Erzbischof Marcus Sitticus (1612-1619)

Marcus Sitticus mit Hellbrunn und Dom (Detail), 1618, Salzburg, Schloss Hellbrunn

11. Mai - 28. Oktober 2012

Erzbischof Marcus Sitticus ist für Salzburg ebenso bedeutend wie sein Vorgänger Wolf Dietrich und sein Nachfolger Paris Lodron. In seiner nur sieben Jahre dauernden Amtszeit ließ er den Salzburger Dom neu bauen, Schloss Hellbrunn mit seinen Garten- und Brunnenanlagen errichten, die Residenz erweitern sowie die wichtigsten Stadttore erneuern. Er betrieb die Gründung des Priesterseminars, der Universität und mit besonderem Nachdruck die Durchsetzung der Gegenreformation.

 

Marcus Sitticus wurde 1574 auf Schloss Hohenems geboren. Seine Familie war durch Heirat und Krieg aufgestiegen und hatte ihre Stellung durch kirchliche Ämter gefestigt. Durch seine Mutter war er mit dem bedeutendsten Vertreter der Gegenreformation, Carlo Borromeo, verwandt. Durch den Bruder seines Vaters, Kardinal d’Altemps, hatte er enge Beziehungen nach Rom. Die Hochzeit seiner Eltern 1565 fand im Vatikanpalast statt.

 

Als zweitgeborener Sohn schlug Marcus Sitticus die geistliche Karriere ein. Ab 1598 weilte er in Rom, 1601 wurde er Domherr in Salzburg, 1604 Dompropst in Konstanz. Nach der Verhaftung und dem Rückzug seines Vorgängers wurde er 1612 zum Erzbischof gewählt.

 

Zur Verwirklichung seiner Bauvorhaben holte Marcus Sitticus noch im Jahr seines Amtsantritts den Architekten Santino Solari und den Maler Arsenio Mascagni aus Italien. 1613 begann der Bau des Land- und Jagdschlosses Hellbrunn. 1614 wurde der Grundstein des neuen Doms gelegt; innerhalb von fünf Jahren wuchs der Bau bis zur Traufe.

 

Zur Durchsetzung der Gegenreformation ließ Marcus Sitticus strenge Visitationen in den Pfarren der Erzdiözese durchführen. Er selbst las täglich eine Messe und predigte regelmäßig. Zugleich ließ er so viele Opern aufführen, Umzüge abhalten und Feste feiern, dass sich Kritik an der verschwenderischen Hofhaltung erhob. Zu Lebzeiten ebenso wie nach seinem Tod blieb Marcus Sitticus weniger populär als sein Vorgänger und sein Nachfolger.

 

Aus Anlass des vierhundertsten Jahrestages seines Amtsantritts widmet das Dommuseum Marcus Sitticus eine Ausstellung und, gemeinsam mit der Abteilung kulturelle Sonderprojekte des Landes sowie der Universität Salzburg, eine wissenschaftliche Tagung.
Die Ausstellung setzt die Sonderschauen des Dommuseums und des Landes über Wolf Dietrich (1986) und Paris Lodron (2003) fort. Sie wird sich in drei Teile gliedern: die Familie Marcus Sitticus’, sein Auftreten als Landesherr und sein Wirken als Erzbischof.

 

Porträts aus der ehemaligen Galerie der Hohenemser in Tschechien werden die Eltern und Geschwister vergegenwärtigen; die Gemälde waren noch niemals in Salzburg zu sehen. Aus dem Palazzo Pitti in Florenz kommt die einzig erhaltene goldene Schale mit seinem Wappen, die von der Hofsilberkammer blieb. Zum Amtsantritt Marcus Sitticus’ entstanden allegorische Bilder, die die geistlichen Tugenden des Erzbischofs lobten. Für den Dom ließ er drei Ornate anschaffen, mehr als jeder seiner Nachfolger. Kelche und Altarbilder, die er Pfarren und Bruderschaften stiftete, verdeutlichen seinen Kampf gegen die Reformation.

 

Eine ermäßigte Eintrittskarte wird es den Besuchern ermöglichen, die Ausstellung und das Schloss Hellbrunn mit den Wandmalereien Mascagnis und den Wasserspielen zu sehen.

 

Ergänzend zur Ausstellung wird eine Tagung stattfinden. Sie wird unter anderem die Hofhaltung Marcus Sitticus’ erforschen, seine Beziehungen nach Rom und die Visitationen in den Pfarren. Weiters werden das Priesterseminar, die Universität und die Musik am Hof Thema sein. Zwei Konzerte in Schloss Hellbrunn und in der Residenz, mit Madrigalen, die Marcus Sitticus gewidmet waren, sollen das Programm vervollständigen.

Marcus Sitticus mit seinen Brüdern Wolf Dietrich und Kaspar, 1577, Policka/Tschechische Republik, Städtisches Museum und Galerie, Inv.Nr. G-os 113, Foto: Poli?ka, Städtisches Museum und Galerie
Hans Karl, Henkelschale, Florenz, Palazzo Pitti, Museo degli Argenti, Inv.Nr. 5/A.s.e., Foto: Antonio Quattrone, Florenz
Marcus Sitticus mit Hellbrunn und Dom, 1618, Salzburg, Schloss Hellbrunn, Foto: Dommuseum/J. Kral