Buchpräsentation "Maria Anna Mozart – Facetten einer Künstlerin"

Willkommen in der Diözesanbibliothek Salzburg!

Wo sich Geschichte und Theologie von ihren besten Seiten zeigen

Die d|b|s Diözesanbibliothek Salzburg ist die älteste Bibliothek in Salzburg. Sie beherbergt mehr als 150.000 Medien mit den Schwerpunkten Theologie, Philosophie, Geschichte und Salisburgensia. Als öffentliche Spezialbibliothek unterstützen wir Sie gerne bei Ihren Recherchen. Die d|b|s Diözesanbibliothek Salzburg ist mit ihrem umfangreichen Altbestand, einer Vielzahl von Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucken sowie wertvollen Sondersammlungen eine bedeutende Kultureinrichtung der Erzdiözese Salzburg.

Unsere Schaustücke im Dommuseum

Seit Anfang Oktober 2019 haben Sie die Möglichkeit, ausgewählte Objekte aus unserem Bestand im Dommuseum Salzburg zu betrachten. In einer Vitrine unter dem Motto „Schätze aus der Diözesanbibliothek Salzburg“ finden Sie wechselnde Schaustücke zu unterschiedlichen Themenbereichen:

 * Die Geburt Christi, Missale Saltzeburgen., Venedig 1515
 

Ausschnitt aus dem Missale Saltzeburgen[se], 1515 in der Druckerei Petri Liechtēstein Coloniensis Germani in Venedig, wahrscheinlich im Auftrag des Erzbischofs Leonhard von Keutschach (1495-1519) gedruckt.

Von diesem, offenbar aus Köln stammendem Drucker, der in der Personennormdatei als Neffe und Nachfolger von Hermann Liechtenstein (-1494) genannt wird, sind laut Bohatta aus der Zeit zwischen 1501 und 1558 22 Missalien bekannt, die meisten davon für Rom. Bereits 1507 hatte er ein von Reimann de Oringaw verlegtes, äußerlich in vielem sehr ähnliches, aber einfacher ausgeführtes, Missale Salisburgense gedruckt. Die Gestaltung des Vorliegenden erinnert an Handschriften der Spätgotik.

Das Archiv der Erzdiözese Salzburg besitzt mehrer Exemplare des Werkes. Die Vorlage dieser Abbildung (FD 350) stammt aus der Sammlung von Joseph Lahnsteiner und befand sich davor in der Dompfarre. 

Abgebildet ist diejenige Seite, die das Ende der Texte und Rubriken sowie Einleitung und Beginn des gesungenen (Quadratnoten) Evangeliums nach Matthäus (Mt 1,1 – 16, Liber g[e]n[er]ationis iesu chri[sti] filij David:)  für die Messe „In Gallicantu“ an Weihnachten mit einem kleinen Holzschnitt zeigt.

Die 3 Messen am Weihnachtstag hatten sich bereits im 6. Jahrhundert eingebürgert (Gregor d. Gr. etwa erwähnt die dreimalige Messfeier; das Gelasianum kennt sie mit den Bezeichnungen in nocte, in mane prima, in die; das Gregorianum (um 592) setzt die 1. Messe an: „ad galli cantum“ (beim Hahnenschrei)[1], später aber wurde die Mitternachtsstunde dafür gewählt).

„In der mittelalterlichen Symbolik (…) pflegte man die mehrfache Meßfeier zur ewigen und zeitlichen Geburt des Heilandes in Beziehung zu bringen. “Prima Missa“, sagt Durandus [Guilelmus Durantis, Liturgiker, Bischof von Mende, 1237-1296] „pertinet ad generationem aeternam, scilicet de patre sine matre, secunda …“[2]  Der Begriff der Generatio führt uns weiter.

Dominik Daschner untersuchte die frühen gedruckten Messbücher Süddeutschlands vor der Übernahme des tridentinischen Missale Romanum in diesem Raum. „Ein markantes Element der Weihnachtsliturgie ist die Lesung des. sog. Liber generationis (Mt 1,1-16) im Anschluss an die Mitternachtsmesse des 25. Dezember. In allen süddeutschen Missalien wird dieser Ritus ausdrücklich erwähnt und dessen Ausgestaltung mehr oder weniger genau beschrieben. Das M[issale]Rom[anum] 1474 kennt diesen Brauch nicht oder erwähnt ihn zumindest nicht.“[3] Diese Lesung sei ein „typisch mittelalterliches Element dramaturgischer Ausgestal­tung von Liturgie“[4] , schon im 12. Jahrhundert als Bestandteil des nächtlichen Stundengebetes nachweisbar. Sozusagen als Vorgeschichte der Geburt Jesu war es Teil des Zugehens auf den Höhepunkt. „In den spätmittelalterlichen Messbüchern hat sich deren Einbindung etwas ver­ändert. Die Lesung des Stammbaums Jesu ist nicht mehr Bestandteil des nächtlichen Stun­dengebetes vor der Mitternachtsmesse, sondern als deren Abschluss in die Mitternachtsmesse selbst integriert worden.“[5] Wie auch im Salzburger Missale wird in den meisten von ihm untersuchten diese Lesung als eine Art Schlussevangelium an die Mitternachtsmesse ange­hängt. Allerdings ist die Unterlegung des Textes mit Noten innerhalb der untersuchten ge­druckten Missalien einzigartig (laut Daschner kennt lediglich das Missale der Diözese Münster von 1520 auch eine Melodie zum Liber generationis), der Verweis darauf, dass es zu singen ist, findet sich nur in den Messbüchern aus Brixen und Konstanz. In mittelalterlichen Handschriften (besonders Lektionarien bzw. Evangeliaren) finden sich solche Evangelientöne zur Christus-Genealogie nach Matthäus hingegen noch sehr oft.      

Die Liturgiereform im Gefolge des Konzils von Trient vereinheitlichte in weiten Teilen den Messritus der römischen Kirche. Der Vortrag des liber generationis an Weihnachten war nicht mehr vorgesehen, deshalb findet sich auch in nach ca. 1600 gedruckten Messbüchern süd­deutscher Diözesen keine Lesung des Stammbaums Jesu in der Weihnachtsliturgie mehr.[6]

 

Bernhard Humpel, DBS unter Mithilfe von Dr. Stefan Engels, KUG

 

 

*  Doppelseite (Kupferstich und von kleinen Stichen umrahmter Text) aus dem

    Missale Romanum, Graz 1651
 

Der Seckauer Bischof Johann Markus von Aldringen (1592-1664) ließ in der Regierungszeit von Fürsterzbischof Paris Lodron, als dessen Generalvikar für die Steiermark er auch fungierte, dieses Missale Romanum herausbringen, verlegt in Graz von Sebastian Haupt, ge­druckt ebendort von Franz Widmanstetter. Der zu dieser Zeit stark vereinheitlichte römische Ritus der Messfeier ließ keine lokalen Besonderheiten mehr zu (lediglich in der Gestaltung des Heiligenkalenders), um aber dem Wunsch Roms nach der Verbreitung des Missale Romanum nachzukommen, ließen viele Bischöfe dieser Zeit römische Missalien in ihrem Diözesangebiet drucken. Den barocken Nuancen entsprechend weist auch das vorliegende Exemplar großzügige Illustrationen zu den Messtexten der Hochfeste auf. Diese Kupferstiche sind teilweise namentlich signiert, so wissen wir, dass die Vorliegenden vom Stecher David Tscherning (ca. 1615-1691) stammen.

 

Bernhard Humpel, DBS



[1] Eisenhofer, Ludwig: Handbuch der katholischen Liturgik, 1. Bd. Allgemeine Liturgik, 2. unveränd.  Aufl.1941); S. 573;  verweist bei der Bedeutung der Mitternachtsstunde auf Weish. 8,1; die Entwicklung verlief wahrscheinlich parallel zur Osternacht (Bestrebungen, die  Liturgie des Adventes der der Fastenzeit nachzubilden); könnte aber auch Einfluss der Kirche von Jerusalem sein (nächtliche Statio in Betlehem)
[2] ebd. S. 574
[3] Daschner, Dominik: Die gedruckten Meßbücher Süddeutschlands bis zur
Übernahme des Missale Romanum Pius V. (1570) - Frankfurt am Main ; Wien [u.a.]: Lang, 1995 (Regensburger Studien zur Theologie ; 47 ), S. 374
[4] ebd.
[5] ebd. S. 375
[6] Erst die Leseordnung des im Gefolge des 2. Vatikanischen Konzils erneuerten Messritus sieht Mt. 1,1-25 als Evangelium für die Messe am Hl. Abend vor.