Veit Stoss. der Altar aus Stift Nonnberg

2. Juni - 3. Oktober 2006

Am Ende des 15. Jahrhunderts waren die bedeutendsten Bildhauer für Salzburger Kirchen tätig. 1495 schuf Michael Pacher den Altar der Franziskanerkirche, 1499 der so genannte Meister von Großgmain den Altar der Pfarrkirche dort. Zur gleichen Zeit entstand der Marienaltar, der sich heute in Stift Nonnberg befindet und der Veit Stoss zugeschrieben wird. Dieser Altar, der vor kurzem restauriert wurde, ist im Juni drei Wochen lang im Dommuseum zu sehen.

 

Der Nonnberger Altar ist weder datiert noch signiert. Er entstand vermutlich 1498 für eine Kapelle des Salzburger Domes. Als der mittelalterliche Dom um 1600 abgebrochen wurde, dürfte der Altar - wie viele andere Kunstwerke auch - weggegeben worden sein. Er gelangte nach Stift Nonnberg und steht seit 1885 dort in der Johanneskapelle. Anfang des letzten Jahrhunderts wurde der Altar noch für das Werk eines bayerischen Bildhauers gehalten, seit 1950 wird er Veit Stoss oder einem seiner Gesellen zugeschrieben.

 

Veit Stoss (* Horb am Neckar um 1445, + Nürnberg 1533) gehört zu den bedeutendsten Künstlern der Spätgotik. Er war als Fass-, Tafelmaler und Bildhauer tätig und wirkte insbesondere in Nürnberg und Krakau. Zu seinen wichtigsten Werken gehören die Marienaltäre in Bamberg und Krakau sowie das Königsgrab ebendort, das aus Adneter Marmor besteht. Stoss entwickelte einen höchst persönlichen Stil, der stark durch den niederländischen Realismus beeinflusst ist.

 

Der Altar stellt Szenen aus dem Marienleben dar: die „Verkündigung“ oben links, die „Geburt Christi“ im Mittelschrein, die „Anbetung der Könige“ unten links und den „Tod Mariens“ oben rechts. Ungewöhnlich ist die Darstellung unten rechts, die „Erscheinung des Auferstandenen vor Maria“. Anders als die übrigen Szenen geht sie nicht auf die Bibel, sondern auf die mittelalterliche, mystische Literatur zurück.
Die Außenseite des Altars zeigt unten die heiligen Katharina und Barbara mit dem Rad bzw. dem Kelch, oben erneut Maria und Christus: Die Muttergottes betet den Auferstandenen an, der auf dem Kreuz kniet - eine Anspielung auf die Verehrung der Eucharistie.

 

Der Nonnberger Marienaltar wurde im Laufe der Geschichte mehrfach neu gefasst, nachweislich erstmals 1601, dann wieder 1885. Eine Restaurierung nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte man, um die älteren Übermalungen abzunehmen; damals wurde auch die Figur des Jesuskindes ersetzt. Verschmutzungen und neue Schäden veranlassten 2004 eine erneute Restaurierung.
Diese Restaurierung in den Werkstätten des Bundesdenkmalamtes in Wien bringt die herausragende Qualität und den guten Erhaltungszustand des Altares wieder zur Geltung. Er stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit von Veit Stoss und seiner Werkstatt.

 

Die Restaurierung des Altares hat mehr als 3000 Arbeitsstunden gedauert und € 160.000,00 gekostet. Sie ist noch nicht vollständig finanziert. Unterstützen Sie die Sicherung dieses Salzburger Kunstschatzes durch eine Spende mit dem Vermerk:
„Veit-Stoss-Altar in Stift Nonnberg, Salzburg“
auf das Konto des Bundesdenkmalamtes:
PSK, BLZ 60000, Konto Nr. 5031050
Die Spende ist zu 50 % steuerlich absetzbar.

 

Die Restaurierung wurde gefördert durch die Firma G. Hinteregger, das Bankhaus Spängler und durch Dr. Kampla, Wien.

Linker Außenflügel.
Veit Stoss und Werkstatt, Innenseite des Altares, 1498.
Rechter Außenflügel.
Erscheinung des Auferstandenen vor Maria (Detail).
Verkündigung (Detail).
Gesicht des hl. Josef (während der Restaurierung).
Gesicht der Maria (während der Restaurierung).