Andreas Laun, Nachdenkliches über den Islam in Europa

1. Ausgangspunkt: Die katholische Lehre von der Gewissens- und Religionsfreiheit

Jeder, der mich kennt, weiß es: Ich trete mit großer Entschiedenheit für die Lehre von der Religionsfreiheit ein, wie sie das 2. Vatikanische Konzil gelehrt hat. Gemeint ist dabei

Mit ihrer Lehre über "Religionsfreiheit" lehrt die Kirche: Bei seiner persönlichen Suche nach der Wahrheit über Gott und in seiner religiösen Praxis soll der Mensch frei sein: Seine Umwelt darf ihn dabei nicht unter irgendeinen Druck setzen. Religionsfreiheit verbietet den Zwang und schafft den Freiheitsraum für Dialog und den Versuch, den anderen zu überzeugen.

2. Das Recht Andersgläubiger, ihrem Glauben gemäß auch bei uns zu leben

Diese Lehre vorausgesetzt, ist es für einen katholischen Christen selbstverständlich, daß Menschen, die sich zu einer anderen Religion bekennen und bei uns leben, nicht nur ihre Kleider und ihre Familie, sondern auch ihre Religion "mitbringen" dürfen. Das heißt, sie dürfen auch bei uns nach den Gesetzen ihrer Religion leben, sie dürfen ein Gotteshaus bauen und ihre Kinder in ihrer Religion erziehen, unter Umständen sogar im Rahmen des Schulsystems.

3. Grundlage des Friedens: Anerkennung der Rechte des anderen

Soweit, so gut und so selbstverständlich! Allerdings, das alles ist erst der eine Teil der Wahrheit, und es gibt, wie so oft im Leben, noch einen zweiten Teil, und dieser besteht in einem einfachen Prinzip, das in der Praxis keineswegs immer ganz einfach anzuwenden ist. Es lautet nämlich: Die Rechte des einen dürfen nicht die Rechte des anderen verletzen. Und außerdem: Auch Anhänger einer bestimmten Religion sind an die Gesetze des Staates gebunden, in dem sie leben. Nur ungerechten Gesetzen – zum Beispiel den Tötungs-Gesetzen in Europa - braucht und darf niemand gehorchen.

Das heißt zum Beispiel:

4. Besorgniserregende Beobachtungen

Voraussetzung für den Frieden ist vor allem andern: Auch Muslime haben das Prinzip der Religionsfreiheit zu respektieren. Ohne diese Anerkennung ist Schlimmes zu befürchten. Neulich nun erzählte mir ein absolut glaubwürdiger Zeuge, selbst ein großer Freund der Türken, folgendes: Da er der Sprache mächtig ist, ging er zu einer von Türken in Wien veranstalteten Tagung, die frei zugänglich abgehalten wurde. Was er dort zu hören bekam, erschreckte sogar ihn. Denn unverblümt sagten die Redner:

Das deckt sich mit dem, was neulich ein mit der islamischen Welt vertrauter Bischof sagte: Manche Moslems würden offen sagen: Mit euren Gesetzen kommen wir nach Europa, mit unseren Gesetzen werden wir Europa dem Islam unterwerfen.

Nun mag man entgegenhalten: Da können sie noch lange warten, das ist wirklich keine Gefahr. Gegenfrage: Wirklich nicht? Ein Herr erzählte mir neulich, wie er in einer kleinen Stadt nahe von Salzburg eine Adresse suchte und dabei Passanten fragte - aber erst der etwa achte konnte ihm helfen, denn er war der erste Österreicher, dem er begegnete, alle anderen waren offenkundig aus einem nicht-europäischen Land und der Sprache kaum mächtig.

Natürlich, das ist noch keineswegs schlimm und noch lange nicht die Regel. Aber die Zeit vergeht schneller, als man glaubt. In manchen deutschen Großstädten soll es bereits Viertel geben, in die ein Deutscher nicht mehr ohne weiteres hineingehen kann. Eine kleine, vielleicht noch nicht typische, aber doch erwägenswerte Geschichte erzählte mir vor kurzem auch eine Wienerin: Sie kam spät abends erst nach Hause, nach einem langen Arbeitstag, und wollte sich in dem Gasthaus um die Ecke noch schnell Zigaretten kaufen. Aber der Wirt war ein Türke, und statt ihr Zigaretten zu verkaufen, belehrte er die Frau, sie duzend und in schlechtem Deutsch, daß eine anständige Frau um diese Zeit gefälligst zu Hause zu sein habe; sie möge also verschwinden...

Wie gesagt, wahrscheinlich (noch) ein Einzelfall, und es gibt auch unverschämte Wirte, die "brave" Deutsche oder Österreicher sind. Auch ist zu erinnern, was farbige Ausländer bei uns zu fürchten und manchmal zu erdulden haben. Richtig, wir müssen auf jedes Unrecht antworten, ganz gleich, von wem es begangen wird. Vor allem aber müssen Gesetze für alle gelten, Gesetze, die den mit Sicherheit sich noch verstärkenden Reibungen beider Kulturen und Religionen Rechnung tragen. Aber darum ginge es: Den kommenden Problemen ins Auge sehen und diejenigen nicht moralisch diskriminieren, die besorgt sind.

5. Was könnte getan werden?

Was soll man tun, wird der Leser fragen? Ich habe kein Patentrezept, aber bestimmte Maßnahmen könnte ich mir als hilfreich vorstellen. Etwa: Jeder, der eingebürgert werden will, muß eine Erklärung unterschreiben, daß er das geltende Recht auf Religionsfreiheit ohne Wenn und Aber anerkennt. Erst recht müßte der Iman, der den Islam in der Moschee oder in der Schule lehrt, das tun, und es müßte sichergestellt werden, daß er keine potentiellen Fanatiker erzieht, die die Christen vorläufig nur aus Mangel an Macht nicht angreifen. Im Gegenteil, er selbst müßte die Freiheit in Fragen der Religion als Basis des Friedens lehren. Sollte sich jemand dazu nicht verstehen können, sollte er höflich, aber bestimmt des Landes verwiesen werden. Es wird trotz der Gesetze noch genug Probleme geben, aber Menschen, die uns durch ihre Gesinnung im vorhinein ankündigen, daß sie gewalttätig sein werden, sobald sie dazu in der Lage sind, sollten wir nicht dulden. Einfach die Augen zumachen und denken, solange die Wirtschaft funktioniert, wird schon nichts passieren, ist unverantwortlich. Notwendig wäre übrigens auch ein ständiger politischer Druck auf die islamischen Länder: Bei uns alle Rechte genießen, aber den Christen in den eigenen Ländern jedes Recht verweigern, geht einfach nicht.

So oder ähnlich sollten wir beginnen, die geistigen Grundlagen unseres Landes unseren Gästen näherzubringen und auch abzuverlangen. Nicht, weil es "unsere" Kultur wäre, sondern weil es ohne diese Werte keinen wirklichen Frieden geben kann – Frieden nämlich, der auf Gerechtigkeit beruht und der allein den Namen "Frieden" verdient.

Auf jeden Fall sollten wir darüber reden, und das Gespräch sollte quer durch alle Parteien geführt werden. Es müßte vor allem mit unseren ausländischen Gästen intensiv gesprochen werden. Wir müßten mit ihnen reden über unsere Sorgen und Ängste vor ihnen, und sie mit uns über ihre Nöte. Ich plädiere für eine Politik, die auf den Menschenrechten, insbesondere auf dem Menschenrecht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit gründet. Wir sollten jetzt klarstellen, was das bedeutet, und nicht warten, bis es vielleicht sehr spät oder zu spät ist, es einzumahnen. Die Folgen einer Vogel-Straußpolitik könnten wir schneller erleben, als wir uns das jetzt vorstellen können.

Das konsequente Anmahnen der rechtsstaatlichen Grundsätze brächte vor allem auch einen großen Gewinn: Es würde jene unter unseren Einwanderern stärken, die einsichtig und guten Willens sind. Mit ihnen kann man sehr wohl "multikulturell" und "multireligiös" zusammenleben. Sie sind willkommen, und das sollen sie auch wissen.