Christtag 2018

Predigt am 25. 12. 2018 im Salzburger Dom
Liebe Schwestern und Brüder!

Unser christlicher Glaube lebt von zwei Großereignissen, welche beide nicht direkt überliefert sind: das ist die Menschwerdung Gottes und die Auferstehung Jesu Christi. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, es gibt authentische Zeugnisse, mehr als von allen antiken Ereignissen, so wissen wir z.B. von Caesars Ermordung nur durch eine Handvoll schriftlicher Berichte, hingegen ist die Auferstehung von über 60 Handschriften bezeugt. Trotzdem wird das eine selbstverständlich als wahr und echt betrachtet; jedoch geht es um Glaubenswahrheiten, möchte man gutachtlich bestätigte Urteile haben, um sie als wahr anzuerkennen. Da heißt es zumeist im Jargon: „Na Ja, nix is Gwiss!“ Gewiss ist, viele sprechen und bezeugen diese Großereignisse des Glaubens, aber dem direkten Zugriff bleiben sie verborgen.

Das betrifft auch das Weihnachtsmysterium. Wir haben viel Umfeldwissen davon, aber bei der Geburt Jesu war niemand dabei, und auch Maria spricht nicht davon, weil immer dann, wenn es um das Innerste des Glaubens geht, es einfach nichts zu begreifen gibt, sondern nur zu bekennen und zu bezeugen.

Von Johannes Duns Scotus gibt es eine sehr schöne Definition von Wahrheit, die besagt: „Das Wesen von Wahrheit ist es, bekennend sich verhalten dem gegenüber, das sich zeigt.“ Wahrheit kennt mehrere Ebenen, die tiefste Form zeigt sich in Aussagen wie: Ich vertraue Dir; ich liebe dich; oder wie es einmal in der Hl. Schrift heißt: „Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!“

So verhält es sich auch bei den Weihnachtserzählungen, Hirten kommen, sehen ein Kind in der Krippe, sie bekennen, sie erzählen von dem Wort, das ihnen über das Kind gesagt worden ist. Das vierte Evangelium, von Johannes, spricht überhaupt nicht von der so genannten Kindheitsgeschichte, wie wir es beim Evangelisten Lukas vorfinden, es beginnt mit dem schönen Christushymnus über das Wort. Die Menschwerdung wird darin nur mit einem Satz angesprochen:

„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“

Karl Rahner, der große Konzilstheologe, hat einmal gesagt, die Bibel sei Theologie weniger Worte Jesu. Man wird Jesus gewiss nicht als Vielredner hinstellen können. In ihm hat sich das Sprichwort, „Schweigen ist die Heimat des Wortes“, verwirklicht. Wie sonst ist die lange Phase des Schweigens in Nazareth, an die 30 Jahre lang, zu verstehen.

So ist es auch im Glaubensleben. Wenn man es ehrlich nimmt, dann sind es wenige aber unverzichtbare Worte, die uns den Weg weisen. Ich schaue auf einige solch kurze Wortmeldungen in meinem Leben dankbar zurück. Einmal als Soldat, als mir ein Priester die für mich wegweisende Worte gesagt hat: „Gib Gott in deinem Leben eine Chance.“ Auf dem Weg der Nachfolge wurden mir einige sehr schwere Entscheidungen abverlangt. Als ich wiederum vor solch einer Entscheidung, Neues auf mich zukam, fragte ich meine Mutter, sie gab mir folgende Antwort: „Versperre dich nicht ganz!“ Ja, für all das grundlegend war das Wort aus der Hl. Schrift von Matthäus 11,28 „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid.“ Ohne diese Lebens- und Glaubensworte könnte ich nicht meinen Weg weitergehen. Ich hätte nicht die Kraft und es würde mir auch der Sinn fehlen.

Feste haben es in sich, dass in allem die Überfülle gefeiert wird. Das liegt in der Natur der Sache. Dennoch sollten wir den Grund, warum wir feiern, warum wir fröhlich sind, nicht vergessen. Nach meinem Dafürhalten wäre es einmal überlegenswert, alle großen Festtage der Kirche als Fasttage des Wortes zu erklären, ganz im Sinne von Angelus Silesius „Mensch werde wesentlich!“ Für unser Weihnachtsfest wäre der eine Satz „Gott ist Mensch geworden“ Grund genug, fröhlich, heiter und liebevoll zu sein; wenn wir dieses Wort Gottes in uns nur eindringen lassen.

Maria spielt bei der Menschwerdung Gottes wohl die Hauptrolle. Sie hätte vieles erklären und verdeutlichen können. Sie hat es nicht getan. Von ihr heißt es immer wieder: „Maria bewahrte alles im Herzen und dachte darüber nach.“

Das sollte uns Richtlinie und Maßstab sein; sich von der Frohen Botschaft mit ihren wenigen Worten betreffen zu lassen, sie in unserem Herzen bewahren, darüber nachdenken und erst hernach wie die Hirten hinausgehen, staunend bekennen, was wir gesehen und gehört haben. Vielleicht dürfen wir auch einen Abglanz von dem erleben, was in der Nacht zu Betlehem geschehen ist, als die Engel Gott lobten, Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.
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