Chrisammesse 2019

Predigt zur Ölweihmesse, 17.4.2019
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst, an der Spitze sehr geehrter Herr Weihbischof, Herr Generalvikar, Mitglieder des Domkapitels und des Konsistoriums!
Herzlich begrüße ich die Seminaristen; nicht zu vergessen die Minis aus den verschiedenen Pfarren aus dem Salzburger und Tiroler Teil der Erzdiözese! Brüder und Schwestern! Euch liebe Ministranten und Ministrantinnen, möchte ich eigens nochmals herzlich begrüßen. Ich freue mich, dass ihr jedes Jahr so zahlreich in den Dom zur Weihe der heiligen Öle kommt, mitfeiert und euren wichtigen und kostbaren Dienst tut. Die heutige Liturgie stellt sehr stark das Priestersein in den Mittelpunkt, es ist für mich auch eine einmalige Gelegenheit im Jahresablauf, wo ich mit so vielen Priestern zusammenkomme. Ich hoffe, dass auch diese besondere Feier euch bestärkt und vielleicht möchte Gott den einen oder die andere zu einem geistlichen Leben führen und berufen. Die Kirche, liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst, durchlebt wieder einmal stürmische Zeiten; viele verlassen sie. In unserer Erzdiözese sind in diesem Jahr bisher um 17 % mehr ausgetreten als im vorigen. In einigen anderen Diözesen sind es noch mehr, wie ich höre. Das soll uns kein Trost sein. Als Grund werden immer wieder die Fehler kirchlicher Vertreter angeführt. Was ist das für ein System – gemeint ist die kirchliche Verfasstheit –, die solches ermöglicht und dann auch noch vertuscht. Geradezu reflexartig ereilen uns Zurufe von allen Instanzen kirchlichen Lebens, was nun endlich zu tun wäre. Der Reformstau müsste nun entschieden angegangen werden. Hoffnungen keimen da und dort auf, werden zuweilen auch geschürt. Die Amazonien – Synode: Wird der Papst die viri probati erlauben? Jemand hat jüngst gemeint, man solle vielmehr von personae probatae sprechen, das würde die Frauenfrage in der Kirche für die Zukunft etwas erleichtern, um nicht zu sagen präjudizieren. Ungeduld wird bemerkbar, was denn die päpstliche Untersuchung zu Diakoninnen in der frühen Kirche hervor gebracht hat. In diesen Anfragen zeigt sich gewiss echte Sorge um den Fortbestand kirchlichen Wirkens. Man darf diese Stimmen nicht abqualifizieren, aber ihnen – wie ich glaube – nicht ungeteilt zustimmen. Als Diözese haben wir uns die letzten zweieinhalb Jahre sehr intensiv mit dem Zukunftsprozess beschäftig. Die erste Etappe wurde im September anlässlich des Rupertifestes abgeschlossen. Seither wird weiter eifrig und durchaus verheißungsvoll an der Umsetzung gearbeitet. Ein wichtiger Punkt ist die Frage nach Stellung und Ort des Priesters im Volk Gottes. Die Not ist nicht zu leugnen. Wir wissen auch nicht, welche Weichenstellungen die Kirche diesbezüglich mittelfristig einschlagen wird. Was wir wissen, die Priester werden weniger und die Anforderungen an sie größer. Auf der anderen Seite steht die Aufgabe: Die Kirche katholischer Prägung wird in Zukunft ohne das sakramentale Priestertum nicht auskommen, so wir auf der Spur Jesu bleiben wollen. Es sei mir ein persönlicher Zusatz erlaubt: Es fällt mir schwer, zu glauben, dass die Kirche der Zukunft ohne zölibatäres Priestertum auskommen wird. Dem Argument, dieses allein Ordensleuten und einzelnen, die das wollen, zu überlassen, kann ich nicht folgen. Wir haben da ein kostbares Gut zu bewahren, jedoch in einer sich wandelnden Welt. Die Zeiten ändern sich – so schon Ovid – und wir uns in ihnen; „tempora mutantur et nos mutamur in illis“. Das gilt ebenso für die Kirche, auch diese wird sich mitverändern müssen, wenn wir nicht die Relevanz für die Welt von heute gänzlich aufgeben wollen. Der Veränderungsprozess ist offensichtlich im Gange: aus einer zahlenmäßig einmal sehr großen Volkskirche entwickelt sich zunehmend eine kleinere Glaubensgemeinschaft. Was die Kirchenbindung betrifft, gilt wohl Gleiches: Wir reden von ca. 4 – 10% sonntäglichem Kirchenbesuch. Nicht wenige andere leben ihren Glauben in einer eher loseren Beziehung - eine nicht mehr wegzuleugnende Asymmetrie. Wir wollen sie nicht schlechtreden, wie in jeder Krise auch eine Chance liegen kann, so dürfen wir auch in diesem Fall hoffen. Wir sollen aber auch nicht untätig bleiben, sondern uns neu orientieren; umkehren! Auf dass wir uns radikal neu an Jesus orientieren. Wenn Briefe von Ausgetretenen mich erreichen, kommt mir beim Lesen ein Jesuswort an die Apostel in den Sinn. Es heißt, dass viele ihn verließen und nicht mehr mit ihm gegangen sind; „seine Rede ist hart, wer kann sie hören.“ Was hingegen tut Jesus? Er versucht eben nicht einiges abzufedern. Er fragt die Apostel, seine engsten Gefährten: „Wollt auch ihr gehen?“ Und wieder ist es Petrus mit einer treffenden Antwort: „Herr, wohin sollen wir gehen, denn nur du hast Worte ewigen Lebens?“ Liebe Mitbrüder, in diese jesuanisch inszenierte Ausweglosigkeit müssen auch wir kommen. Herr, wohin soll ich gehen? Wohin? Nur du hast Worte ewigen Lebens. Neuausrichten heißt auch neu Maß nehmen an Jesu Lebensweise. Für die Franziskaner gilt der Hl. Franziskus als die „forma minorum“, der Heilige selbst ist die nachzuahmende Lebensform der Minderbrüder. Um wie viel mehr muss das für uns Priester Jesus als unsere „forma presbyterorum“ gelten! Seine Lebensform ist untrennbar mit dem Wirken verbunden. Wer sind die, die in Zukunft davon Zeugnis geben? Gewiss werden es Ordensleute sein, Männer und Frauen. Diese Lebensform Jesu ist den Priestern besonders anvertraut. Ein Schatz, den wir freilich in zerbrechlichen Gefäßen tragen, in eine Zeit hinein, die sich und uns ändert. Ob das in Zukunft für alle Priester in gleicherweise gelten wird, vermag ich nicht zu sagen. Papst Franziskus ist ein Pontifex der Überraschungen – Gott sei es gedankt. Ich halte unseren Papst wirklich für eine Gabe des Heiligen Geistes an unsere Zeit. Bei allen Bemühungen, Wagnissen und Vertrauensakten der Kirche dürfen wir uns der Führung der Kirche durch den Heiligen Geist sicher sein. Wir wollen uns Überraschungen nicht versperren, dennoch sollte uns der Glaube beseelen, dass es im Presbyterium immer den glühenden Kern der Erinnerung an die Lebensform Jesu geben soll. Die Zukunft der Kirche, das ist gewiss, wird eine Kirche weniger Priester sein; einem heiligen Rest gleich, wie dies auch für das gesamte Volk Gottes gilt. Wir freuen uns sehr über die elf Allumnen im Priesterseminar und wollen keine Mühe scheuen, sie gut zu begleiten und auszubilden. Die Zukunft der Kirche wird aber auch davon abhängen, wie weit es uns gelingt, die vielen verschiedenen Charismen, Gaben des Hl. Geistes, wahrzunehmen, um gemeinsam für die Menschen, zu denen wir heute gesendet sind, da zu sein. Die Aufgabe lautet, Gnadengaben und Talente zu teilen, bei gleichzeitiger Wachsamkeit für das Unteilbare und zwar auf jeder Seite, wenn das Füreinander vor dem Miteinander steht. Liebe Mitbrüder, es fügt sich gut, wenn wir heute, am Vortag, da unser Herr Jesus Christus seinen Aposteln und damit uns allen Anteil an seinem Priestertum gegeben hat, bekennen und die Bereitschaft zum priesterlichen Dienst erneuern. Die Kirche lebt vom Bekenntnis. Ein Wort des Hl. Apostel Paulus sei uns dabei Leitstern. Im zweiten Brief an die Gemeinde von Korinth schreibt er: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen, so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von den Menschen kommt. Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder ein noch aus und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt, und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet.“ Ja, liebe Mitbrüder, nur so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von den Menschen kommt. Amen.
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