Ewald Mataré in Salzburg

Ewald Mataré, Verkündigung (Detail des Tors der Hoffnung), 1956-1958, Salzburg, Dom. © VBK, Wien, 2007.

11. Mai - 28. Oktober 2007

Der Bildhauer Ewald Mataré schuf 1956-1958, neben Giacomo Manzù und Toni Schneider Manzell, eine der drei Bronzetüren des Salzburger Domes und unterrichtete 1957 an der Internationalen Sommerakademie. Daher widmet das Dommuseum seine Sonderausstellung 2007 der Tätigkeit Ewald Matarés in Salzburg und gibt einen kurzen Überblick über das Werk, insbesondere die religiösen Arbeiten des in Österreich wenig bekannten Künstlers.

 

Ewald Mataré (* Aachen 1887, † Büderich 1965) begann in den zwanziger Jahren, als Bildhauer zu arbeiten. Damals entwickelte er jene Tierplastiken, die durch ihre schlichte Schönheit bestechen und die bald von Sammlern und Museen erworben wurden. 1932 berief die Akademie Düsseldorf ihn als Professor, musste ihn nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 aber wieder entlassen. In der Folgezeit war Mataré frei tätig und wandte sich verstärkt religiösen Themen zu. 1937 wurde er in der Nazi-Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt, und die deutschen Museen mussten seine Werke verkaufen. 1945 holte ihn die Kunstakademie zurück.

 

In der Wiederaufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Mataré zahlreiche öffentliche, kirchliche und private Aufträge für Brunnen, Skulpturen sowie Eisen- oder Bronzetüren. Unter anderem schuf er die Bronzetüren für das Südportal des Kölner Domes (1948, 1953-1954) und der Friedenskirche in Hiroshima (1953-1954). Zugleich entstanden kirchliche Geräte wie Kreuze und Kelche, Bauschmuck wie Wetterhähne und Türgriffe sowie weitere Tierplastiken.

 

In Salzburg plante man seit dem Sommer 1955, angeregt durch Giacomo Manzù, den Dom mit Bronzetüren auszustatten. Als Themen legte man die drei christlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung, Liebe fest. Giacomo Manzù, der damals an der Sommerakademie unterrichtete, übernahm das (mittlere) Tor der Liebe, Toni Schneider-Manzell das des Glaubens. Als dritten schlug Schneider-Manzell Ewald Mataré vor.
Seit Ende 1956 gestaltete Mataré die Entwürfe. Seine erste Idee war, dass sich die Hoffnung im Bild der Sendung des Gottessohnes ausdrückt. Das Motiv des Engelsreigens und der Hand Gottes stand von Beginn an fest, die Figur des Christuskindes ersetzte er später durch die „Verkündigung an Maria“. Die ersten Entwürfe sahen eine einflügelige Tür vor, erst das letzte Modell zeigt zwei Flügel. Im Frühjahr 1958 wurde die Türe gegossen und am 28. Juli 1958 geweiht. Die Kosten trug der deutsche Industrielle Alfried Krupp von Bohlen und Halbach.

 

In der Zwischenzeit, von Mitte Juli bis Mitte August 1957, lehrte Mataré Bildhauerei an Oskar Kokoschkas Internationaler Sommerakademie. Mataré wollte seinen Schülern durch das Schnitzen einfacher Reliefs oder das Modellieren einer Vase immer ein Formgefühl vermitteln: „[…] ich werde Ihnen eine Arbeit auftragen, die Ihnen, indem Sie sie ausführen, verständlich machen wird, was ‚Form’ ist. Und das ist sehr wichtig."

 

Die Ausstellung wird einige der schönsten Tier- und Menschenfiguren Matarés zeigen, sowohl im hölzernen Original als auch im bronzenen Abguss. Kreuze und Kelche werden für die kirchlichen Aufträge stehen, Zeichnungen, Fotos und Briefe die Entstehung der Salzburger Türe dokumentieren, Fotos und Arbeiten aus der Sommerakademie den Unterricht darstellen. Einer seiner berühmtesten Düsseldorfer Schüler, Joseph Beuys, ist ebenfalls vertreten.
Ergänzend zur Ausstellung bieten die Salzburger Fremdenführer einen Rundgang zu Werken Matarés, Manzùs und Schneider-Manzells in der Altstadt an.

Ewald Mataré, Tor der Hoffnung, 1956-1958, Salzburg, Dom. © VBK, Wien, 2007.
Eule, 1963-1964, Neuss, Clemens Sels-Museum. © VBK, Wien, 2007.
Nausika Pastra, Roland Göschl und Ewald Mataré in der Sommerakademie, 1957
Hl. Antonius predigt den Fischen, 1942?1943, Köln, St. Kolumba. © VBK, Wien, 2007. Foto: Mark Schneidermann, Köln.
Große liegende Kuh, 1930, Kleve, Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung. © VBK, Wien, 2007.