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Ins Herz getroffen.
Zerstörung und Wiederaufbau des Domes 1944-1959

15. Mai - 26. Oktober 2007


Betonierung einer Rippe der Kuppel, August/September 1948
Foto: Archiv der Erzdiözese Salzburg/Siegfried Moyses

Am 16. Oktober 1944, gegen 11.20 Uhr, wurde der Salzburger Dom von einer Bombe getroffen, die Kuppel stürzte ein. Menschen kamen im Dom nicht zu Schaden, obwohl der Bombenangriff insgesamt 245 Todesopfer forderte. Es war der erste Angriff auf Salzburg, nachdem München schon seit März und Wien schon seit Juli bombardiert worden waren. Der Weltkrieg, den die Nationalsozialisten fünf Jahre zuvor begonnen hatten, erreichte Salzburg spät und traf es gleich ins Herz.

Der Wiederaufbau begann gleich nach dem Ende des Krieges. Zwischen Langhaus und Kuppel wurde eine Trennwand und unter der Kuppel ein riesiges Baugerüst errichtet, zum Abtransport des Schutts brach man ein Loch in die südliche Apsis. Sie sind älteren Salzburgern noch in lebhafter Erinnerung.
Weihnachten 1948 war der Dachstuhl der Kuppel fertig, und in den Fenstern der Laterne erstrahlten Christbäume. Zum Abschluss des Außenbaus wurde am 26. Mai 1949, im Rahmen eines großen Festes, an dem sich alle Pfarren der Erzdiözese beteiligten, das 100 kg schwere Kuppelkreuz aufgesteckt.
Der Bau der Kuppel wurde zu einem großen Teil von den Gläubigen der Diözese getragen. Sie steuerten ein Drittel der Baukosten durch Spenden bei, 17 % der Bund, 4 % das Land, 0,7 % die Stadt. Viele leisteten freiwillige Dienste, und Firmen lieferten kostenlos Material. Ab 1954 verschob sich dieses Verhältnis, der Bund übernahm 50, Land und Erzdiözese je 20 sowie die Stadt 10 % der Kosten.
Die Freude über die Fertigstellung des Außenbaus wurde getrübt durch heftige Diskussionen über die „schiefe“ Kuppel, die verglichen mit ihrer Vorgängerin außen asymmetrisch wirkte. Der Streit war vielleicht der Grund, dass der Bau sich nach 1949 zunächst verlangsamte. Erst ab 1954 wurde das Innere fertig gestellt und um moderne Werke wie die Bronzetore und die Kanzel ergänzt. Darüber hinaus wurde die Gelegenheit für bauliche Verbesserungen wie die Elektrifizierung genutzt. Im Herbst 1956 wurde das riesige Gerüst unter der Kuppel abgebaut. Am 30. April 1959 konnte Erzbischof Andreas Rohracher den Dom feierlich wieder eröffnen.

Die abwechslungsreiche Ausstellung wird Fragmente des zerstörten Baus zeigen, Dokumente und vor allem zahlreiche unveröffentlichte Fotos. Historische Fernsehaufnahmen und Filme mit Zeitzeugen werden einen lebendigen Eindruck von den Ereignissen zwischen 1944 und 1959 geben.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einer ausführlichen Chronologie des Baus und einer Biographie Andreas Rohrachers sowie mit Beiträgen über den damals geplanten Vierungsaltar, die Gestaltung des Baus, die Kanzel, die Türen, den Taufbeckendeckel, die Musik am Dom sowie die Geschichte der Ausgrabungen. Ein Essay über die Rolle des Doms in der Stadt schließt den umfangreichen, lesenswerten Band ab. Die Aufsätze stammen von Erich Erker, Reinhard Gratz, Carola Hubelnig, Clemens M. Hutter, Eva Maria Kaiser, Peter Keller, Armin Kircher, Wilfried Kovacsovics, Norbert Mayr, Thomas Mitterecker, Rudolf Pacik und Gerhard Walterskirchen.


In Interviews berichten die Zeitzeugen Annemarie Albenberger, Prälat Johannes Neuhardt, der Elektriker Josef Egger und der Stuckbildhauer Hans Freilinger über die Zerstörung und den Wiederaufbau des Salzburger Doms.

Interviews mit Zeitzeugen >>


Die zerstörte Domkuppel, 1944/1945
Foto: Archiv der Erzdiözese Salzburg/S. Moyses

Das Gerüst unter der Vierung, 27. Juli 1947
Foto: Stadtarchiv Salzburg, Fotoarchiv Franz Krieger

Die Aufsteckung des Kuppelkreuzes, 26. Mai 1949
Foto: Stadtarchiv Salzburg, Fotosammlung, Foto Dipl.-Ing. Hans P. Starke


Betonierung einer Rippe der Kuppel, August/September 1948
Foto: Archiv der Erzdiözese Salzburg/Siegfried Moyses



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