Bischofsweihe von Wilhelm Krautwaschl, 14. 6. 2015, Grazer Dom

Predigt von Erzbischof Dr. Franz Lackner bei der Bischofsweihe im Grazer Dom
Die Diözese Graz Seckau, meine Heimatdiözese, wurde 1218 von einem meiner Salzburger Vorgänger Eberhard II  gegründet und geht mit dem Weg 2018, einer gesamtdiözesanen Initiative, ihrer 800 Jahrfeier entgegen. Der 58. Bischof von Graz-Seckau wird dieses Jubiläum durchschreiten können. Nach doch einiger Wartezeit dürfen wir - das versammelte Volk Gottes- uns heute freuen und  grüßen Dich herzlich, lieber Bischof Wilhelm als neuen Bischof von Graz-Seckau. Es ist mir eine große Freude, dem Bischof meiner Heimatdiözese das Sakrament der Weihe spenden zu dürfen. Du hast Deinen Wappenspruch aus dem Johannesbrief genommen: „Deus Caritas est“ Gott ist Liebe, im griechischen Original steht „Ho Deos agape estin!“ Wenn man es mit der Übersetzung genau nimmt, dann muss es lauten: Der, im Sinne von dieser Gott ist Liebe! Es ist nicht irgendein Gott gemeint, sondern ein ganz bestimmter, der Gott Jesu Christi, der Mensch geworden ist, unter uns gewohnt, gelitten, am Kreuz gestorben und auferstanden ist. Dieser Gott ist Liebe!

Im für diese Feierstunde ausgewählten Evangelium fragt Jesus Petrus, „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich“? Und er fragt drei Mal. Nach welcher Liebe fragt denn da Jesus in Anbetracht dessen, dass der Gott, von dem er kommt, Liebe ist? Es heißt im Johannesevangelium: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab.“ Joh. 3,16 Diese Liebe hat ein Merkmal, Hingabe. Wir kennen die Stelle, in der dies expressis verbis ausgesprochen wird: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde.“ Joh. 15,13 Jesus hat sein Leben für uns hingegeben und er nennt uns Freunde.

Auf diesem Hintergrund bekommt das dreimalige Fragen Jesu: „liebst du mich“ einen – ich möchte nicht übertreiben – tödlichen Ernst. Uns gläubigen Christen wirft man – zuweilen nicht zu Unrecht – vor, gerne große Erzählungen „aufzutischen“ oder wie es jemand einmal zu kritisieren wusste: „bitte nicht mit großen Scheinen zahlen, die womöglich nicht gedeckt sind“. 

Eine Erfahrung, die auch Petrus eingeholt hatte; sein Versprechen: „Herr, wenn dich alle verlassen, ich verlasse dich nicht!“ Drei mal hat er den Herrn verleugnet; drei Mal fragt ihn der Herr: „liebst du mich?“ Da wird Petrus traurig“. In Momenten äußerster Fragilität wird Petrus zum Bekennenden. „Herr du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Ein Bekenntnis mit Letztheitscharakter, ein heiliger letzter Rest.

Jesu Antwort, feierlich liturgisch, „Amen, amen“. – Es gibt keinen Beleg aus der Zeit Jesu, dass jemand seine Rede mit „Amen, amen“ einleitete. – „Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet, bist du hingegangen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich hinführen, wohin du nicht willst.“

Lieber Bischof Wilhelm, in deinen vielen verantwortungsvollen Aufgaben bist du nicht jung geblieben und nur dorthingegangen, wohin du wolltest. Du  hast dich führen und leiten lassen von Not und Anforderung anderer. Als neu ernannter Bischof darfst du wieder jung sein und dich zunächst einmal selbst gürten und hingehen, wohin dich deine Erfahrung, deine Einschätzung treibt. Aber als Bischof wird man recht schnell alt: das bedeutet Hände ausstrecken und sich von anderen gürten und führen lassen. Die drei Sendungen der Kirche weisen uns Bischöfen dabei den Weg.

Gesendet durch Gott:
sich gürten lassen von der heiligen Liturgie. Über das Heute  der Gesellschaft wird zuweilen gesagt: „Wir haben vergessen, dass wir Gott vergessen haben.“ Die ersten drei Bitten im Gebet des Herrn mögen neu Gehör finden: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe!“

Die Sendung zum Menschen mit seinen Freuden, Hoffnungen, Trauer und Angst. Kirche wird wesentlich von den Armen und Bedrängten unserer Zeit mitbestimmt. Angesichts der schrecklichen Nöte dieser Welt dürfen wir nicht stumm und tatenlos bleiben.

Gesendet weil Freude: Lassen wir uns gürten und führen von der Freude des Evangeliums. Eine wahrhaft frohmachende Botschaft! Wir wollen nicht schweigen und müde werden. Gehen wir hinaus an die Ränder, wo – wie Papst Franziskus sagt – so manche individualistische Traurigkeit herrscht. Diese Freude dürfen wir den Menschen nicht vorenthalten.

Lieber Wilhelm, du bringst für deine neue Aufgabe so gute Voraussetzungen mit. Gott selbst – so die Liturgie der Bischofsweihe – vollende das gute Werk, das er in dir begonnen hat. Darum betet das versammelte Volk Gottes.
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