren fühle ich mich gedrängt, noch auf einige Dinge hinzuweisen. Viel Gutes ist geschehen, nicht alles konnte verwirklicht werden, was in meinem Programm stand. Denn die Arbeit war schwer. Zu den Angriffen von außen, die heute wohl jeder Bischof aushalten muss, der in Treue zur Lehre der Kirche und zum Papsttum steht, kamen die großen Widerstände von innen. Oft hatte ich das Gefühl, dass meine Botschaft bewusst nicht weitergegeben wurde; nicht selten wurde mir von Katholiken geklagt, dass sie das Wort des Bischofs nicht erhalten. Vielleicht wollte man den Bischof mit aller Kraft hinbiegen zu einer Linie, die angeblich dem II. Vatikanischen Konzil entspricht, für die man aber in dessen Texten vergeblich einen Anhaltspunkt sucht. Also musste der Geist des Konzils herhalten.

1. Worum wird heute in der Kirche gerungen und gekämpft?

Ist es, dass einer den anderen nicht mag? Nein, das stimmt nicht. Ich habe erlebt, wie Weihbischof Laun sich mit größter Mühe und Freundlichkeit plagte, die Lehre der Kirche (besonders im Hinblick auf Ehe und Familie) zu erläutern vergeblich. Man hörte ihn an und ließ ihn stehen. Viel zu einfach machen es sich auch jene, die Bischöfe, Priester und Laien in die Schablone progressiv und konservativ pressen.

Der Wirklichkeit kommt man näher, wenn man von zwei divergierenden Kirchenbildern spricht, dem vorkonziliaren und dem nachkonziliaren. Aber schon dadurch begibt man sich auf eine schiefe Ebene. Kann man diese Bilder einfach nebeneinander an die Kirchenwand hängen? Wenn die beiden Kirchenbilder nicht zur Übereinstimmung gebracht werden können, gibt es zwei verschiedene Kirchen. Das darf aber nicht sein, denn es gibt nur die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Sie ist der eine Leib Christi, der nicht zerteilt werden darf. Ich sehe hier nur eine Möglichkeit: auf die Stimme des obersten Hirten hören und ihm folgen. Mit Schrecken habe ich oft feststellen müssen, dass - wenn man gegen mich opponiert hat - im selben Satz auch Papst Johannes Paul II. angegriffen wurde. Wer so handelt, zerreißt die Kirche. Diese kann nur auf dem einen Felsen Petri überdauern.

2. Die Bischöfe unter starkem Druck

In den Jahren meines bischöflichen Dienstes gerieten die Hirten unter immer stärkeren Druck (Kirchenvolksbegehren). Man forderte von den Bischöfen auf vielen Ebenen Zugeständnisse, die sie nicht machen durften, ohne die Einheit mit Rom und der gesamten Kirche zu gefährden. Wo man nachgab, wurde der Druck stärker. Mancher Bischof kam in die Zerreißprobe: Wem soll ich loyal sein dem Papst oder meinem Kirchenvolk? Aber schon die Frage zeigt an, dass hier Gefahr droht: Soll aus dem Corpus Christi Mysticum nun eine Superdemokratie werden? Worauf zielt das alles ab? Vielleicht hat es ein Leserbriefschreiber (anlässlich der so genannten Priesterinnenweihe ) getroffen: Wir brauchen keine Priesterinnen und auch keine Priester, denn wir alle sind ja Priester! Also keine Hierarchie mehr, sondern die Laienkirche. Es braucht dann nicht mehr die heilige Vollmacht, die Christus seinen Aposteln und ihren Nachfolgern gegeben hat, sondern man stülpt sich selbst das heilige Gewand über und täuscht den Gläubigen Sakramente vor. Aber: Alles, was wir gegen die Kirche tun, ist gegen die Freude getan (George Bernanos).

Fast ganz in Vergessenheit geraten ist das Diözesanforum von 1994 bis 1996. Mit großem Einsatz von vielen Priestern und Laien hat diese Versammlung der Kirche durchaus viele gute Früchte gebracht. Der Abschluss am Sonntag 22.9.1996 war für die vielen Teilnehmer und für mich ein wahrer Freudentag. Noch ist längst nicht alles verwirklicht, was wir uns damals vorgenommen haben: eine hörende, betende und dienende Kirche zu werden. Und freilich konnten nicht alle Wünsche erfüllt werden, denn als Bischof musste ich dafür sorgen, dass die Diözesangesetze mit den Universalgesetzen der Kirche kompatibel bleiben. Wer einen Keil zwischen Bischöfe und Papst treiben will, untergräbt das Fundament der ganzen Kirche.

3. Schutz der Eucharistie und der anderen Sakramente

Vor nicht langer Zeit mahnte der Erzbischof von Mechelen-Brüssel, Kardinal Gottfried Danneels, mit ernsten Worten: Wir verlieren die Sakramente. Unter den schmerzlichen Entscheidungen, die ich nach meinem Gewissen treffen musste, habe ich mindestens ebenso gelitten wie die Betroffenen. Aber Bischöfe sind nun einmal Wächter des Glaubens und sie dürfen nicht zögern, wenn Gefahr droht. Wenn wir die heiligen Sakramente verschleudern, werden wir sie bald verlieren. Das gilt vor allem von der hl. Kommunion, das gilt von der Firmung. Und eines haben wir ohnehin beinahe verloren: das Sakrament der Buße. Vor allem aber betrifft es die hl. Eucharistie, das Herz der Kirche, das inaestimabile donum, das unschätzbare Geschenk Christi. Anlässlich einiger (verbotener) Interzelebrationen musste ich mit Schrecken feststellen, wie grassierend die Unkenntnis auch guter Christen auf diesem Gebiet ist. Mich interessiert die Gegenwart Christi gar nicht , schrieb mir jemand, ich wünsche mir nur eine gemeinsame Mahlfeier aller Religionen. Ich erinnere hier an meinen Hirtenbrief Ut unum sint . Wenn wir uns in diesem Sakrament sacramentum unitatis nicht mehr eins sind, zerfällt die Kirche. Die Bischöfe sind Episkopen, d.h. sie müssen hinschauen und handeln. Leichter wäre freilich das Wegschauen.

4. Der Weg in die Zukunft unter Führung des neuen Erzbischofs

Der Apostel Paulus schreibt (Phil 3,13): Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Vor uns liegt die Gnade eines neuen Anfangs. Mein lieber Mitbruder und Nachfolger Alois wurde vom Wahlgremium überraschend gut aufgenommen und ich freue mich über die gute Resonanz bei den Medien. Vielleicht hat die Kirche auch bei uns die gefährlichste Strecke überwunden. Wenn ich ein letztes Mal eine Anregung geben darf, so mache ich mir das Leitwort des Papstes zu eigen: Duc in altum! Es kann ein Doppeltes bedeuten: Fahr in die Weite fahr in die Tiefe. In die Tiefe. Ich deute dies konkret: die Anbetung des allerheiligsten Sakramentes. Es gibt keine stärkere Kraft als die Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten , sagt Sr. Briege Mc Kenna, eine irische Ordensschwester, die schon vielen Priestern Exerzitien gegeben hat. Ich habe die Kraft des allerheiligsten Sakramentes beim Hochwasser im August d.J. unmittelbar erfahren. Hier fließt für die Kirche eine Quelle der Kraft, die unerschöpflich ist.

Das Zweite: Ich bitte alle Priester und alle, die Hirtenaufgaben übernommen haben: Geht so oft und so viel wie möglich hinaus zu den Menschen, sucht sie auf, wo immer sie leben, wie es der Herr getan hat. Die komplette technische Vernetzung , die wir jetzt in der Zentrale hinter uns haben, kann die menschliche Zuwendung des persönlichen Gesprächs nicht ersetzen. Gehen Sie an keiner Tür vorbei , sagte einmal Kardinal Groer einem jungen Priester, der in einem Neubauviertel mit Nichts eine Pfarre gründen sollte.

Ich selbst fühle mich jetzt wie ein Bauer, der nach einem langen, harten Arbeitstag müde, aber zufrieden auf seinen Hof zugeht. Die Arbeit auf dem Ackerfeld der Kirche war hart. Dazu die ständigen Schmerzen der unsichtbaren Krankheit mit dem schönen Namen: Polyneuropathie. Ich habe mich nicht geschont. Vor mir und meinem Gewissen kann ich bestehen. Damit ist noch nicht gesagt, dass ich vor Gottes Gericht bestehen kann. Darauf will ich mich nun vorbereiten und ich erbitte dazu euer Gebet.

Und nun müsste ich eine endlose Liste von Dankadressen anschließen. Die gemeint sind, wissen, dass ich dankbar bin. Eine große Gruppe muss ich aber beim Namen nennen: die Beter und Beterinnen, die ununterbrochen für mich gebetet haben. Ohne euch hätte ich die Kreuzeslast nicht so lange tragen können. Maria hat Jesus auf seinem Kreuzweg am meisten geholfen. Ihr seid wie Maria gewesen.

Nun segne ich euch nochmals, alle, alle Brüder und Schwestern, mit meinem Gruß: Der Herr sei mit euch! Solange mir Gott das Leben schenkt, werde ich diesen Segen jeden Tag auf euch herabrufen.

Apostolischer Administrator Dr. Georg Eder

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