Bischofsweihe von Msgr. Werner Freistetter am 11. 6. 2015 in Wiener Neustadt

Bischöfe müssen Brückenbauer sein, so Erzbischof Dr. Franz Lackner in seiner Predigt am 11. 6. 2015 bei der Weihe von Militärbischof werner Freistetter im Dom zu Wiener Neustadt. Hier der Wortlaut:
„Ich bin mir bewusst – so unser neuernannter Mitbruder im Bischofsamt in einer ersten Stellungnahme -, dass die Aufgaben eines Bischofs das rein menschliche Vermögen übersteigen. Nur im Vertrauen auf die Hilfe Gottes sowie vieler Menschen werde ich meinen Beitrag dazu leisten können, die frohe Botschaft zu verkünden.“ Diese Frohe Botschaft – so heißt es weiter – gelte es wahrzunehmen, in der Weise, wie es das Zweite Vatikanische Konzil ausdrückt als Freude und Hoffnung, als Trauer und Angst von Menschen, die uns heute besonders anvertraut sind.

Hier finden wir in wenigen Sätzen ausgesagt, was Wesen und Aufgabe von Kirche ist: Eine Brücke zu schlagen von Gott zu den Menschen und zwar so, dass die Frohe Botschaft, das Evangelium, in den Freuden und Nöten der Menschen sich gleichsam widerspiegelt. Brücken müssen, um tragfähig zu sein, unter Spannung stehen und es wäre fatal, diese einseitig auflösen zu wollen. Kirche ist Brücke, das II. Vatikanum benennt es Zeichen und Werkzeug. Infolgedessen darf Kirche nie zu einem Ort bequemen Christseins verkommen.

Die Versuchung dazu ist gerade in unserer Zeit groß. Sie zeigt sich in Form einseitiger Auflösung von Spannungen: sei es durch Parteilichkeit allein aufseiten der Menschen, oder sei es, dass man sich gleichsam in der Position Gottes wähnt. Beides ist falsch, das sind Extrempositionen; die im ersten Fall in einen oberflächlichen Humanismus mündet, welcher wiederum zu einem aggressiven Atheismus ausarten kann. Die zweite Versuchung führt in einen Fideismus harmloser Prägung, jedoch nicht unweit davon lauert die Gefahr des Fundamentalismus. Beide Male versündigt man sich schwer an Gott und den Menschen.

Diese Spannung hat einen Namen: Er heißt Glaube. Zum Glauben gehört wesentlich eine Doppeldimension. Am Beispiel von Abraham, Vater unseres Glaubens, wird das Unsichere, nicht Festhaltbare, das Aufbrechen-Müssen in ein Land, das er nicht kannte, sichtbar. Aber es gibt auch die andere Dimension: Glaube, als die große Kraft im Leben, wenn Jesus sagt: „Alles kann, wer glaubt.“ (Mk 9,23)

Die großen Themen unseres Lebens, der Glaube aber auch die Liebe, brauchen beides: Nähe und Distanz. Dazu zwei Beispiele aus dem Umfeld Jesu.

Im Rahmen meiner Studien der Philosophie bin ich auf die Frage gestoßen, ob denn Jesus auch einmal gestaunt hat. Es finden sich ja viele sehr menschliche Reaktionen bei ihm, wie Weinen oder sein besonderes Nahverhältnis zu einigen Menschen, zu Lazarus, Maria Magdalena oder Johannes. Staunen ist etwas typisch Menschliches, damit beginnt Philosophieren. In der Tat wird expressis verbis zwei Mal davon gesprochen, dass Jesus staunte. Einmal in Nazareth, wo er aufgewachsen ist, wo er über den langen Zeitraum von fast 30 Jahren die Alltäglichkeit des Lebens mit den Menschen geteilt hat.

Als er jedoch auszusprechen begann, wer er wirklich ist; wozu er gekommen ist; nämlich der lang Ersehnte, von dem die Propheten gesprochen und gekündet haben, da sind die Menschen zunächst ganz angetan von seiner Rede. Aber alsbald holte sie die Weisheit des „eh schon Wissens“ ein: „Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns?“ Weiter heißt es: „Und sie lehnten ihn ab!“ Da wunderte sich Jesus über ihren Unglauben (vgl. Mk 6,1ff). Das andere Mal staunt Jesus bei der Begegnung mit dem heidnischen Hauptmann, ein Soldat, der für seinen Diener Fürbitte einlegt. Auf Jesus musste dieser Soldat einen tiefen Eindruck gemacht haben, denn er, der wohl nie ein heidnisches Haus betreten hatte, sagte spontan: „Ich will kommen und ihn gesund machen!“ (Mt 8,7) Da antwortete der fromme Hauptmann: „Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst; sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund.“ Dieses Mal staunte Jesus über einen so tiefen Glauben, den er nicht einmal in Israel gefunden hatte.

Dort, wo Jesus den Menschen so nahe gekommen ist, in Nazareth, glaubten sie ihm nicht, in der Ferne aber, wohin er sich nicht gesendet wusste, da fand Jesus tiefen, authentischen Glauben.

Bischofsein bedeutet, wie Du, lieber Monsignore schreibst, dass es Teil unserer Verkündigung ist, Freude und Hoffnungen, Trauer und Angst der Menschen wahrzunehmen, sich betreffen zu lassen.

Der Bischof ist Hirte: Dazu der Hl. Vater, Papst Franziskus, in seinem Schreiben „Evangelii Gaudium“: „Darum wird sich der Bischof bisweilen an die Spitze seiner Diözese stellen, um den Weg anzuzeigen und die Hoffnung des Volkes aufrechtzuerhalten, andere Male wird er einfach inmitten aller sein, mit seiner schlichten und barmherzigen Nähe. Und bei einigen Gelegenheiten wird er hinter dem Volk hergehen, um denen zu helfen, die zurückgeblieben sind …, und weil die Herde selbst ihren Spürsinn besitzt, um neue Wege zu gehen.“

Der Bischof ist Lehrer, eingegliedert in das Kollegium der Bischöfe, Nachfolger der Apostel. Petrus ist Vorbild. Keiner der Apostel wird von Jesus so hart angefasst, und doch macht er Petrus zu seinem Felsen, auf dem er seine Kirche bauen will. Dieser Fels Petri ist weit davon entfernt ein Edelstein zu sein, oder ein harter Granit. Aber was Petrus auszeichnet, ist seine Bekenntniskraft. Die schönsten Bekenntnisse hören wir aus seinem Mund. Lehren heißt, das darf nicht vergessen werden - mit den Worten aus dem zweiten Timotheus Brief - zu verkünden, gelegen oder ungelegen, ob man hören will oder nicht. (Vgl. 2Tim 4,2). Aber: Lehren muss getragen sein vom Bekenntnis, vom Zeugnis, wie es Petrus einmal sagt, als man ihm das Wort verbietet: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.“ (Apg 4,20)

Der Bischof ist Priester. Da darf ich auf eine persönliche Erfahrung zurückgreifen. Als UNO-Soldat habe ich die Berufung zum Priestertum gespürt. Ich besuchte einen Priester und fragte: Was macht Priestersein aus? Seine Antwort: Der Priester steht bittend, betend, opfernd vor Gott für die ihm anvertrauten Menschen.

Ich darf mit einer sehr wichtigen Begegnung schließen. Kurz nach meiner Amtseinführung fragte ich beim Ad-liminia-Besuch in Rom Papst Franziskus: „Ich bin erst zwei Wochen als Erzbischof im Amt. Hl. Vater, was geben Sie mir mit auf den Weg?“ Papst Franziskus dachte nach und sagte dann: „vigilanza e misericordia“ – Wachsamkeit und Barmherzigkeit.
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