Edelsteine, Himmelschnüre. Rosenkränze und Gebetsketten

9. Mai - 26. Oktober 2008

Gebetsschnüre finden in den meisten Religionen Verwendung, im Buddhismus ebenso wie im Islam. Im katholischen Glaubensleben ist es vor allem der „Rosenkranz“, der als Zählhilfe beim Reihengebet dient.

 

Das Wort „Rosenkranz“ bezeichnet sowohl das Reihengebet als auch die Gebetskette, die dazu verwendet wird. Das Reihengebet besteht aus je zehn Ave-Maria, einem Vaterunser und einem „Geheimnis“, das ist eine kurze Betrachtung aus dem Leben Christi. Eingeleitet wird es durch das Glaubensbekenntnis (Credo) und die Bitten um die drei christlichen Tugenden (Glaube, Liebe und Hoffnung).
Die Gebetskette besteht aus kleineren Kugeln für das Ave-Maria und größeren Kugeln für das Vaterunser. Zehn Avekugeln und eine Paternosterkugel bilden ein „Gesätz“. Ein Rosenkranz besteht aus fünf bis fünfzehn Gesätzen; eine Sonderform ist der Zehner mit nur einem Gesätz. Ein Kreuz für das Credo und drei Perlen für die Tugenden kommen hinzu. Verschiedene Ein- und Anhänger können die Kette ergänzen, stehen aber nicht in Zusammenhang mit dem Gebet.

 

Das Rosenkranzgebet entstand am Anfang des 15. Jahrhunderts in Trier. Es wurde nicht, wie die Legende behauptet, durch den hl. Dominikus eingeführt. Zwar gab es schon vor 1400 christliche Reihengebete und Gebetsketten, auch der Name „Rosenkranz“ existierte bereits als Bezeichnung eines Reihen-Mariengebetes. Aber die Verbindung der Gebete und Geheimnisse stellte - erstmals wohl im Advent 1409 - ein Novize des Trierer Karthäuserklosters her, Dominikus von Preußen (+ 1460). Der Prior dieses Klosters, Adolf von Essen (* 1439), sorgte für die Verbreitung des neuen Gebetes.
Ein wichtiger Schritt war die Gründung der Rosenkranzbruderschaft in Köln 1475, der sich noch im gleichen Jahr Kaiser Friedrich III. und sein Sohn Maximilian anschlossen. 1571, nach dem Sieg über die Türken in der Schlacht bei Lepanto, führte Papst Pius V. das Rosenkranzfest offiziell ein; er war es auch, der die Legende vom hl. Dominikus bekannt machte.

 

In der Erzdiözese Salzburg gab es vor 1571 ebenfalls schon Reihengebete und Gebetsschnüre. Auf einem Grabstein von 1396 in der Augustinerkirche in Rattenberg ist die Verstorbene mit einer solchen Schnur dargestellt. Die ältesten erhaltenen Exemplare stammen aus dem folgenden Jahrhundert.
Doch einen spürbaren Aufschwung nahm die Rosenkranzverehrung erst in der Gegenreformation, als Mittel zur Erneuerung der Gebetskultur und der Marienverehrung sowie zur Einbindung der Laienbruderschaften. Der Rosenkranz wurde zum Psalterersatz, weil die Zahl der Gebete der Zahl der Psalmen genau entsprach und weil die Geheimnisse leicht zu merken waren. Der Rosenkranz wurde während der Messe gebetet, den Toten mit ins Grab gegeben und als Amulett getragen. Insgesamt gab es zwischen 1604 und 1884, zwischen Mattsee und St. Michael im Lungau, zwischen Teisendorf und Faistenau 47 Rosenkranzbruderschaften; ein Schwerpunkt der Verehrung lag in Kitzbühel.

 

Nachdem schon die Reformation das Reihengebet als „Geplapper“ angegriffen hatte, wandte sich am Ende des 18. Jahrhunderts auch die katholische Aufklärung gegen den Rosenkranz. Im Jahrhundert der Romantik erlebte er eine kurze Nachblüte, doch in der Moderne verlor er dauerhaft an Wirkung.

Nach Albrecht Dürer, Rosenkranzfest, 1606/1612, Wien, Kunsthistorisches Museum.
Simon Benedikt Faistenberger, Rosenkranzspende, um 1735, Brixen im Thale, Pfarrkirche Maria Himmelfahrt.
Rosenkränze, 18. Jahrhundert, Salzburg, Dommuseum.