Plötzlich war sie da, die Jugend für das Leben, ungeplant von irgend einem Seelsorgeamt und unbeschlossen von der Bischofskonferenz. Nach dem großen Kampf der kath. Kirche gegen die Fristenlösung Mitte der 70er Jahre war das Thema Abtreibung mehr und mehr in den Hintergrund getreten. Man hatte lange nicht mehr darüber gesprochen, und jeder Versuch, es wieder zu thematisieren, ist in trauriger Regelmäßigkeit im Sand verlaufen oder wurde durch geschickt plazierte Schlagworte und Ausgrenzungen im Keim erstickt. Gleichzeitig sickerten einerseits die Argumente der Fristenlösungs-Befürwörter nach und nach auch in katholische Kreise ein, andererseits machte sich bei denen, die immer noch am Nein zur Fristenlösung festhielten, Resignation breit.
In dieser Situation entstand die Jugend für das Leben. Ganz am Anfang waren es nur wenige Jugendliche, dafür aber eine Reihe von "großen Kindern", das heißt 12- und 13jährigen – eine ganz und gar unbedeutende Gruppe. Aber bekanntlich ist es nur eine Frage der Zeit, und aus Kindern werden Erwachsene. Die jungen Leute ließen sich nicht beirren. Sie studierten die Fragen, ließen sich schulen und luden sich dazu fachkundige Referenten ein, und das alles in fragloser Treue zum kirchlichen Lehramt, einschließlich so heikler Themen wie Verhütung. Gleichzeitig setzten sie Zeichen in Form von Schweigemärschen (vor allem in Linz und Salzburg) und Mahnwachen, besonders bekannt wurden die Lebens-Märsche über hunderte von Kilometern hinweg, die sogar das Interesse der großen Medien, nicht nur irgend eines Kirchen-Blattes hervorriefen.
Heuer sind es schon 10 Jahre, und die "Jugend für das Leben" ist eine von den Bischöfen anerkannte und auch unterstützte Bewegung. Natürlich, es gibt in der Kirche viele Charismen, und verschiedene Menschen haben verschiedene Aufgaben, der eine antwortet auf das eine "Zeichen der Zeit", der andere auf ein andere, und beide anerkennen dankbar die Berufung des je anderen. Die "Jugend für das Leben" hat, das läßt sich bei aller Anerkennung der Vielfalt sagen, ein besonders wichtiges "Zeichen der Zeit" wahrgenommen: Der Abfall von Gott manifestiert sich heute in einer Unterwerfung des menschlichen Lebens unter den "Wert" der vernünftigen, am Glück des einzelnen orientierten Selbstbestimmung; und das ein halbes Jahrhundert nach dem national-sozialistischen Massenmord, den man beklagt und bewältigen will, während man durchaus nicht unähnliche Selektions-Programme entwickelt und gesetzlich absichert!
Niemand weiß, wie diese große, längst weltweit geführte Auseinandersetzung weitergehen wird. Gott wird uns auch nicht danach fragen, ob wir prophetisch gewußt haben, was wir nicht wissen können. Aber er wird uns fragen, ob wir das getan haben, was wir jetzt und hier tun konnten – mit Seiner Hilfe. Die "Jugend für das Leben" und all jene, die sie offen oder stillschweigend unterstützen, sind ein Zeichen, daß das "Evangelium vom Leben" auch der nächsten und übernächsten Generation weitergegeben wird, ein Zeichen großer Hoffnung, einer der Sterne am Himmel der Kirche, die zu Gott führen.