Himmelsbilder. Images of Heaven

12. Mai - 30. Oktober 2005

Was ist für Sie der Himmel? Der Sitz Gottes, der Ort von Wetter und Sternen, ein Inbegriff der Sehnsucht?

 

Das Bild des Himmels hat sich im Laufe der Zeiten stark gewandelt, vom biblischen "himmlischen Jerusalem" über Dantes "Paradies" und den "offenen Himmel" barocker Deckengemälde bis zu den Sternbildern der Weltraumfotografie. Zugleich änderten sich die Vorstellungen von Dies- und Jenseits, von "Erde" und "Hölle".
Das Bild des Himmels ist aber nicht nur historisch, sondern auch semantisch vielschichtig. Das Grimm’sche Wörterbuch führt 22 verschiedene Bedeutungen an, die englische Sprache hat zwei Wörter dafür: "sky" und "heaven". Denn der "Himmel" gehört - anders als die "Erde" oder die "Hölle" - sowohl dem Diesseits als auch dem Jenseits an.
Die Ausstellung "Himmelsbilder" geht diesen Entwicklungen und diesen vielschichtigen Bedeutungen nach. Sie ist sowohl thematisch als auch chronologisch in drei Kapitel gegliedert: "Himmel und Hölle", "Himmel und Erde" sowie "Weltall".

 

Das Alte Testament beschreibt ein irdisches Paradies, den "Garten Eden". Im Mittelalter stellte man sich vor, es gebe zehn Himmel, die Erde stehe im Zentrum des Alls und Gott habe seinen Sitz im zehnten, äußersten Kreis. Das "himmlische Paradies" dachte man sich ganz von Licht erfüllt, deshalb wurde es in der Malerei durch Goldgrund symbolisiert. Die Vorstellung der "Hölle" war geknüpft an die biblische Idee des Letzten Gerichts, das die Guten belohnt und die Bösen bestraft.
Um 1500 veränderte sich das Bild des Himmels rasch. Unter dem Einfluss Kopernikus' setzte sich die Meinung durch, dass die Sonne im Zentrum des Alls steht. Zugleich rückte die Erde in den Mittelpunkt des Interesses; die Landschaftsgemälde jener Zeit drücken es deutlich aus. Das Bild des "Turmbau zu Babel", das seit 1500 auffallend häufig wurde, zeugt von der Beschäftigung mit dem Verhältnis von Himmel und Erde, denn es bedeutet den Versuch des Menschen, den Himmel zu Lebzeiten mit Gewalt zu erreichen.
Barocke Deckenbilder stellen oft den "offenen Himmel" dar, die Erscheinung Gottes und der Heiligen auf Wolken. Er war ein Zeichen der Gnade, aber er verwischte auch die Grenze zwischen Dies- und Jenseits, die im Mittelalter scharf gezogen worden war.
Um 1800 entstanden erstmals reine Wolkenbilder, sozusagen Bilder des leeren Himmels. Zur gleichen Zeit ersetzten Himmelsatlanten die alten, mythologischen Sternbilder. Diese neue wissenschaftliche Darstellungsform entsprach besser der steigenden Zahl entdeckter Sterne und der Idee eines polyzentrischen Weltalls. In der zeitgenössischen Kunst hat sich das Himmelsbild differenziert in Stern-, Wolken- und Landschaftsbilder, ohne inhaltliche Festlegung.

 

Die Ausstellung zeigt romanische Bronzen, gotische und barocke Malereien sowie wissenschaftliche Geräte und Bücher. Eigens für die Ausstellung wurden der „Himmelsglobus“ aus St. Peter, die "Versuchung des hl. Antonius" aus dem Dommuseum und Ludwig Glötzles riesige Gemälde von der Westwand des Domes restauriert. Am Schluss stehen Fotografien von Thomas Ruff, Gemälde von Eva Schlegel sowie ein Alien.

Himmelsglobus, um 1660/1680 und 1790/1810, Salzburg, Dommuseum (Leihgabe der Erzabtei St. Peter)
Eva Schlegel, ohne Titel (Wolken), 1999, courtesy Galerie SixFriedrichLisaUngar, München
Ludwig Glötzle, Auffahrt der Seligen, 1891, Salzburg, Dom
Marienkrönung, Oberösterreich/Salzburg, um 1520, Stift Kremsmünster, Kunstsammlungen