Die heilige Familie

28. November 2009 - 6. Januar 2010

„Vater“, „Mutter“, „Kind“ sind nicht nur biologisch, sondern auch psychologisch und sozial bestimmende Größen. Daher haben sich die Vorstellungen von der Familie im Laufe der Zeit stark gewandelt. Die Weihnachtsausstellung des Dommuseums geht diesen Veränderungen im Bild und in der Verehrung der Familie Jesu zwischen 15. und 20. Jahrhundert nach.

 

Die Angaben der Bibel zur Familie Jesu sind disparat. Das Matthäusevangelium beginnt mit einer Aufzählung des Stammbaums von Abraham über David bis Josef (Mt 1,1-16). Josef wird als „Verlobter“ Marias, der Mutter Jesu, bezeichnet (Mt 1,18, Lk 1,27). Der Evangelist Lukas nennt zudem Marias „Verwandte“ Elisabeth und deren Mann Zacharias sowie deren Sohn Johannes, den späteren Täufer (Lk 1,36).

 

Im Mittelalter wurde die Familie Jesu meist in Gestalt der „Anna Selbdritt“ oder der „Hl. Sippe“ verbildlicht. Erstere zeigt Jesus, seine Mutter Maria und deren Mutter Anna, letztere fügt Marias Schwestern, deren Männer und Kinder hinzu. Inhaltlich stand, im Sinne der Evangelien, die Genealogie im Vordergrund. Künstlerisch richtete sich die Darstellung nach dem Vorbild der thronenden Madonna. In Salzburg haben sich bedeutende Beispiele beider Bildtypen erhalten, ein Frühdruck in der Universitäts¬bibliothek sowie Skulpturen in Puch.

 

Kurz nach 1500 verschob sich die Bedeutung des Bildes, und das Alltags- oder das Gefühlsleben wurde betont: Dürer stellte die Werkstatt Josefs, Raffael das innige Verhältnis von Mutter und Kind dar. Insbesondere Raffaels „Hl. Familien“ hatten nachhaltige Wirkung und wurden vielfach nachgeahmt, vor allem auch in Kupferstichen.

 

Seit etwa 1650 kommt das Bild des „Hl. Wandels“ vor, zunächst in der Druckgrafik, dann auf Altären und Andachtsbildchen. Es zeigt Maria, Jesus und Josef auf Wanderschaft wie bei der Rückkehr aus Ägypten. Der Mondseer Bildhauer Meinrad Guggenbichler, z. B., schuf Altarfiguren dieses Themas.

 

Seit etwa 1650 entstanden Bruderschaften zu „Jesus, Maria und Josef“, die ihren Mitgliedern ausdrücklich das Ziel setzten, „ein ehrbares Leben“ zu führen und „den Müßiggang und das Kartenspiel [zu] meiden“. In der Erzdiözese Salzburg gab es solche Vereinigungen unter anderem in Brixlegg und Hopfgarten.

 

ruderschaftszettel und Andachtsbildchen dienten dazu, die Mitglieder zu binden und die gesellschaftlichen Vorstellungen zu prägen.

 

Im Spätbarock trat, in der Nachfolge Raffaels, der empfindsame Zug der Familie stärker hervor. Simon Benedikt Faistenberger, Jakob Zanusi und Johann Martin gen. Kremser Schmidt deuteten das Bild in diesem Sinne.

 

Im 19. Jahrhundert wurde das soziale Vorbild der Hl. Familie in den Vordergrund gestellt. Bilder um 1900 zeigen, in der Nachfolge Dürers, Jesus, Maria und Joseph bei der Arbeit. Im 20. Jahrhundert holten die Künstler die Hl. Familie zurück in den Alltag und stellten sie als Familie jener Zeit dar.

Johann Martin gen. Kremser Schmidt, Heilige Familie, um 1790, Stift Göttweig, Kunstsammlungen, Foto: Stift Göttweig/E. Knaack
Heiliger Wandel, Salzburg, um 1750, Privatbesitz, Foto: Dommuseum/J. Kral
Anna Selbdritt, 1475/1500, Salzburg, Universitätsbibliothek, Foto: Universitätsbibliothek/B. Koll