Gregor Schneider

u r 6 Wunderkammer 1989/ Eingemauert 1989

25. Juli - 30. August 2009

Auch heuer stellt das Dommuseum wieder einen der barocken Vitrinenschränke in der Kunst- und Wunderkammer einem zeitgenössischen Künstler zur Verfügung. Bislang waren unter anderem Werke von Jonathan Meese, John Bock und Bethan Huws zu sehen. In diesem Jahr kommt die Intervention von dem deutschen Künstler Gregor Schneider.

Gregor Schneider

Gregor Schneider (* Rheydt 1969) wurde mit seinem Werk „Totes Haus u r“, das 2001 auf der Biennale in Venedig den Goldenen Löwen gewann, bekannt. Seine Werke waren seit 1986 unter anderem in Mönchengladbach, Berlin, Paris, London und Tokyo zu sehen, das „Tote Haus u r“ auch 2003 in Los Angeles. In Österreich war Gregor Schneider nur ein Mal ausgestellt, 2000 in der Secession.

 

Gregor Schneiders Arbeiten entstehen oft in langen Prozessen an mehreren Orten und rufen mitunter heftige Kontroversen hervor. Angst, Abwesenheit und Tod sind bestimmende Motive. Das „Tote Haus u r“ entwickelt sich seit 1985 in einem alten Wohnhaus in Rheydt, in dem er Räume ein- und umbaut, teilweise auch unzugänglich macht. END, ein Anbau an das Museum Abteiberg in Mönchengladbach 2008, beginnt mit einem weiten, offenen Eingang und endet, immer enger und dunkler werdend, in einem Schacht, der in das Museum führt. Figuren, die am Boden liegen, als wäre ihnen Gewalt angetan worden, erzeugen eine beklemmende Atmosphäre.

u r 6 Wunderkammer 1989/ Eingemauert 1989

Die Installation in der Kunst- und Wunderkammer besteht aus zwei Monitoren in dem barocken Schrank. Sie zeigen jeweils drei Videos in einer älteren und einer jüngeren Fassung parallel:

 

Haus u r/Rheydt 1996
Nacht-Video 1996
Raum ur 1 u 14, 1988
Habe vergessen, worauf ich warte, 1995

 

Totes Haus u r/Venedig 2001
Nacht-Video 2001
Raum ur 1 u 14, 2001
Habe vergessen, worauf ich warte, 2001

 

Die Aufnahmen stammen aus dem Haus u r. Der Betrachter folgt der unruhigen Kamera durch die kahlen Räume. Man sieht einen Tisch, eine Badewanne, Fenster und immer wieder Türen. Doch es geht nur hin und her, ohne Entrinnen. Der Ton der Schritte, der Türen und des Atems verstärkt den Eindruck der Bilder.
Der Titel der Installation bezieht sich auf das Haus in der Unterheydener Straße in Rheydt. Die Räume dort tragen fortlaufende Nummern. Ein solcher Raum ist auch, im Abstand von 13 Jahren, im jeweils zweiten Video zu sehen.

 

Anders als die Künstler/-innen vor ihm beschäftigt sich Gregor Schneider nicht mit der Sammlung, sondern mit dem Raum. Seine ersten Überlegungen sahen vor, eine Sammlung von Präparaten auszustellen; die gezeigte Installation hingegen holt Räume in den Schrank.

Kunst- und Wunderkammer

Die Kunst- und Wunderkammer entstand in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Nach dem Ende des Fürsterzbistums wurde der Sammlungsbestand zerstreut, nur die Schränke blieben zurück. Ihr Inhalt wurde 1974 im Sinne eines barocken Kuriositätenkabinetts rekonstruiert.

 

Eine barocke Kunst- und Wunderkammer versammelte Objekte aus der Natur und Werke der Kunst: ausgestopfte Tiere, Fossilien, wissenschaftliche Geräte, Bergkristallschleifarbeiten etc. Die Stücke waren nicht wissenschaftlich geordnet, sondern nach Material oder Zweck. Die Zeitgenossen unterschieden zwischen künstlichen Objekten, „artificialia“, und natürlichen, „naturalia“. Die einen waren das Werk des Menschen, die anderen galten als das Werk Gottes. In ihrer Gesamtheit sollten sie den Kosmos verbildlichen.

 

Heute ist die Kunst- und Wunderkammer Teil des Museums. Die vielfältige Sammlung von Mineralien, Fossilien, Tieren und Geräten spricht die unmittelbare Erfahrung an, sie erregt Neugier und Staunen.

Gregor Schneider, u r 6 Wunderkammer 1989/eingemauert 1989 (Detail), 2009
Gregor Schneider, u r 6 Wunderkammer 1989/eingemauert 1989, 2009