O Tannenbaum!

30. November 2013 - 6. Januar 2014

Die „treuen Blätter“ des Tannenbaums, der auch im Winter „grünt“, wie es in dem populären Lied von 1819/1824 heißt, waren schon Jahrhunderte früher zur Weihnachtszeit beliebt - nicht zuletzt in Salzburg. Erzbischof Matthäus Lang von Wellenburg hielt 1525 zum Schutz des Waldes sogar ein Verbot für notwendig „betr. das Abhacken des Weihnachtsgrüns“.

 

Frühe Hinweise auf geschmückte Bäume stammen jedoch aus anderen Gegenden. In Straßburg war es mindestens seit Anfang des 17. Jahrhunderts üblich, „in den Stuben“ Tannenbäume aufzustellen, behängt mit Papierrosen, Äpfeln, Oblaten und Zuckerwerk. Nach anderen Berichten schmückte man am Hof in Hannover um 1660 Buchsbäumchen mit Kerzen und legte darunter Geschenke für die Kinder. Goethe lernte den Weihnachtsbaum um 1767 in Leipzig kennen, Schiller war von Kindheit an damit vertraut.

 

Seit dem Wiener Kongress hielt der Tannenbaum, vermittelt durch deutsche Protestanten, auch in österreichische Adels- und Bürgerhäuser Einzug. Wiens frühestes Christbaumfest „nach berliner Sitte“ ist 1814 bezeugt. 1816 führte Henriette von Nassau-Weilburg, Gattin Erzherzog Karls, den Christbaum am habsburgischen Hof ein. Salzburgs erster Christbaum stand 1826 im Haus Alter Markt Nr. 11, in der Wohnung des aus Württemberg zugereisten Spitzenhändlers Franz Jakob Koch.
Trotz Deutungsversuchen als Paradiesbaum, Kreuzstamm und Lebensbaum lehnten katholische Kirchenvertreter jener Zeit den „protestantischen“ Christbaum weiterhin ab. Indem die weltliche Bescherung zu Hause in den Mittelpunkt rücke, drohe eine Abkehr von Krippe und Christmette, vom eigentlichen Anlass des Weihnachtsfests. Das Salzburger Kirchenblatt empfahl deshalb 1886 den Gläubigen, sich am Weihnachtsabend lieber um die Beichtstühle statt um den Christbaum zu versammeln. Doch solche Bedenken verhallten, der Tannenbaum wurde der Krippe hinzugefügt und gegen 1900 sogar als weihnachtlicher Schmuck in die katholischen Kirchen Salzburgs geholt.

 

Der Christbaum der Biedermeierzeit, bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, stand auf einem Tisch, geschmückt mit vergoldeten Äpfeln und Nüssen, Gebäck und Zuckerwerk, Letzteres auch in Form von hartem Tragant. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der bisher großteils zu Hause hergestellte und essbare Christbaumschmuck zunehmend durch käuflichen Schmuck aus Glas, Glasseide, Watte, Stanniol und anderen Materialien abgelöst. Glasbläser in Lauscha (Thüringen) entwickelten ab 1867 die ersten dünnwandigen und verspiegelten Christbaumkugeln. Weitere wichtige, teilweise auf Heimarbeit angelegte Produktionszentren für Christbaumschmuck waren Sebnitz (sächsische Schweiz) und Gablonz (Böhmen). Klemmkerzenhalter wurden 1870 erfunden, elektrische Kerzen 1882 in den USA.
Künstliche Christbäume kamen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts auf und wurden in den beiden Weltkriegen an die Front verschickt, um die Truppenmoral zu stärken. Nationale Propaganda prägte den Christbaumbehang. Die Nationalsozialisten versuchten, christliches Gedankengut zu verdrängen und mit der Bezeichnung „Jultanne“ die angeblich rein germanischen Wurzeln des Weihnachtsfests zu zeigen. Auf der anderen Seite erinnerte der Christbaum an Frieden und Familie, wenn jüdische Kinder im KZ Theresienstadt zu Weihnachten einen Tannenbaum mit Kerzen und Kugeln zeichneten.

 

Die Ausstellung zeigt Grafik und Malerei zum Thema, darunter die Darstellung des ersten Christbaums in Ried (1848), sowie historischen Christbaumschmuck.
Ein weiteres „pflanzliches“ Weihnachtsthema, die Wurzel Jesse, ist durch ein kaum bekanntes gotisches Relief aus dem Salzburg Museum vertreten. Die Genealogie Christi als Lebensbaum darzustellen, lag nahe. Das bekannte Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“ aus dem 16. Jh. nimmt ebenfalls darauf Bezug. 

Der erste Christbaum in Ried, Felix Ignaz Pollinger, 1848, Ried, Museum Innviertler Volkskundehaus, Foto: Innviertler Volkskundehaus
Fröhliche Christnacht! (Postkarte), Josef Diveky, 1908, Salzburg, Museum der Moderne, Foto: J. Kral