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Liebe Brüder und Schwestern!
Kann ich es wagen, in diesem Katastrophenjahr
2002 noch zur Aktion Bruder in Not aufzurufen? Sind doch im eigenen
Land, in unserer Erzdiözese selbst viele in große Not
geraten durch das Jahrhunderthochwasser ! Ich traue mich aufgrund
der Tatsache, dass die Hilfsbereitschaft und Gebefreudigkeit der
Menschen in unserem Land grenzenlos ist. Zum 15. August wurde
zu einer Sondersammlung für die Hochwasseropfer aufgerufen;
sie erbrachte 4 Millionen Schilling. Es folgte die reguläre
Katastrophen-Sammlung im August. Und auch diese stieg an ähnlich
dem Hochwasser! Ich kann nur ein ganz großes und kräftiges
Vergelts-Gott sagen für alles. Wenn das nicht starke Zeichen
der christlichen Liebe und Barmherzigkeit sind!
Das Motto der diesjährigen Aktion Bruder
in Not lautet: Zeichen sein . Es kann verschieden gedeutet werden.
Mehr als ein Zeichen kann diese Sammlung ja auch nicht sein im
Hinblick auf das uferlose Elend in der südlichen Welt (Millionen
von Menschen verhungern, während wir eher im Wohlstand ertrinken).
Aber vielleicht ist das anders gemeint: Sollten
wir selbst ein Zeichen sein? Zeichen der Hoffnung in einer Welt
ohne Hoffnung, in einem Leben ohne Inhalt, ohne Sinn? Je finsterer
die Nacht, umso weiter sieht man das Licht einer einzigen Kerze.
In einer niedergehenden Zeit und Kultur sollten wir ein Zeichen
des Aufgangs sein: Wir glauben an das Leben und lieben es!
Das stärkste Zeichen dafür wurde vor
2000 Jahren gesetzt: Christus wurde geboren, der Retter der Welt.
Und das soll euch zum Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden,
das in Windeln gewickelt ist und in einer Krippe liegt (Lk 2,12).
Christus selber ist das Zeichen der Hoffnung für die ganze
Welt: sein Kreuz! Freilich musste er ein Zeichen sein, dem dauernd
widersprochen wird. Denn die Welt will nicht durch das Kreuz erlöst
werden, sondern durch Lust, durch Wollust.
Aber wir sollten ein Zeichen sein. Der Christ
selbst, der Christi Namen trägt und IHN verkörpern soll,
soll das Zeichen sein. Gewissermaßen ein Realsymbol, das
das ist, was es bezeichnet: Christus: IHN sollen wir abbilden,
den barmherzigen Samariter, den allbarmherzigen Heiland der Welt.
Auch und wieder durch die Aktion Bruder in Not .
Der Herr sei mit euch!

Erzbischof Dr. Georg Eder
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