Nikolaus und Weihnachtsmann

26. November 2011 - 8. Januar 2012

Die Gabenbringer Nikolaus und Weihnachtsmann sind nicht unumstritten: In manchen Augen vertritt Nikolaus eine nicht mehr zeitgemäße katholische Tradition, der Weihnachtsmann wiederum erscheint als Repräsentant des ausufernden Weihnachtsgeschäfts. Die Diskussion um das Nikolausverbot in Wiener Kindergärten 2010 oder die seit 2002 laufende Aktion „Weihnachtsmannfreie Zone“ des deutschen Bonifatiuswerks sind Beispiele dieser Auseinandersetzung. Dass sich Nikolaus und Weihnachtsmann schlecht miteinander vertragen, wird aus der Geschichte verständlich. Anhand von Werken der bildenden Kunst spürt die Ausstellung dem Nikolauskult und -brauchtum sowie der Entstehung seines weltlichen Pendants, des Weihnachtsmanns, nach.

 

Nikolaus von Myra (* Patara um 270/280, † um 350) ist als historische Person kaum greifbar, seine Lebensgeschichte beruht auf Legenden und dürfte mit der Vita eines gleichnamigen Abtes und Bischofs vermischt worden sein. Nikolaus soll von seinem gleichnamigen Onkel, dem Bischof von Myra (heute Demre/Provinz Antalya, Türkei), zum Priester geweiht worden sein und als dessen Nachfolger am Konzil von Nicäa (325) teilgenommen haben.

 

Kranke und Notleidende pilgerten zum Grab in Myra. Die Ostkirche erhob Nikolaus zum Erzheiligen, Russland erwählte ihn zum Landespatron. Über die byzantinischen Kolonien in Italien gelangte der Kult in den Westen und über die Alpen. Die italienische Hafenstadt Bari verschaffte sich 1078 die Reliquien aus dem Grab in Myra und errichtete dafür eine stattliche Wallfahrtskirche. Das Mittelalter brachte auch in Salzburg eine Hochblüte des Nikolauskults. Fast alle 17 Kirchen mit Nikolauspatrozinium auf heutigem Gebiet der Erzdiözese Salzburg wurden bis zum 16. Jahrhundert gegründet.

 

Legenden machten Nikolaus zum umfassenden Nothelfer, die wichtigsten fanden durch die Legenda Aurea, die 1263 begonnene Sammlung von Heiligenlegenden, Verbreitung. Die bekannteste Erzählung handelt von drei Jungfrauen, deren verarmter Vater sie der Prostitution preisgeben will. Nikolaus bewahrt sie davor, indem er des Nachts heimlich drei Goldklumpen als Mitgift in das Schlafzimmer der Töchter wirft. Drei goldene Kugeln oder Äpfel sind daher Attribut des Heiligen in der Kunst.

 

In vielen hoffnungslosen Situationen kommt Nikolaus zu Hilfe: Er erscheint Kaiser Konstantin im Traum und kann ihn zur Freilassung dreier unschuldig zum Tod verurteilter Feldherrn bewegen. Er rettet ein Schiff aus Seenot, manövriert es eigenhändig durch die Wogen und besänftigt den Sturm. Während einer Hungersnot kann er Schiffer überreden, einen Teil der für Konstantinopel bestimmten Getreideladung abzuzweigen. Drei von einem habgierigen Gastwirt ermordete und zerstückelte Knaben erweckt er wieder zum Leben.

 

Aufgrund dieser Legenden wurde Nikolaus Patron der heiratswilligen Mädchen, der unschuldig Verdächtigten und Gefangenen, der Seeleute und Salzachschiffer, der Getreidehändler und Bäcker, der Kinder und Schüler. Im Gedenken an den Todestag des Heiligen entwickelte sich der Geschenkbrauch. Seit dem Mittelalter beschenkt Nikolaus die Kinder heimlich bei Nacht. Die Kinder der Salzachschiffer stellten ein „Nikologartl“ ins Fenster, eine Art Krippe mit den Figuren von Nikolaus und Krampus, das der Nikolaus nachts mit Gaben füllte – ein nur noch in Oberndorf erhaltener Brauch.

 

Schon in Klosterschulen des Mittelalters, vor allem aber seit der Gegenreformation wurde Nikolaus in den Dienst der Erziehung gestellt: Ein als Nikolaus verkleideter Erwachsener prüfte und ermahnte die Kinder und beschenkte sie. Der Begleiter des Nikolaus, der strafende Knecht Ruprecht in Teilen Deutschlands oder in unserer Gegend die Teufelsgestalt des Krampus oder Klaubaufs, sollte vom Bösen abschrecken.

 

Martin Luther schaffte die Heiligenverehrung und damit auch Nikolaus ab, nicht aber das Geschenkbrauchtum, das er auf Weihnachten verlegte. In der Romantik griff das protestantische Deutschland Nikolaus wieder auf, freilich unter Ausklammerung der katholischen Tradition. Jakob Grimm ordnete ihn gemeinsam mit Knecht Ruprecht unter die „Hausgeister“ germanischen Ursprungs ein. Der „große Nikolas“ im Struwwelpeter (1844) ist Zipfelmützenträger und erinnert nur mehr dem Namen nach an den Mann Gottes. Er straft die unfolgsamen Buben und tunkt sie ins Tintenfass.

 

 Knecht Ruprecht wird in Theodor Storms berühmtem Gedicht (1862) dem Christkind unterstellt. Er bringt nicht nur die Rute, sondern auch Geschenke. Der Nationalsozialismus legitimierte ausschließlich den „germanischen“ Knecht Ruprecht als Geschenkebringer. Tritt Knecht Ruprecht an die Stelle des Christkinds, entspricht er dem Weihnachtsmann, der ebenfalls Geschenke und die Rute bringt.

 

Nikolaus war ausschließlich gut und belohnte, sein Begleiter war ausschließlich böse und strafte. Der Weihnachtsmann vereint beide Eigenschaften in sich. Seine Gestalt mit roter Kleidung und Zipfelmütze und weißer Pelzverbrämung verdankt er dem in die USA ausgewanderten deutschen Karikaturisten Thomas Nast (1863) und vor allem dem amerikanischen Grafiker Haddon Sundblom, der 1931 den Coca-Cola-Weihnachtsmann entwarf.

Nikolaus als Gabenbringer (Postkarte), um 1905, Salzburg, Salzburg Museum
Foto: Salzburg Museum
Hl. Nikolaus, um 1475, Felben, Filialkirche hl. Nikolaus
Foto: M. Huber
Hl. Nikolaus, vor 1790, Franz Anton Maulbertsch, Salzburg, Barockmuseum
Foto: Barockmuseum