Gerd Rohling. Miracolo plastico

Gert Rohling, Miracolo Plastico

27. Juli - 1. September 2013

Auch heuer stellt das Dommuseum einen der barocken Vitrinenschränke der Kunst- und Wunderkammer einem zeitgenössischen Künstler zur Verfügung. Die Reihe soll Künstler/innen vorstellen, deren Werke noch nie in Salzburg oder Österreich zu sehen waren. Bislang umfasste sie unter anderem Susanne Tunn, Bethan Huws und Gregor Schneider. In diesem Jahr kommt die Intervention von Gerd Rohling.

Gerd Rohling

Gerd Rohling (* Krefeld 1946) studierte in den siebziger Jahren an der Hochschule der Künste in Berlin (HdK) Malerei und Grafik. 1979 gründete er zusammen mit anderen Kreuzberger Künstlern die Gruppe 1/61. Später wandte er sich jedoch von der Malerei ab und begann, Objekte und Installationen aus einfachen Materialien, ja Abfällen zu schaffen. 

 

Gerd Rohlings Werke waren im Hamburger Bahnhof in Berlin, auf der Biennale in Venedig und zuletzt im Museum Weserburg in Bremen zu sehen. Er arbeitete aber auch in Neapel, Rio de Janeiro und Mumbai.

Miracolo plastico

Die Installation in der Kunst- und Wunderkammer zeigt wertvolle, alte Gläser. Oder? Auf den zweiten Blick sind Schraubverschlüsse, Flaschenhälse und die gewellte Oberfläche einer berühmten Limonadenflasche zu erkennen.

 

Gerd Rohling hat Plastikmüll in historischen Formen verarbeitet, so dass die geschaffenen Objekte aussehen wie barocke Pokale und Schalen. Sie stellen nicht nur die Frage nach der Wahrnehmung der Dinge und nach dem Wert des Materials, sondern auch nach der Rolle des Museums, das sie ausstellt. Sind sie die zeitgemäßen Schaustücke für eine Kunst- und Wunderkammer?

Kunst- und Wunderkammer

Die Kunst- und Wunderkammer der Fürsterzbischöfe von Salzburg entstand seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Nach dem Ende des Fürsterzbistums wurde der Sammlungsbestand zerstreut, nur die leeren Schränke blieben zurück. 1974 wurde deren Inhalt im Sinne eines barocken Kuriositätenkabinetts rekonstruiert.

 

Eine barocke Kunst- und Wunderkammer versammelte Objekte aus der Natur und Werke der Kunst: ausgestopfte Tiere, wissenschaftliche Geräte, Bergkristallschleifarbeiten etc. Die Stücke waren nicht wissenschaftlich geordnet, sondern nach Material oder Zweck. Die Zeitgenossen unterschieden zwischen künstlichen und natürlichen Objekten; in ihrer Gesamtheit sollten sie den Kosmos verbildlichen. Zudem sollten sie das künstlerische und wirtschaftliche Vermögen eines Landes darstellen.

 

Heute ist die Kunst- und Wunderkammer Teil des Dommuseums. Künftig wird sie im Rahmen des Museumsrundgangs das Dommuseum mit dem Museum der Abtei St. Peter verbinden.