Bethan Huws

Curious not nosey

21. juli - 2. september 2007

Bethan Huws’ Installation setzt die vor vier Jahren begonnene Reihe von Interventionen zeitgenössischer Künstler/-innen in der Kunst- und Wunderkammer fort. Bislang waren Werke von Susanne Tunn, Jonathan Meese, John Bock und Lorenz Straßl zu sehen. Wie sie hat Bethan Huws einen Schrank des barocken Ensembles eingerichtet

Bethan Huw

Bethan Huws (* Bangor/Wales 1961) studierte bis 1988 am Middlesex Polytechnic und am Royal College of Art in London. 1999-2000 war sie Henry Moore Sculpture Fellow der British School of Rome, 2007-2008 wird sie Artist in Residence des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Berlin sein.

 

Ihre Arbeiten waren unter anderem in London, Cardiff, Paris, Düsseldorf, Krefeld, München, Bern und Wien zu sehen, zuletzt in Einzelausstellungen im Bonnefantenmuseum Maastricht und im Kunstmuseum Sankt Gallen. 1997 war sie an den Skulptur.Projekten in Münster beteiligt. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Paris und unterrichtet an der Hochschule für Gestaltung in Zürich.

 

Bethan Huws’ subtile und sensible Installationen bestehen aus Texten, Objekten, Videos und/oder Zeichnungen. Sie beschäftigen sich stets eingehend mit den Räumen und Orten, für die sie bestimmt sind, mit der menschlichen Sprache und mit der Geschichte der Kunst. So stellt das Readymade „The Plant“ (Abb.) einen Minztopf dar, das Wort „Plant“ bedeutet auf Englisch „Pflanze“, auf Gälisch „Kinder“. Der Gegensatz von Gälisch als Mutter- und Englisch als erster Fremdsprache ist eine grundlegende Erfahrung eines walisischen Kindes. Auf Mies van der Rohes Haus Esters in Krefeld reagierte Bethan Huws nicht mit einem Objekt, das mit der modernen Architektur konkurriert hätte, sondern mit einem Text. Den Titel von Marcel Duchamps kubistischem Gemälde „Nu descendant un escalier“ schrieb sie auf die Wand des Stiegenhauses der Kunsthalle Düsseldorf.

Die Kunst- und Wunderkammer

Die Kunst- und Wunderkammer entstand in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Nach dem Ende des Fürsterzbistums wurde der Sammlungsbestand zerstreut, nur die Schränke blieben zurück. Ihr Inhalt wurde 1974 im Sinne eines barocken Kuriositätenkabinetts rekonstruiert.

 

Eine barocke Kunst- und Wunderkammer versammelte Objekte aus der Natur und Werke der Kunst: ausgestopfte Tiere, Fossilien, wissenschaftliche Geräte, Bergkristallschleifarbeiten etc. Die Stücke waren nicht wissenschaftlich geordnet, sondern nach Material oder Zweck. Die Zeitgenossen unterschieden zwischen künstlichen Objekten, „artificialia“, und natürlichen, „naturalia“. Die einen waren das Werk des Menschen, die anderen galten als das Werk Gottes. In ihrer Gesamtheit sollten sie den Kosmos verbildlichen.

 

Heute ist die Kunst- und Wunderkammer Teil des Museums. Die vielfältige Sammlung von Mineralien, Fossilien, Tieren und Geräten spricht die unmittelbare Erfahrung an, sie erregt Neugier und Staunen.