Christtag 2017

Predigt am 25. 12. 2017 im Salzburger Dom
Liebe Brüder und Schwestern! Wir Menschen tun uns schwer, einen wirklich neuen Anfang zu setzen; zu allermeist reagieren wir nur; machen schon Getanes nur anders, und so sind wir schon in uns Gefangene. Im Evangelium des heutigen Festtages haben wir eine großartige Betrachtung über den Anfang gehört; der Prolog – das Vorwort – zum Johannesevangelium. Daraus dürfen wir entnehmen, am Anfang steht Gott. Ohne Gott bleiben wir immer nur Reaktionäre, wir kommen vom Reagieren nicht heraus! Da hat es geheißen:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott!

Wir kennen solch scheinbar ausweglose Situationen, wenn man sich sprachlos gegenüber sitzt; der eine sagt zum anderen, was der andere genauso sagen könnte: „Sag etwas!“ Aber es gibt nichts zu sagen. „Es fehlen die Worte!“ Und wir wissen auch, wie verletzend und gänzlich unangemessen in solchen Situationen oberflächliches Gerede ist. Der Hl. Augustinus hat das sehr tief erfahren, als ihm sein treuer Freund gestorben war. Seine Seele war untröstlich, sie wollte auf ein vordergründiges Vertrösten nicht hören:

„… denn wirklicher und besser war der Mensch, mit dem sie den liebsten verloren hatte, als der Truggott auf den zu bauen sie geheißen war.“

In solchen Situationen wird uns bewusst, die letzte Heimat des Wortes ist nicht bei uns; es gehört nicht uns, wir sind dessen nicht habhaft. Es gibt das schöne Sprichwort:

„Das Wort, das du brauchst, das kannst Du dir nicht selber sagen!“

Wir könnten fortfahren zu sagen: das kann dir auch kein anderer Mensch sagen, denn das Wort ist bei Gott, und Gott ist das Wort. Aber wie uns das Evangelium heute – am Christtag- weiter sagt, hält Gott das Wort nicht fest. Im Zentrum hören wir einen Satz, der müsste fast ein wenig aufschrecken lassen:

„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt!“

Im Griechischen steht für Fleisch sarx, gemeint ist, damit der hinfällige unter der Sünde stehende Mensch. Und das hat Gott angenommen; wie des der Hl. Apostel Paulus im Philipperhymnus zum Ausdruck bringt:

„Er war wie Gott, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern entäußerte sich und wurde in allem uns gleich außer der Sünde!“

Gott lässt sich herab und setzt einen neuen Anfang, an dem auch wir teilhaben dürfen; aus dieser Fülle haben wir empfangen: Gnade über Gnade. Was bedeutet das für uns? Denn ein derartiges Wirken Gottes darf nicht unbeantwortet bleiben!

Immer wieder im Kleinen neu tun, was Gott im Großen schon getan hat. Konkret heißt das, einen neuen Tag mit Gebet zu beginnen. Aus meiner Kindheit hat sich tief in mir eingeprägt, nicht außer Haus zu gehen, ohne das Kreuzzeichen zu machen. Weihwasser nehmen und sich bekreuzigen! Schwere Arbeiten wurden immer mit der Anrufung begonnen: „in Gottes Namen.“

Der Glaube kommt vom Hören, heißt es beim Hl. Apostel Paulus; seien wir Hörende des Wortes Gottes; im Evangelium heute wurde uns gesagt: „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.“ Hören die Hirten. Sie hielten bei ihrer Herde Nachtwache und der Engel Gottes hat ihnen die Kunde gebracht: „Euch ist der Retter geboren, er ist der Messias, der Herr!“ In jener Nacht sind sie, die sozial-gesellschaftlich eher zur Randgruppe gehörten, uns Lehrer geworden. Seien wir Wachsam!

Johannes legt für Jesus Zeugnis ab: „Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir nur voraus, weil er vor mir war.“ In diesem Sinne sollen wir nach dem Vorbild Johannes des Täufers Zeugen des Wortes Gottes sein.

Der Heilige Franziskus hat keine Mühe auf dem Weg der Nachfolge gescheut. Am Ende seines Lebens ruft er seinen Brüdern zu: „Lasst uns anfangen, denn bisher haben wir nicht viel getan.“

Liebe Brüder und Schwestern! „Euch ist der Retter geboren.“ – Eine große Freude für die ganze Welt. Gott hat einen Anfang gesetzt. Fangen auch wir an, heute! Amen.
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