Chrisammesse

Predigt von Erzbischof Dr. Franz Lackner OFM bei der Chrisammesse am Mittwoch in der Karwoche, 16. April 2014 im Dom zu Salzburg
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst! Brüder und Schwestern im Herrn! Es ist für mich eine große Freude, am Anfang meiner Zeit als Bischof dieser Erzdiözese die so genannte Chrisammesse zu feiern. Diese Messe soll sein und ist ein Ausdruck der besonderen Verbundenheit zwischen mir als dem Bischof und euch, den Priestern und Diakonen. Wir werden gemeinsam nach der Homilie die Bereitschaft zum priesterlichen Dienst erneuern. Dazu möchte ich euch herzlich einladen und auch bitten! Einige Gedanken dazu: Bischöfe sind Nachfolger der Apostel, in ihnen ist (subsistiert) die ganze priesterliche Vollgestalt. Was das bedeutet, sagt der Hl. Apostel Paulus ansatzweise im ersten Vers des Römerbriefes: >> auserwählt für das Evangelium. Segregatus – abgesondert >> abgesondert zu einem heiligen Zweck. Bischof- und Priestersein bedeutet demnach nicht, immer und überall im Zentrum der Welt zu stehen, sondern, wie es Johannes der Täufer ausdrückt: „Ich stehe daneben, ich höre die Stimme des Bräutigams und diese Freude ist für mich Wirklichkeit geworden.“ Abgesondert – man könnte auch sagen, freigestellt – für das Evangelium Gottes. Und das ist ein schöner Dienst, wie Papst Franziskus schreibt, dass der Verkünder des Evangeliums nicht ständig ein Gesicht wie bei der Beerdigung machen soll. „Als Diener des Evangeliums haben wir die erste Freude Christi in uns aufgenommen.“ Damit geht einher: Gott nimmt das, was wir bei der Weihe versprochen haben und heute erneuern, ernst! Er nimmt unsere Hingabe an, so sehr, dass wir mit Jesus – aus dem Evangelium von heute – sagen können: „Der Geist des Herrn ruht auf mir. Er hat mich gesandt, den Armen eine gute Botschaft zu verkünden.“ Jesus hat sein ganzes Wirken von Gott her verstanden! Jesus sagt von sich und seiner Mission: „Vor mir selbst aus kann ich nichts tun ..., mir geht es nicht um meinen Willen, sondern um den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ Liebe Brüder im priesterlichen und diakonalen Dienst, Weihe bedeutet, sich von Gott ganz in den Dienst nehmen zu lassen. Ich weiß, heute herrscht zuweilen die Angst vor, dass zu viel Gott auf Kosten der Menschen und der Diesseitigkeit gehen könnte. Dem ist aber nicht so. Bei Gott kommt der Mensch nicht zu kurz! Ignatius von Loyola hat dies sehr treffend zum Ausdruck gebracht, wenn er sagt: in Gott eintauchen, um bei den Menschen aufzutauchen! Je mehr wir uns von Gott in den Dienst nehmen lassen, desto mehr werden wir für die Menschen da sein können. Wir kennen die diesbezügliche Einstellung der Hl. Mutter Theresa; als die Arbeit übergroß wurde, sagte sie: „Nun müssen wir noch mehr beten!“ Wir dürfen den Menschen von heute Gott, die Quelle des Glaubens und des Lebens, nicht vorenthalten. Wenn wir das tun, versündigen wir uns! Geweiht sein bedeutet im Sinne des Hl. Apostel Paulus, abgesondert sein zu einem heiligen Zweck, sich in den Dienst nehmen lassen für das Evangelium; oder wie die theologische Formel lautet: in persona Christi agere; das bedeutet mit und durch Jesus Christus ganz für die Menschen da zu sein, die uns anvertraut sind! Darin liegt die ganze Bedeutung der Sakramente, die uns Priestern mit den Diakonen – sie sind zu einem besonderen Dienst geweiht – anvertraut sind. Diese Aufgaben dürfen wir nicht vernachlässigen! Die Kirche hat in den letzten Jahrzehnten entdecken dürfen/müssen: Seelsorge ist nicht nur den Priestern und Diakonen anvertraut, es gibt viele und nicht unwesentliche Bereiche, die Laien besser können, d.h. wir sollen uns in der Sorge um das Reich Gottes helfen lassen, wir sollen uns da und dort nicht scheuen, den Dienst abzugeben, wie schon geschehen ist, um freier zu sein für die sakramentale Aufgabe. Ich weiß, das verlangt Demut, das verlangt von uns auch, wie es Johannes der Täufer sagt: „Ich muss kleiner werden, er muss wachsen!“ Es ist dies die Demut, nicht zuerst die eigene Verwirklichung zu suchen, sondern da zu sein für die anderen. Unsere Existenz ist Proexistenz; das ist eine schwere, aber auch schöne Aufgabe, v.a. sinnvoll Freund Gottes und Freund der Menschen zu sein. Liebe Mitbrüder, besinnen wir uns auf den Anfang unserer schönen Berufung, als Gott unseren Weg gekreuzt hat. Ich erinnere mich, als ich den Ruf zum Priestertum gespürt hatte, ich war damals UNO-Soldat auf Zypern, fragte ich unseren Seelsorger, was denn ein Priester zu tun hätte; da gab er mir zur Antwort: „Der Priester steht bittend, betend, opfernd vor Gott für Menschen, die ihm anvertraut sind!“ Dieses Wort hat mich durch all die Jahre hindurch begleitet. In der Geheimen Offenbarung des Johannes sagt Gott der Gemeinde von Ephesus: „Ich kenne deine Werke, deine Mühen und dein Ausharren; ich weiß, du kannst das Böse nicht ertragen, du hast ausgeharrt, um meines Namens willen Schweres ertragen und bist nicht müde geworden. Ich werfe dir aber vor, dass du deine erste Liebe verlassen hast.“ Erneuern wir die Sehnsucht nach der ersten Liebe, für Gott und Menschen da zu sein. Und das Volk Gottes bitten wir, für uns und um gute Priester zu beten!

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