Engel. Frohe Boten

29. November 2008 - 6. Januar 2009

Die heurige Weihnachtsausstellung des Dommuseums widmet sich den Darstellungen von Engeln in der Weihnachtsgeschichte und trägt den Titel „Frohe Boten“. Denn Engel treten im Weihnachtsevangelium vor allem als Gottesboten auf: Ein Engel verkündet Maria die Geburt Christi (Lk 1,28). Schon vorher verkündet ein Engel dem Zacharias die Geburt seines Sohnes Johannes (Lk 1,11). Mehrfach erscheint ein Engel dem Joseph im Traum und offenbart ihm den göttlichen Willen (Mt 1,20, 2,13,19). Eine der bekanntesten und schönsten Stellen ist der Engelschor bei den Hirten (Lk 2,14):

 

„Gloria in excelsis deo et in terra pax hominibus.“
- „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.“

 

Engel sind - gemäß den Vorstellungen mittelalterlicher Theologen - von Gott geschaffene, rein geistige Wesen. Sie haben eine eigene Persönlichkeit, aber keinen Körper. Nach Thomas von Aquin stehen sie Gott näher, als es die Seelen der Menschen tun. Gregor der Große unterscheidet neun Chöre der Engel. Das Weihnachtsevangelium nennt nur den Erzengel Gabriel, der Maria und Joachim erschien, namentlich (Lk 1,19, 1,26).

 

In der frühchristlichen Kunst gab man Engel als junge Männer wieder, um sie von heidni¬schen Wesen zu unterscheiden. Erst nach 400 wurden die Engel, unter dem Eindruck heidnischer Bilder und biblischer Texte (Ez 1,6), mit Flügeln dargestellt. Seitdem hält sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, diese Vorstellung.

 

In der romanischen Kunst sind die Engel Figuren mit mächtigen Schwingen. Seit der Gotik gewinnen sie menschliche Züge. In der Renaissance und vor allem im Barock verbreitet sich die Figur des Kinderengels. Die „Putti“ füllen in großer Zahl die Bilder und Räume, wie um das allgegenwärtige göttliche Wirken auszudrücken.

 

Die weitaus häufigste weihnachtliche Szene, in der ein Engel dargestellt wird, ist die „Verkündigung an Maria“. In der romanischen Kunst ist der Engel stehend gezeigt, so im Antiphonar von St. Peter. In der Gotik kniet er vor Maria, um die Anerkennung ihrer Gnade zu bezeugen. Er hält einen Stab in der Hand, mit den Worten seines Grußes auf einem Schriftband, oder eine Lilie als Hinweis auf die jungfräuliche Geburt. Nicht selten wird die Szene auf zwei Bilder eines Altares verteilt. Die „Verkündigung an die Hirten“ findet sich oft im Hintergrund der „Anbetung des Kindes“. Der „Traum Josephs“ kommt ebenfalls nur gelegentlich vor.

 

Die Engel der Weihnachtsgeschichte sind keine „Beamten des Himmels […] im Außendienst“ (Giorgio Agamben), sondern sie sind - ganz im Sinne der ursprünglichen Bedeutung des griechischen Wortes „angelos“, „Bote“ – Überbringer der freudigen Nachricht von der Geburt des Gottessohnes.

Thomas Schwanthaler, Verkündigungsengel, um 1670/1680, Salzburg, Dommuseum zu Salzburg
Stefan Föger, Schwebender Engel, 1748, Rattenberg, Augustinermuseum
Verlobung der hl. Katharina, Augsburg oder München, um 1620, Freising, Diözesanmuseum