Da schau her! Monstranzen

Ursulinenmonstranz

1. Juni - 15. August 2013

Das Dommuseum hat eine neue Ausstellungsreihe entwickelt. Jedes Jahr im Sommer wird es Prunkstücke aus Salzburger Kirchenschätzen zeigen, die sonst selten zu sehen sind. Den Anfang machen 2013 vier Hostienmonstranzen aus Kirchen der Erzdiözese.

 

Die Hostienmonstranz entwickelt sich im Hochmittelalter, in der Folge des Fronleichnamsfests, das 1246 erstmals gefeiert wird. Um den Leib Christi, die Hostie, in der Prozession umherzutragen, entstehen vor allem seit dem 15. Jahrhundert neue, prunkvolle Schaugeräte.

 

In der frühen Zeit herrschen die Turmmonstranzen vor, mit einem zylinderförmigen Hostienbehälter und architektonischen Aufbauten aus gotischen Pfeilern, Bögen und Giebeln. Sie haben Reliquienbehälter zum Vorbild, die ja ebenfalls der Zurschaustellung dienen.

 

Im Barock kommen neue Formen auf, zunächst die Scheiben-, dann die Sonnenmonstranz, die von einem Strahlenkranz umgeben ist. Die Hostie sitzt hinter einer runden Scheibe aus Glas oder Kristall, in einer mondsichelförmigen Halterung, der „Lunula“ (lat.: Möndchen). Da die Hostie der Leib Christi ist, sind die Monstranzen oft symbolisch reich geschmückt mit Figuren der Muttergottes, der Engel oder mit ganzen Szenen.

 

In Salzburg gibt es nur wenige gotische Monstranzen; die Mehrzahl der erhaltenen Stücke ist barock. Die Monstranz des Erzbischofs Wolf Dietrich im Domschatz stellt das älteste Beispiel einer Scheibenmonstranz dar. Die Monstranz von Maria Plain gibt das Gnadenbild der Wallfahrtskirche wieder: Maria hebt den Schleier über dem Jesuskind.

 

Monstranzen sind zwar prächtige Schaugeräte, aber sie werden nur an Fronleichnam oder zur Aussetzung des Leibs Christi verwendet und sind dadurch meist den Blicken entzogen. Die Ausstellung soll einen längeren und genaueren Blick auf die Monstranzen erlauben und ihren Sinn erläutern.

Mattsee Monstranz
Hans Reichenperger/Hans Jakob Scheibsradt, Hostienmonstranz, um 1600/nach 1653, Mattsee, Kollegiatstift
Ursulinenmonstranz
Georg Utzwanger, Monstranz des Ursulinenklosters (Detail), um 1720, Salzburg, Dommuseum
Wolf Dietrich Monstranz
Jonas Ostertag (?), Monstranz für Erzbischof Wolf Dietrich, 1596, Salzburg, Domschatz
Muelln Monstranz
Hans Jakob Wildt, Hostienmonstranz, um 1700, Mülln, Pfarrkirche Maria Himmelfahrt
Muelln Monstranz Agraffen
Hans Jakob Wildt, Hostienmonstranz (Detail), um 1700, Mülln, Pfarrkirche Maria Himmelfahrt