Thesen zu Kirche und Homosexualität
Es ist Mode geworden, in der Kirche und von außen her, zu fragen, wie "die Kirche" zu den Homosexuellen steht. Nicht selten verbindet sich die Anfrage mit einem vorwurfsvollen und selbstgerechten Unterton: "Wir, moralisch wie wir eben so sind, haben die katholische Kirche schon wieder einmal ertappt bei einer Menschenrechtsverletzung. Sie, die Anwältin der Liebe zu sein sich anmaßt, stellt sich schon wieder gegen die Liebe, diesesmal gegen das wunderbare Recht jener, die gleichgeschlechtlich lieben."
Zur Frage selbst – und nicht zum Vorwurf dieser Gutmenschen – hat das "Internationale Forschungszentrum" zu Salzburg eine Tagung veranstaltet. Die Ergebnisse werden publiziert, aber angesichts der Berichte in den Medien (weh uns, wenn alles andere auch so verdreht sein sollte wie die Informationen über die Kirche!) hier eine Vorinformation, die ich in eigener Verantwortung so zusammenfassen möchte:
- Es bedarf eigentlich nur der religiösen Kindergarten-Bildung, um zu wissen: Die Kirche grenzt niemand aus, sondern steht offen für alle Menschen. Ausschließen kann man sich nur selbst, nämlich durch Unglauben und Sünde, und die größte Distanz entsteht durch hochmütiges Nicht-Wollen. Das gilt wie für alle Menschen auch für Menschen mit gleich-geschlechtlichen (homosexuellen oder lesbischen) Neigungen.
- Die gleich-geschlechtliche Neigung hält die Kirche für eine Verirrung, die letztlich auf den Abfall von Gott zurückzuführen ist. Sie ist ein Übel auch deswegen, weil sie zu einem objektiv sündhaften Verhalten drängt. Zu bedenken ist dabei: Da es den "engelhaften" Menschen seit dem Sündenfall nicht mehr gibt, trägt jeder viele Neigungen in sich, die dem ursprünglichen Schöpfungs-Gedanken Gottes widersprechen und gegen die er einen mühsamen Kampf führen muss: Hochmut, Eitelkeit, Neid, Verlangen nach der Frau des anderen, Habsucht... Auch das sexuelle Verlangen nach Kindern ("Kindesmissbrauch") gehört dazu, das heute manche Kreise schönfärberisch "generationen-überschreitendes Lieben" nennen wollen.
- Zu behaupten, es sei diskriminierend, wenn die Kirche homosexuelles Verhalten eine Sünde nennt, ist absurd. Sie bezeichnet schließlich viele anderen Verhaltensweisen auch als Sünde, übrigens auch so manches im Bereich der Heterosexualität. Wer hier von "Diskriminierung" spricht, weiß nicht, was dieser Begriff bedeutet.
- Selbstverständlich gilt für homosexuelle Sünden dasselbe wie für jede andere Sünde: Gott allein sieht in die Herzen und weiß um Irrtümer, Verblendungen, Verführung und Zwänge, die den Sünder fesseln und seine Sünde mitbestimmen.
- Das Subjekt dieses Abfalls von Gott ist nicht unbedingt der unmittelbar betroffene Homosexuelle. Die Erklärung homosexueller Neigungen mit der Sünde ist ähnlich dem Pauluswort: "Der Tod kam durch die Sünde in die Welt". Das heißt: Irgendwie hat jeder Tod mit der Sünde zu tun, aber es sterben alle, auch solche, die nicht gesündigt haben.
- Es gibt keine absolut sichere, wissenschaftliche Antwort auf die Frage, wodurch die homosexuelle Neigung im Einzelfall entstanden ist, obwohl manche Zusammenhänge sehr wohl bekannt sind. Da es aber keinen wissenschaftlichen Beweis für eine "Veranlagung" oder "Vererbung" gibt, kann man mit R. Cohen sagen: "Niemand wird homosexuell geboren." Man kann, so scheint es, die wissenschaftliche Suche auf die Zeit nach der Geburt beschränken.
- Die Behauptung, Homosexualität sei bloß eine weniger gute, aber doch immer noch "gute Variante" der Schöpfung, ist vergiftet: Daraus folgert man ihre Legitimität, die Nicht-Verführbarkeit auf der einen Seite und die Nicht-Heilbarkeit auf der anderen. Schließlich: Wer Homosexualität als "Unordnung" oder "Krankheit" (oder wie immer er es nennen mag) ablehnt, begeht ein Unrecht, das in letzter Konsequenz durch Gesetze verhindert und geahndet werden muß. Auf diese verheerenden Folgen einer falschen Ideologie hat vor allem Ch. Meves hingewiesen.
- Auch wenn Homosexualität angeboren wäre, folgte daraus nicht, dass die gleich-geschlechtlich sexuelle Beziehung eine irgendwie "gottgewollte" Variante der Schöpfung ist. Wäre diese Folgerung zwingend, müsste man ebenso sagen: Gott "will", dass Kinder behindert auf die Welt kommen. Behinderungen und falsche Neigungen sind nur als "Zulassung" Gottes in Folge der Sünde zu begreifen, nicht als direktes Wollen.
- Abgesehen von der meta-empirischen Rückführung der Homosexualität auf die Sünde hat die Kirche keine eigene "Meinung" über den Ursprung der gleich-geschlechtlichen Neigung eines Menschen: In dieser Frage ist sie auf die entsprechenden Forschungen angewiesen.
- Auf Grund ihrer Überzeugung, dass das Mann- und Frau-Sein nicht das Produkt einer blinden Evolution, sondern Plan und Wille Gottes ist, lehnt die Kirche die Idee, die homosexuelle Neigung sei gleichsam ein "Teil" der Person, ab. Die christliche Liebe zu dem homosexuell empfindenden Menschen impliziert nicht die Bejahung seiner Homosexualität. Auch hier gilt: "Das Heil liegt in der Wahrheit" (Dominus Jesus 22).
- Falsch ist auch die Idee, der Homosexuelle könne "genauso" seine Liebe zum anderen Mann ausdrücken wie dies Mann und Frau in der Ehe tun. Sogar wenn zwischen beiden Männern echte Freundschaft besteht, heißt das nicht, ihre sexuellen Akte seien "Ausdruck der Liebe" selbst. Ganz allgemein ist zu bedenken: Nur unter bestimmten Bedingungen, geistiger und physischer Art, sind sexuelle Akte sozusagen fleischgewordene Liebe. Nicht einmal in der Ehe ist jedwedes sexuelles Handeln "Liebe", wie die Diskussionen um Vergewaltigung in der Ehe schlagend beweisen.
- So der gleich-geschlechlich empfindende Mann (oder Frau) seine sexuelle Orientierung "annehmen"? Ja, aber das kann zweierlei bedeuten: in Dankbarkeit "annehmen" jener Gaben, die jemand von Gott empfangen hat, oder "annehmen" eines Leidens, wobei dieses "annehmen" weder den Wunsch nach Heilung noch therapeutische Versuche ausschließt. In diesem zweiten Sinn soll der Homosexuelle seine Neigung "annehmen". Im übrigen soll er sich vor Augen halten: Gott nimmt ihn wie jeden anderen Menschen an und liebt ihn – trotz und mit seinen "Neigungen", worin sie auch bestehen mögen.
- Genauso wie bei der Frage nach dem Ursprung der Homosexualität hat die Kirche auch bei der anderen, ob nämlich Heilung möglich sei, keine eigene, in der Offenbarung begründete "Meinung". Darum ist es ein Unsinn zu berichten, "Weihbischof Laun hält Homosexualität für heilbar". Er tut lediglich, was auch die Kirche als Ganze tut: Er hört, was Fachleute (wie z.B. G. v. Aardweg. Ch. Meves, R. Cohen) sagen, und er berichtet darüber. Dabei fällt auf: Nicht wenige Leute reagieren geradezu aggressiv und "empört", wenn man die Heilung auch nur in Erwägung zieht. Ein Argument für deren Sachlichkeit ist dies freilich nicht.
- Ob Heilung möglich ist oder nicht, die Kirche lädt jeden Menschen ein, in die Nachfolge Christi einzutreten. Wenn die homosexuelle Neigung sich zumindest in vielen (oder den meisten?) Einzelfällen - wie andere Süchte auch! - nicht mehr korrigieren lässt, bedeutet dies, daran führt kein Weg vorbei, der Betroffene sollte sich um ein keusches Leben bemühen. Wer darüber entsetzt ist und das für "unzumutbar" hält, dem sei in Erinnerung gerufen: Das ist keine besondere Strenge gegenüber Homosexuellen! Denn ein sexuell enthaltsames Leben mutet die Kirche jedem unverheirateten Menschen zu und zeitweise auch Eheleuten...
- Um den Weg der sexuellen Enthaltsamkeit für Homosexuelle gangbar zu machen, hat P. John Harvey (USA) vor rund 40 Jahre "Courage" gegründet: eine Art Selbsthilfe-Gruppe, die auf der katholischen Lehre gründet und mit ähnlichen Methoden arbeitet wie die anonymen Alkoholiker.
- Die "Homosexualisierung der Gesellschaft" (Ch. Meves) und die vielfache Werbung für sie ist auch medizinisch gesehen unverantwortlich. Dabei ist nicht nur an die verschiedenen Krankheiten - vor allem an AIDS – zu denken, sondern auch an die gewöhnlichen Folgen eines homosexuellen Lebens: Von zwei Ärzten habe ich gehört, wie schlimm und scheußlich die Folgen vor allem im Alter zu sein pflegen, weil der Anus, ob es bestimmten Ideologen passt oder nicht, "dafür" nicht geeignet ist.
- Homosexuelle sind, wie jeder andere Mensch, zur Heiligkeit berufen. Man kann mit Sicherheit annehmen: Es hat schon Heilige gegeben mit solchen (und allen nur möglichen anderen) Neigungen. Es wäre zu wünschen, wenn wir einige beim Namen kennen würden und sie somit als Fürsprecher und Vorbilder hätten: Heilige, die ein Leben lang unter ihren gleichgeschlechtlichen Neigungen und Wünschen gelitten und dennoch um Christi willen verzichtet haben, homosexuell zu leben. Heilige eben.