Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656-1723) - Ein österreichischer Architekt in Europa

Symposium im Salzburger Barockmuseum, 30. Juni - 1 Juli 2006

Der Architekt Johann Bernhard Fischer von Erlach, der Salzburgs barockes Stadtbild so entscheidend prägte, ist nicht nur ein Baumeister von europäischer Bedeutung, sondern stand auch in engen Beziehungen zur europäischen Architekturszene seiner Zeit. Das Symposium, das das Barockmuseum und das Dommuseum auf Anregung von LHStv Dr. Wilfried Haslauer am 30. Juni-1. Juli 2006 durchführen, geht diesen vielschichtigen Beziehungen nach. Es widmet sich Fischers Zeit in Rom, seinen Werken in Salzburg, Österreich, Böhmen und Mähren sowie Vergleichen mit der barocken Architektur in Deutschland, England und Frankreich.

 

Johann Bernhard Fischer, der sich ab 1696 „von Erlach“ nennen durfte, ging schon in jungen Jahren nach Italien, um sich fortzubilden. Er arbeitete zunächst als Bildhauer in der Werkstatt des Johan Paul Schor, die vor allem Dekorationen schuf. Zu seinen frühes­ten Werken in Rom, Graz und Salzburg gehören daher Medaillen, Stuck und Vasen.

 

Die „ewige Stadt“ bot ihm darüber hinaus Gelegenheit, die klassischen, antiken und die zeitgenössischen, hochbarocken Werke zu studieren. Seine antiquarischen Interessen brachten ihn in Verbindung mit den humanistischen Kreisen um Königin Christine von Schweden. An der römischen Accademia di San Luca, der Schor vorstand, traf Fischer französische und deutsche Altersgenossen. Seine späteren Werke belegen eine genaue Kenntnis der Arbeiten des Architekten und Bildhauers Gianlorenzo Bernini.

 

Nach seiner Rückkehr arbeitete Fischer zunächst in Graz, ehe er nach Wien übersiedelte. Dort ging ihm der Ruf voran, bei Bernini gelernt zu haben, und die Fürsten Liechtenstein und der Graf Althan sicherten sich bald seine Dienste. Fischer schuf für seine adligen Auftraggeber in Wien, Böhmen und Mähren Stadt- und Gartenpalais’, Festsäle und Stal­lungen. Daneben entstanden Brunnen und Ehrenpforten. Aus dieser Zeit stammt sein erster Entwurf für das kaiserliche Schloss Schönbrunn.

 

Seit 1693 war Fischer für den Salzburger Erzbischof Johann Ernst Thun tätig, der einer seiner wichtigsten Auftraggeber wurde. Fischer entwarf für ihn unter anderem Schloss Klessheim, das Johannesspital, das Priesterseminar und die Dreifaltigkeitskirche, das Ursulinenkloster und die Markuskirche sowie die Universitätskirche. Diese Monumental­bauten, die alle innerhalb von 13 Jahren entstanden, bestimmen die Struktur und das Bild der Stadt bis heute.

 

Während dieser Zeit blieb Fischer weiter in Wien ansässig und arbeitete für den öster­reichischen und böhmisch-mährischen Adel. Er war für die Thun und Gallas in Prag, für Trautson, Mitrowitz, Prinz Eugen und ab 1711 auch für den neuen Kaiser Karl VI. in Wien tätig. 1704 unternahm er eine Reise nach Berlin, übergab dem König einen Entwurf für ein „Lustgebäude“ und studierte die Bauten Schlüters. Zu seinen letzten und reifsten Werken gehören kaiserliche Bauwerke wie die Hofstallungen, die Hofbibliothek und die Karlskirche.

 

Das Symposium wird Fachleute unter anderem aus Rom, Paris, Prag, Berlin, Wien und Salzburg zusammenbringen, um über die vielschichtigen, europäischen Beziehungen Fischers zu sprechen. Sie werden sich mit Fischers Verhältnis zu Schor, zu den Architek­ten seiner Generation in Rom sowie zur Architektur in Frankreich, England und im Reich beschäftigen. Weitere Themen sind Fischers Werke in Böhmen und Mähren sowie einzelne Werke in Salzburg. Besichtigungen der Dreifaltigkeits-, der Universitäts- der Markuskirche runden das Programm ab.

 

Wissenschaftliche Leitung:

Peter Keller, Dommuseum zu Salzburg
Peter Prange, Hamburger Kunsthalle

 

Durchführung:

Salzburger Barockmuseum
Dommuseum zu Salzburg

 

Veranstalter:

Schatzkammer Land Salzburg
Land Salzburg
Stadt Salzburg
Erzdiözese Salzburg

 

Ort:

Salzburger Barockmuseum
Mirabellgarten
5020 Salzburg

 

Zeit:

Fr., 30. Juni 2006, 9:00-18:00 Uhr
Sa., 1. Juli 2006, 9:00-17:00 Uhr

 

Eintritt frei!

Ansicht der Dreifaltigkeitskirche, um 1730
Ansicht der Kollegienkirche, um 1730