Freue dich, Christkind kommt bald!

1. Dezember 2012 - 6. Januar 2013

Seit dem Jahr 354 wird der Geburtstag Christi am 25. Dezember gefeiert, dem antiken Datum der Wintersonnenwende, denn der Übergang von der Finsternis zum Licht symbolisiert das Kommen Christi. Seit dem 14. Jahrhundert galt der Weihnachtstag, der großen Bedeutung des Fests gemäß, auch als Neujahrstag. Man tauschte kleine Geschenke aus, etwa Holzschnitte mit einem Neujahrswunsch und dem Jesuskind als Glücksbringer. Dienstboten, Knechte und Mägde erhielten Geld. Weihnachten war aber kein Familienfest, und die Kinder erhielten die Geschenke am 6. Dezember vom Nikolaus.

 

Für die „private“ Andacht entstanden im 14. Jahrhundert erstmals einzelne Darstellungen des Jesuskindes. Novizinnen erhielten beim Eintritt ins Kloster Figuren des Jesuskinds geschenkt, die den mystischen „himmlischen Bräutigam“ der Nonne vergegenwärtigen und als „Trösterlein“ die Trennung von der Familie mildern sollten.
In „offiziellen“ Zusammenhängen, in liturgischen Büchern oder auf Altären, blieb das Bild des Jesuskinds selten. In einer Handschrift der Universitätsbibliothek Salzburg findet es sich als Illustration des Verses „Uns ist ein Kind geboren“ („Puer natus est nobis“), also als Sinnbild der Menschwerdung Christi. In diesem Sinne konnte das Jesuskind auch eucharistische Bedeutung tragen, also den Leib Christi darstellen.

 

Seit der Gegenreformation nahm die Christkindverehrung zu. Die große Jesuskindstatue aus der Pfarrkirche Abtenau (um 1625) wurde wohl zu Weihnachten auf dem Hochaltar aufgestellt. Damals entstanden auch vermehrt Jesuskind-Wallfahrten. Das bekannteste Gnadenbild ist das Prager Jesulein, aber auch das Loreto-Kindl in der Stadt Salzburg und das Filzmooser Kindl gewannen überregionale Bedeutung. Viel verehrte Bilder gab es zudem in Steyr, München, Wien und Madrid.

 

Die häufigste Form der mittelalterlichen Darstellung war das stehende, segnende Jesuskind mit der Weltkugel. Seltener sind Skulpturen mit Weintrauben, Vögeln oder in einer Wiege. Im Barock kamen sitzende, liegende und gefatschte Kindln hinzu. Das Gnadenbild der Augustiner in München ist ein solches „Fatschenkindl“.
Die Druckgrafik als Massenmedium hingegen diente zu allen Zeiten als künstlerisches Experimentierfeld. Holzschnitte und Kupferstiche zeigen das Jesuskind in vielerlei Gestalt, mit Leidenswerkzeugen, als Hinweis auf das Leiden Christi und die Erlösung, oder auf einem Esel, in einem Herzen, mit einem Lamm, als Fischer u. a. m.

 

In der Reformation entwickelte sich Weihnachten zum Geschenkfest. Martin Luther schaffte die Heiligenverehrung ab, behielt aber mit Rücksicht auf den kindlichen Geschenkbrauch den hl. Nikolaus bei. Nach und nach wurde Nikolaus jedoch durch den „heiligen Christ“ oder das Christkind, das die Geschenke bringt, verdrängt. Luthers genaue Vorstellungen sind unklar. Das Gaben bringende Christkind nahm schließlich die Gestalt eines engelhaften Mädchens an. Weiß gewandet, mit blond gelocktem Haar, trat es bei Krippenspielen und Weihnachtsumzügen auf.

 

Im 19. Jahrhundert übernahmen schließlich auch die Katholiken das Gaben bringende Christkind, ebenso wie übrigens auch den Christbaum, den es schon seit dem 17. Jahrhundert im Elsass gab. In Andachtsbildchen wurde das Christkind nun dem Jesuskind gleichgesetzt und der Christbaum als Attribut beigegeben. Wenn es vordergründig um Geschenkbrauchtum – ohne religiösen Bezug – ging, war das „profanere“ Christkind, das engelhafte Mädchen, zuständig, unter dessen Schirmherrschaft heutzutage die „Christkindlmärkte“ stehen.

Jesuskind als Weltenherrscher, um 1750, Mattsee, Stift Mattsee, Foto: Dommuseum/J. Kral
Christkind mit Krippe und Baum (Andachtsbildchen), um 1890, Dommuseum zu Salzburg (E. Haberland-Wagner-Stiftung), Foto: Domuseum/J.Kral
Jesuskind von Filzmoos (Andachtsbildchen), Johann Melchior Gutwein, um 1750, Salzburg Dommuseum (Edith-Haberland-Wagner-Stiftung), Foto: Dommuseum/J. Kral
Segnendes Christkind, Salzburg, um 1450, Salzburg, Dommuseum zu Salzburg, Foto: Dommuseum/J. Kral
Jesuskind als Erlöser, nach Anton van Dyck, um 1700, St. Florian, Augustiner-Chorherrenstift Sankt Florian, Foto: Dommuseum/J. Kral
Die Hirten entdecken das Jesuskind von Filzmoos, 1750/1800, Privatbesitz, Foto: Dommuseum/J. Kral