Willkommen in der Diözesanbibliothek Salzburg!

Wo sich Geschichte und Theologie von ihren besten Seiten zeigen

Die d|b|s Diözesanbibliothek Salzburg ist die älteste Bibliothek in Salzburg. Sie beherbergt mehr als 150.000 Medien mit den Schwerpunkten Theologie, Philosophie, Geschichte und Salisburgensia. Als öffentliche Spezialbibliothek unterstützen wir Sie gerne bei Ihren Recherchen. Die d|b|s Diözesanbibliothek Salzburg ist mit ihrem umfangreichen Altbestand, einer Vielzahl von Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucken sowie wertvollen Sondersammlungen eine bedeutende Kultureinrichtung der Erzdiözese Salzburg.

Unsere Schaustücke im Dommuseum

Seit Anfang Oktober 2019 haben Sie die Möglichkeit, ausgewählte Objekte aus unserem Bestand im Dommuseum Salzburg zu betrachten. In einer Vitrine unter dem Motto „Schätze aus der Diözesanbibliothek Salzburg“ finden Sie wechselnde Schaustücke zu unterschiedlichen Themenbereichen:

Das geistliche Teutsche Karten-Spil

Andreas Strobl 

Die Barockpredigt hat ihre Wurzeln in der Gegenreformation. Nach dem Dreißigjährigen Krieg trat für den Prediger neben der konfessionell geprägten Festigung des Glaubens auch die der Moral in den Vordergrund. So vermittelten Fabeln, Märchen und andere anschauliche Geschichten in der damaligen Predigt meist eine moralische Lehre. Heute verbinden viele damit nur Abraham a Sancta Clara, dass aber sowohl in Bayern als auch im Gebiet der Salzburger und Passauer (Erz-)Bischöfe damals eine Reihe von bedeutsamen und literarisch fruchtbaren Predigern tätig war, ist weitgehend in Vergessenheit geraten.

Von 1673 bis 1695 war Andreas Strobl als Priester in Laufen und danach bis 1706 in Buchbach bei Mühldorf als Pfarrer tätig (beide Orte gehörten damals zur Erzdiözese Salzburg) und hinterließ der Nachwelt über ein Dutzend dicker Quartbände mit Predigten. Heute erscheint vielen das 1694 in Salzburg verlegte Ovum Paschale Novum Oder Neugefärbte Oster-Ayr als sein originellstes Werk (risus Paschalis – Ostergelächter). Zu Lebzeiten galt aber das „Geistliche Kartenspiel“ als sein Hauptwerk.

Strobl wurde 1641 als Sohn von Weißgerbern in Tittmoning geboren, 1660 an der Universität Salzburg immatrikuliert und gelangte 1666 als Kooperator nach Waging. Sowohl hier als auch später in Laufen und Buchbach dürfte er in erster Linie nicht vor Gelehrten, sondern Bauern und einfachen Handwerkern sowie Händlern gepredigt haben, worauf auch die Selbstbezeichnung schwarze Bauren-Ambsel schließen lässt. „Durch seine originellen geistlichen, symbolischen und emblematischen Auslegungen der bairischen Spielkarten […] ist das Werk ein wichtiges und sehr typisches Zeugnis für den Geist und die Praxis der Kanzelredner dieser fabulier- und bilderfreudigen Zeit. Es gibt darüber hinaus auch wichtige Einblicke in die Geschichte der Spielkarten und des Kartenspiels sowie der damit zusammenhängenden gesell­schaftlichen und religiösen Probleme. Sie waren damals für Laufen, besonders für die Schiffleute, sicherlich sehr aktuell.“[1]

Von den beiden ausgewählten Exemplaren erschien das erste 1691 bei Peter Paul Bleul in Sulzbach, der Stecher dürfte Johann Conrad Reiff (-1726) gewesen sein.

Der aufgeschlagene Stich findet sich im IV. Teil („Die Aichl-Farb“). Die Predigt fordert die Kinder zu gebührendem Verhalten gegenüber ihren Eltern auf.

Das Exemplar gehört zur Servitenbibliothek Rattenberg (ursprünglich Augustiner-Eremiten), die sich in der DBS befindet.

Das zweite Exemplar stellt eine Fortsetzung des ersten dar und erschien 1696 bei Melchior Haan in Salzburg. Im Untertitel des Anderten Theil Oder Zusatz Deß Geistlichen Karten-Spills  wird bereits angeführt, von welchen Karten nun die Rede sein soll: In welchem Die übrige Bläter oder junge Karten Als nemblich Die Sechser Fünffer Vierer und Dreyer Zu der Hertz- Schell- Grün- und Aichel-Farb gehörig. In Geistlichem Verstand mit beygesetzter Moral- oder Sitten-Lehr außgetheilet mit Geist- und Weltlichen Historien erkläret. Haan widmet es Jacob Berti, der damals schon im 38. Jahr mit höchstem Lob dem Decanat zu St. Johanns (St. Johann in Tirol) vorstand, weil Euer Gnaden unter denen geistlichen Spillern nicht der Mindeste seynd[2].

Der ausgewählte Kupferstich (Stecher unbekannt) zeigt den Herz-Sechser und Kaiser Heinrich II. (973–1024, letzter Ottone, 1146 heilig gesprochen, Gedenktag 13. Juli). Wie allgemein üblich assoziiert auch Strobl das Herz mit der Liebe, aber auch mit der Tugend der Tapferkeit. Nachdem im ersten Teil die alttestamentlichen Könige und Richter an der Reihe waren, wird hier nun Heinrich II. vorgestellt, da er als Herzog von Bayern am Grab des hl. Wolfgang eine „wunderliche Erscheinung“ hatte: an der Wand geschriben sehe dise Worte: Post Sex. Nach Sechs. Obwohl er nach sechs Tagen, Wochen, Monaten und Jahren jeweils den Tod erwartet hätte, sei er am Ende des sechsten Jahres zum Kaiser gewählt worden, führt Strobl aus.

Das vorliegende Exemplar stammt aus der Sammlung von Josef Lahnsteiner, die das AES 1967 übernommen hat.

Dr. Bernhard Humpel

 

Literatur:

Valentin Hertle, Andreas Strobl als Modellfall der bayerischen Barockpredigt (München 1965).

Georg Lohmeier, Bayerische Barockprediger. Ausgewählte Texte und Märlein bisher ziemlich unbekannter Skribenten des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts (München 1961).


[1] Robert Böck, Andreas Strobl. Kanoniker im Kollegiatstift Laufen, in: Das Salzfass N. F. 2/2 (1968), S. 34.
[2] Beide Zitate aus der Dedicatio Melchior Haans, Bl. 3.