Lorenz Straßl

15. Juli - 3. September 2006

Lorenz Straßls Installation setzt die vor drei Jahren begonnene Reihe von Interventionen zeitgenössischer Künstler/-innen in der Kunst- und Wunderkammer fort. Bislang waren Werke von Susanne Tunn, Jonathan Meese und John Bock zu sehen. Wie sie hat Lorenz Straßl einen Schrank des barocken Ensembles eingerichtet.

Lorenz Straßl

Lorenz Straßl (* Ingolstadt 1970) studierte Grafikdesign, eher er 1999 zu Günther Förg an die Akademie der Bildenden Künste in München wechselte. Im vergangenen Jahr schloss er sein Studium ab. Seit 2003 waren seine Werke in Innsbruck und München ausgestellt, zuletzt im Rahmen der 4. Berlin Biennale in der Gagosian Gallery. 2005 hatte er eine Einzelausstellung in der Galerie Gabriele Mayer in München.

 

Lorenz Straßl inszeniert Situationen aus Haushaltsgegenständen wie Möbeln und Geräten sowie aus bewegten Elementen wie Feuer, Rauch oder Wasser. Die skurrilen Arrangements hält er in einem Foto fest. Anschließend werden die Gegenstände wieder auseinander genommen, so dass nichts bleibt außer dem Zeugnis der Fotografie.

 

Das Foto verrätselt die Szene oft zusätzlich durch den Ausschnitt oder die Beleuchtung. Es unterstreicht den Charakter der Vergänglichkeit, der schon den flüchtigen Bildelementen innewohnt. Der Banalität der gebrauchten Gegenstände steht die Bedeutungshaftigkeit des geheimnisvollen Moments gegenüber.

Die Installation

Die Installation nimmt die ganze Vitrine ein und besteht zugleich aus zwei „Bildern“, die die beiden Fenster füllen. Feuer, Wasser oder Rauch als Elemente verbieten sich in der Kunst- und Wunderkammer, stattdessen hängen auf der einen Seite Wachstropfen an den Beuteln, auf der anderen ergießt sich ein goldenes Metallgitter in ein Becken. Ihre erstarrte Bewegung scheint auf geheimnisvolle Weise die Zeit festzuhalten.

 

Zu den gebrauchten Gegenständen zählen eine Pelzjacke und ein gläsernes Aquarium. Die verwendeten Materialien roter Samt, weißer Pelz und goldenes Metall wirken „barock“, so dass die Installation in mehrfacher Hinsicht Bezug auf die Kunst- und Wunderkammer nimmt.

Kunst- und Wunderkammer

Die Kunst- und Wunderkammer entstand in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Nach dem Ende des Fürsterzbistums wurde der Sammlungsbestand zerstreut, nur die Schränke blieben zurück. Ihr Inhalt wurde 1974 im Sinne eines barocken Kuriositätenkabinetts rekonstruiert.

 

Eine barocke Kunst- und Wunderkammer versammelte Objekte aus der Natur und Werke der Kunst: ausgestopfte Tiere, Fossilien, wissenschaftliche Geräte, Bergkristallschleifarbeiten etc. Die Stücke waren nicht wissenschaftlich geordnet, sondern nach Material oder Zweck. Die Zeitgenossen unterschieden zwischen künstlichen Objekten, „artificialia“, und natürlichen, „naturalia“. Die einen waren das Werk des Menschen, die anderen galten als das Werk Gottes. In ihrer Gesamtheit sollten sie den Kosmos verbildlichen.

 

Heute ist die Kunst- und Wunderkammer Teil des Museums. Die vielfältige Sammlung von Mineralien, Fossilien, Tieren und Geräten spricht die unmittelbare Erfahrung an, sie erregt Neugier und Staunen.