Hirten erst kundgemacht

27. November 2010 - 6. Januar 2011

„Stille Nacht, heilige Nacht, Hirten erst kundgemacht“, heißt es im Weihnachtslied von Josef Mohr und Franz Xaver Gruber (1816/1818). Denn einfache Hirten waren die ersten Zeugen der Geburt Christi: Nachdem ein Engel ihnen die Ankunft des Erlösers verkündet hatte, eilten sie zum Stall nach Bethlehem, um das Kind zu sehen (Lk 2,8-20).

 

Schon in den liturgischen Weihnachtsfeiern des Mittelalters wurden die Hirten daher als Zeugen angeführt. Der Gesang: „Quem vidistis pastores“, „Wen habt Ihr gesehen, Hirten?“, findet sich auch in einer Handschrift aus dem Salzburger Dom (um 1200). Die romanische Buchmalerei, so das Antiphonar von St. Peter (um 1160), stellte meist die „Verkündigung an die Hirten“ dar, das eindrucksvolle Lob der Engel: „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden seiner Gnade!“ (Lk 2,14).

 

In der Kunst der Gotik wurde hingegen die Szene der „Anbetung des Kindes“ bevorzugt. Sie entstammte nicht dem biblischen Text, sondern der mystischen Literatur jener Zeit und machte die Hirten zu Vorbildern für den Betrachter. In der Ausstellung ist sie durch zwei grafische Blätter Albrecht Dürers (1502/1503) und Martin Schongauers (um 1470) vertreten.

 

Die Künstler des Barock blieben bei dieser Darstellung. Die „Anbetung der Hirten“ findet sich in Kabinettbildern und Bildserien, gelegentlich auch auf Altären. Ein Gemälde von Johann Martin gen. Kremser Schmidt (1780) und eine Wiederholung Johann Friedrich Pereths nach Johann Michael Rottmayr (um 1691) stehen für diese Epoche.

 

Während die Künstler des 19. Jahrhunderts die Unterordnung der Hirten unter das göttliche Kind hervorhoben, betonten sie im 20. Jahrhundert wieder die einfachen Umstände der Geburt und ihrer Zeugen. Mit Albin Egger-Lienz’ „Christnacht“ (1903-1905) bietet die Ausstellung ein herausragendes Beispiel.

 

In Krippen waren die Hirten unverzichtbar, denn in einer von der Landwirtschaft geprägten Gesellschaft konnten die Betrachter sich in ihnen wiedererkennen. Krippenfiguren des 18.-20. Jahrhunderts runden daher die Ausstellung ab.

 

Ein Exkurs widmet sich dem Bild Christi als „Guter Hirte“. Das Motiv tauchte in der Katakombenmalerei des 3. Jahrhunderts auf und verbreitete sich im 18. Jahrhundert dank eines Buchs, das den „Pastor bonus“ als Vorbild für den Pfarrer empfahl. Besonders häufig findet sich der gute Hirte auf Kanzeln, auch in einem Entwurf für den Salzburger Dom (um 1750).

Albin Egger-Lienz, Christnacht, 1903-1905, Lienz, Museum Schloss Bruck, Foto: Lienz, Museum Schloss Bruck
Anbetung der Hirten (Pacificale des Papstes Gregor XIII., Detail), Rom, 1572/1577, Salzburg, Dommuseum zu Salzburg, Foto: Dommuseum/Josef Kral
Hirten (Krippenfiguren), 1750/1800, Sankt Georgen bei Salzburg/Untereching
Foto: Dommuseum/Josef Kral