Willkommen in der Diözesanbibliothek Salzburg!

Wo sich Geschichte und Theologie von ihren besten Seiten zeigen

Die d|b|s Diözesanbibliothek Salzburg ist die älteste Bibliothek in Salzburg. Sie beherbergt mehr als 150.000 Medien mit den Schwerpunkten Theologie, Philosophie, Geschichte und Salisburgensia. Als öffentliche Spezialbibliothek unterstützen wir Sie gerne bei Ihren Recherchen. Die d|b|s Diözesanbibliothek Salzburg ist mit ihrem umfangreichen Altbestand, einer Vielzahl von Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucken sowie wertvollen Sondersammlungen eine bedeutende Kultureinrichtung der Erzdiözese Salzburg.

Unsere Schaustücke im Dommuseum

Seit Anfang Oktober 2019 haben Sie die Möglichkeit, ausgewählte Objekte aus unserem Bestand im Dommuseum Salzburg zu betrachten. In einer Vitrine unter dem Motto „Schätze aus der Diözesanbibliothek Salzburg“ finden Sie wechselnde Schaustücke zu unterschiedlichen Themenbereichen:

Moses erhält die Zehn Gebote

Handkolorierter Kupfertitel von Horst van der Niclas und Cornelis Galle zu David van Maudens „Discursus morales in decem Decalogi praecepta“ (1627)

 

Signatur: 17D 957

 

David van Mauden oder Maudentius (Antwerpen 1575 – Brüssel 1646) studierte Philosophie und Theologie an der Universität Leuven. 1606 erhielt er das Lizentiat beider Rechte und war anschließend Titularkanonikus von St. Lebuinus in Deventer. 1609 wurde er zum Pastor der Hofkapelle in Brüssel ernannt, nachdem er zunächst Pfarrer von St. Nikolaus gewesen war. 1622 wurde er zum Dekan des nicht residierenden Kapitels der Stiftskirche Unserer Lieben Frau in Breda (heute in der niederländischen Provinz Nordbrabant) gewählt. Mit der Einnahme Bredas durch Friedrich Heinrich von Oranien im Jahr 1637 hatte er mit allen Geistlichen die Stadt zu verlassen. David van Mauden galt als ein gelehrter Mann, „rerum moralium peritissimus" nennt ihn der Innsbrucker Jesuit Hurter 1892, was seine gedruckten Werke hinreichend beweisen. Zuerst gab er für die Prediger den „Discursus morales praecepta Decalogi“ (Löwen 1627) heraus. Dann ergriff er Partei für die Banken (Darlehen) und schrieb eine interessante Verteidigung gegen die Vorwürfe in J. Lillers „La Cassandre des Monts de Pieté Belgiques“ (1626): „Antidotum adversus calumniosos et venenosos libellos Ioannis Lillers practici, è Belgio proscripti, seu, Discursus tres de usura videlicet montibus pietatis, censibus seu reditibus annuis præsertim personalibus" (1627). Im erbitterten Kampf um die Kredit gebenden Banken und die Berechnung von Zinsen hatte Mauden den Jesuiten Leonardus Lessius (1554–1623) an seiner Seite. Weiters gab er noch heraus: „Speculum aureum moralis vitae, quo ad vivum Tobias delineatur atque explicatur“ (Antwerpen 1631).

Der Historien- und Bildnismaler Horst van der Niclas (Antwerpen 1598–Brüssel 1646) war ein Rubens-Schüler. Nach einer Wanderschaft durch Europa ließ er sich in Brüssel nieder. Erzherzog Albert beschäftigte ihn als Hartschier (Hofgardist). Bekannt ist besonders seine Ansicht von Brüssel, gestochen von Santvoort. Er lieferte aber auch anderen zahlreiche Vorlagen zu Stichen. Der vorliegende Stich ist signiert von Cornelis Galle (1576–1650), der einer großen Zeichner- und Kupferstecherfamilie in Antwerpen entstammte, deren Atelier vor allem für Plantin- und Moretus-Ausgaben wichtig war. Er hielt sich längere Zeit in Rom auf und stach vor 1610 viel für Rubens. Das vorliegende Werk wurde 1627 bei Hendrik van Haestens in Löwen gedruckt, von Franciscus Vivienus in Brüssel verlegt und ist dem Erzbischof von Mecheln, Jacob Boonen (1573–1655), gewidmet.

Die Darstellung setzt die biblischen Berichte über den Erhalt der Zehn Gebote durch Mose (Ex 19–20 bzw. 34) gekonnt in barocke Szenerie. Der über dem Kupfer lesbare Besitzvermerk und die Initialen am Einband belegen Tobias Khnafer, der von 1633 bis längstens 1656 Pfarrer von Berndorf war, als ersten nachweisbaren Possessor des Werkes, in den 1730-er Jahren kam es in das Salzburger Priesterseminar. Ob die nicht ganz vollendete Handkolorierung aus dieser oder aus anderer Zeit stammt, konnte bis dato nicht geklärt werden. Nach jetzigem Wissensstand ist dies das einzige Beispiel für einen handkolorierten Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert in den Buchbeständen der DBS.

Bernhard Humpel

Literatur:

  • Zu David van Mauden: www.biografischportaal.nl.
  • Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler. Von der Antike bis zur Gegenwart, hg. v. Ulrich Thieme und Felix Becker (ND München 1992).
  • Georg Stadler, 1200 Jahre Heimat Berndorf (Berndorf 1989).

 

 

Fastenpredigten

Kupferstich (Frontispiz) zu: Juan de Jesús Maria (Navarræus Maneruviensis): Quadragesimale. Hoc est: Conciones super omnes Ferias, Et Dominicas totius Quadragesimæ à Die Cinerum usque ad Sabbatum Sanctum inclusivè, Tomus1, Wien 1733

Der Autor der Predigten, Juan de Jesús Maria, ist nicht zu verwechseln mit jenem gleichen Namens, der 1620-1672 lebte und bei dem Toledo als Geburtsort angegeben wird. Der Verfasser der Predigten wird jedoch als Navarræus Maneruviensis bezeichnet (gemeint sein dürfte Mañeru in der Provinz Navarra, laut Span. Nationalbibliothek verstarb er 1721). In der hier auch abgedruckten Approbatio des spanischen Originals wird angeführt, dass er Lector theologiae, Minister des Collegiums in Salamanca und Generaldefinitor sowie Provinzial der Ordensprovinz von der Empfängnis gewesen wäre. Aus dem spanischen Original (Approbationsdatum 1713 in Madrid) wurden sie von Josephus à S. Mariains Lateinische übersetzt, von dem auch nur angegeben wird, dass er 1732 Generaldefinitor seines Ordens war, wahrscheinlich in Wien, wo das Werk auch bei Georg Lehmann verlegt worden ist.

Vom Kupferstecher Johann Christoph Dehne wissen wir, dass er 1714 Bürger in Nürnberg wurde, sein Wirken lässt sich – dort sowie in Leipzig und Brandenburg – bis 1726 belegen. Vom Zeichner Innocentius, a. S. Agnete ist lediglich bekannt, dass er 1732-1733 in Österreich gewirkt hat und Trinitarier war.

Die lat. Aufschrift auf dem Schild des Stiches ist ein Vers (36,9) aus dem Buch Jeremia: Es wurde ein Fasten verkündet vor dem Angesicht des Herrn dem ganzen Volk. Diese Inschrift stellt in der Darstellung die augenscheinlichste Verbindung zum Inhalt der Fastenpredigten dar. Die typische barocke Theatralik des Bildes präsentiert – ausgehend von der Ordenzugehörigkeit des Predigers, Trinitarier – verschiedene Fasten- und Bußprediger bzw. Vorbilder für Fasten und Buße: Vorn links die Gründer der Trinitarier, denen das Werk auch gewidmet ist, Felix von Valois (abgelegte Krone in der Hand) und Johannes de Matha, beide sind nicht nur an der Ordenstracht (weißer Habit mit rot-blauem Kreuz, schwarze Kappa), sondern auch an den Ketten als Trinitarier erkennbar, da diese zur Befreiung der Christensklaven gegründet worden sind. Neben ihnen Franz von Paola und wahrscheinlich Johannes von Kreuz, hinter diesen Dominikus, in der nächsten Reihe in der Mitte der Gründer der Kartäuser und “Superbüßer“ Bruno von Köln, links neben ihm Bernhard von Clairvaux, über ihnen die beiden Regel-Geber Augustinus und Benedikt von Nursia. Unklar bleibt, wer der bärtige Mann mit Umhang zwischen Benedikt und Dominikus sein soll, das Vorwort würde Bernhardin von Siena nahe legen, die Art der Darstellung ist allerdings so allgemein gehalten, dass wir es bewusst offen halten wollen. Das Exemplar gehört zur Servitenbibliothek Rattenberg (ursprünglich Augustiner-Eremiten), die sich in der DBS befindet. Wie aus dem handschriftlichen Besitzvermerk hervorgeht, hat es der Prior der Müllner Augustiner-Eremiten, Thomas à Villanova Thaller, 1763 der Niederlassung seines Ordens in Salzburghofen (heute Freilassing, D) geschenkt.

Bernhard Humpel unter Mitwirkung von P. Wolfram Hoyer OP und Peter Rohrmoser