Glaube und Aberglaube

Amulette, Medaillen, Andachtsbildchen, Votive, Kreuze, 18. Jahrhundert

Amulette, Medaillen, Andachtsbildchen

21. Mai - 26. Oktober 2010

Das Dommuseum setzt sich in seiner diesjährigen Ausstellung mit „Glaube und Aberglaube“ des Barock auseinander. Im Mittelpunkt stehen religiöse Medaillen und Grafik sowie Amulette aus dem Besitz der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung; davon ausgehend beleuchtet die Ausstellung die dunklen und hellen Seiten der religiösen Alltagskultur jener Zeit.

 

Der umfangreiche Bestand umfasst etwa 500 religiöse Medaillen, 700 Bildchen sowie einige hundert Amulette, Wallfahrtsandenken, Votive und Kreuze. Die religiösen Medaillen stammen vor allem aus dem 17.-19. Jahrhundert. So betrieb die Familie der Hamerani von 1605 bis 1846 in Rom eine der größten Werkstätten dieser Art. Die Werkstatt Peter und Paul Seels belieferte von Salzburg aus, dank einer neuen Prägetechnik, süddeutsche und österreichische Wallfahrtsorte mit Medaillen in großer Zahl.
Der Grafikbestand reicht vom Holzschnitt aus der Schedelschen Weltchronik über Augsburger Kupferstiche bis hin zu Pergamentminiaturen. Heiligen- und Gnadenbilder sind ebenso darunter wie Gebetszettel und Schluckbildchen. Zu den Amuletten zählen Anhänger aus Steinbockhorn und Malachit, aber auch Gichtkugeln und Drudenmesser.
Die schiere Menge macht deutlich, dass diese Objekte Massenware waren. Sie richteten sich an ein breites Publikum, das ihnen je nach Schicht, Bildung und Zweck unterschiedliche praktische Funktionen verlieh: Sie dienten als Andenken an eine Wallfahrt, als Schmuck der Kleidung oder des Heims oder als Schutz vor Zauber und Krankheiten. Ein Objekt konnte mehrere Aufgaben erfüllen, mehrere Objekte die gleiche Aufgabe. Die Produzenten und Auftraggeber nahmen diese Umstände hin, ja, machten sie sich zunutze.

 

Die Ausstellung ordnet diese Objekte in ihre kirchen- und kunstgeschichtlichen Zusammenhänge ein und zeigt die Umstände auf, unter denen man sie verwendete. Am Anfang der Ausstellung stehen daher Zeugnisse von Krankheiten wie der Pest und Katastrophen wie dem Bergsturz in Salzburg 1669. Auch zwei Bauopfer sind zu sehen.
In der Folge macht die Ausstellung die Übergänge vom Glauben zum Aberglauben deutlich, vom profanen Amulett wie der Gichtkugel über die „geweihten Dinge“ wie den Benediktuspfennig bis hin zum Sakrament der Eucharistie. Diese Übergänge waren den Zeitgenossen bewusst und spiegeln sich in den damaligen Schriften wieder. In der Ausstellung liegen deshalb das offizielle Salzburger Rituale, ein halboffizielles Handbuch mit Segensformeln und auch ein Zauberbuch. Die Aufklärung versuchte, die fragwürdigen Gegenstände und Praktiken zu verdrängen, mit unterschiedlichem Erfolg.
Die Amulette, Medaillen und Bildchen kennzeichnen den Versuch, die Unübersichtlichkeit und Unsicherheit der damaligen Lebensumstände zu beherrschen. Aber sie stehen auch für die Vorstellung, dass Gott in der Welt allgegenwärtig ist und wirkt.

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der alle Objekte abbildet und beschreibt. Aufsätze von E. Grabner, U. Kammerhofer, Chr. Mayrhofer, L. Mödl, L. Öhler und W. Schaber beschäftigen sich mit Medaillen, Kreuzen und Hausapotheken, Bauopfern, der Pest in Hallein sowie allgemein mit dem Verhältnis von Frömmigkeit und Aberglaube.

Amulette, Medaillen, Andachtsbildchen, 18. Jahrhundert, Salzburg, Dommuseum
Foto: Dommuseum/Josef Kral
Brand Mühldorfs, 1640, Mühldorf, Kreismuseum im Lodronhaus (Leihgabe der Pfarre St. Nikolaus)
Foto: Dommuseum/Josef Kral
Johann Friedrich Pereth, Fürbitte der hll. Maria und Barbara für Insassen des Johannesspitals, um 1695, Salzburg, Land Salzburg (Johannesspitalkirche)
Foto: Dommuseum/Josef Kral