Ein Traum von einer Stadt

Salzburg vom Mönchsberg, 1839, Privatbesitz, Foto: Hubert Auer, Hallein

Georg Pezolt (1810-1878) und Salzburg

20. Mai - 26. Oktober 2011

Georg Pezolt (* Salzburg 1810, † ebd. 1878) war Maler und Grafiker, Denkmalpfleger und Kunsthistoriker in Salzburg. Er ist vor allem durch seine Druckgrafiken und Gemälde mit Ansichten aus Stadt und Land Salzburg bekannt.

 

Seine erste Ausbildung erhielt Pezolt bei einem Salzburger Stillleben- und Porträtmaler. Aus dieser Zeit stammen die frühesten erhaltenen Gemälde, vier Altarbilder in Michaelbeuern. Bald darauf ging Pezolt für mehrere Jahre nach Italien. Im Umkreis des schweizerischen Malers Léopold Robert entstanden Genreszenen und Landschaften, darunter sehr schöne Ansichten Venedigs.
1837-1839 hielt sich Pezolt wieder in Salzburg auf und veröffentlichte „Die interessantesten Punkte von Salzburg, Tyrol und Salzkammergut“, eine Serie von 144 Druckgrafiken. Sie wurde ein großer Erfolg. Weil seine Gemälde weniger Anklang fanden, ging Pezolt zurück nach Rom, um sich zu bilden. Dort begegnete er dem Salzburger Erzbischof Friedrich Schwarzenberg, mit dem er über Neapel nach Sizilien reiste. 1842 folgte er ihm nach Salzburg, in der Hoffnung auf Aufträge.
1843 gestaltete Pezolt die Kapelle des Erzbischofs in der Residenz, 1846-1848 entwarf er die Kapelle des neuen Knabenseminars am Mirabellplatz. Beide gehören zu den frühen und herausragenden Beispielen des Historismus in Österreich. Zur gleichen Zeit entstand eine zweite druckgrafische Serie, „Salzburg und seine Angraenzungen“, die auch Darstellungen mittelalterlicher Kunst und historischer Kostüme umfasste.

 

Um 1850 verlagerten sich Pezolts Interessen zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege. Zudem ging Schwarzenberg nach Prag, und die kirchlichen Aufträge blieben aus. 1851 leitete Pezolt die Restaurierung der Fürstenzimmer der Festung, aber er konnte auf Grund seiner mangelnden Ausbildung, eigener Fehler und heftigen Widerstands in Salzburg und Wien auf diesem Gebiet nicht Fuß fassen. Erst 1864?1865 durfte er die Kirche des Priesterseminars und die Margarethenkapelle im Petersfriedhof restaurieren. 1868 wurde er zum Konservator für Salzburg ernannt. Seitdem verbesserten sich seine denkmalpflegerischen Leistungen deutlich.
Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, gestaltete Pezolt Gebrauchsgrafik. Er unterrichtete Kunstgeschichte am Borromäum sowie Zeichnen in der Familie des Bauunternehmers Schwarz und an der Schule des Gewerbevereins. Nach der Neugründung der Schule wurde er jedoch wegen mangelnder Qualifikationen abgelehnt.
Als engagierter Bürger war Pezolt stark in die gesellschaftlichen Entwicklungen Salzburgs um die Mitte des 19. Jahrhunderts eingebunden. Er war Gründungsmitglied des Kunstvereins und der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Seit 1850 nahm er in zahlreichen Zeitungsartikeln Stellung zu denkmalpflegerischen und städtebaulichen Fragen.

 

Georg Pezolt stammte aus einfachen Verhältnissen und konnte nie an einer Akademie oder Universität studieren. Lange Zeit lebte er deshalb in prekären Verhältnissen und fand erst gegen Ende seines Lebens Anerkennung.

Fürstenzimmer der Festung (Tod des Erzbischofs Wolf Dietrich), 1849, Salzburg, Archiv der Erzdiözese Salzburg, Foto: Dommuseum/Josef Kral
Salzburg von einer Loggia, 1850 (?), Salzburg, Salzburg Museum, Foto: Salzburg Museum
Salzburg vom Mönchsberg, 1839, Privatbesitz, Foto: Hubert Auer, Hallein
Georg Pezolt, 1863, Salzburg, Salzburg Museum, Foto: Salzburg Museum
Taormina mit dem Ätna, 1843, Salzburg, Dommuseum zu Salzburg, Foto: Dommuseum/Josef Kral