John Bock

John Bock, Großes Puppenspiel, Kassel 2002 (Foto: Knut Klaßen)

Nackt der steinige Weg zum FKK

Installation in der Kunst- und Wunderkammer
9. Juli – 31. August 2005

John Bocks Installation setzt die vor zwei Jahren begonnene Reihe von Interventionen zeitgenössischer Künstler/-innen in der Kunst- und Wunderkammer fort. Die Reihe bietet den Künstler/-innen die Möglichkeit, sich in dem barocken Ensemble zu präsentieren, und erlaubt umgekehrt dem Dommuseum, aktuellste Kunst zu zeigen.

 

John Bock (* Gribbohm 1965) studierte an der Hochschule für bildende Kunst in Hamburg. Seit 1992 tritt er mit Aktionen hervor. Zunächst gestaltete er so genannte Vorträge, dann immer aufwändigere Performances. Seit einigen Jahren macht er auch Filme.

 

John Bock nahm 2002 an der Documenta teil und war im letzten Jahr in London, München, Wien und Paris zu sehen. Seit 2004 ist er Professor für Bildhauerei in Karlsruhe. Heuer ist er auf den Biennalen von Venedig und Lyon ausgestellt sowie für den höchstdotierten deutschen Kunstpreis, den Preis für junge Kunst der Berliner Nationalgalerie, nominiert.

 

John Bocks Performances tragen poetisch absurde Titel wie "Von der Kunst bis zum Warten" (Graz 1999) oder "1 Mio $ Knödel Kisses pfüti" (Schwaz 1998). Die Materialien sind meist Lebensmittel und Dinge des täglichen Gebrauchs, das Medium ist der Körper des Künstlers, das Ergebnis die Installation. John Bock geht nicht spontan vor, sondern nach festem Konzept. Er spielt mit der Erwartung des Zuschauers und der Selbstinszenierung des Künstlers: „Ich bin nicht das, was ich vorgebe zu sein“, sagt er selbst dazu.

 

Die Installation "Nackt der steinige Weg zum FKK" versammelt Dinge, die mit dem menschlichen Körper und dem menschlichen Leben zu tun haben: Lebensmittel, Medikamente, Kosmetika und Hygieneartikel. Haferflocken, Bohnen, Milch und Zucker sind darunter, Mittel für den Magen und gegen Allergien, Zahnseide und Zahncreme, Lippenstift, ein Foto- und ein Pediküreapparat, ein Mixer. Der Titel spielt ebenfalls mit dieser Bedeutung, auch wenn ein Weg nicht "nackt", sondern nur "hart" sein kann. Die einzigen Kunstwerke im engeren Sinne sind eine Zeichnung und drei Strickobjekte.

 

Die Installation führt also den Künstler als menschliche Existenz vor. Das Thema ist bewusst gewählt, John Bock distanziert sich von Paul McCarthy (* Salt Lake City 1945), den Wiener Aktionisten (tätig ab 1958) oder Joseph Beuys (* Krefeld 1921, † Düsseldorf 1986), deren Performances den Menschen als gesellschaftliches oder geschlechtliches Wesen zum Gegenstand hatten. John Bock stellt ihrem politischen Anspruch ironisch das triviale Dasein gegenüber.

 

Die Installation sammelt die Reste einer Existenz und trägt die Züge eines geschlossenen Systems. Dadurch kommt sie der Funktionsweise einer barocken Kunst- und Wunderkammer erstaunlich nahe.

John Bock, Nackt der steinige Weg zum FKK, Salzburg 2005
John Bock, Nackt der steinige Weg zum FKK, Salzburg 2005