Dankrede bei der Verleihung des Ehrenringes ...

des Landes Steiermark am 8. 7. 2015 in Graz.

Erlauben Sie mir - es ist wahrlich keine Koketterie - ein ehrliches Empfinden, konträr zur feierlichen Stimmung, voranzustellen. Im Leben ist mir vieles unverdient zugefallen. Ich denke an meine schon verstorbenen Eltern. Der Vater wäre gerne Maurer geworden, es war nicht möglich! Die Mutter, eine intelligente, eigentlich philosophisch denkende Frau.  Ihr Lebenssinn, wie sie mir einmal, dem ewig lästig Fragenden,  sagte: das seid ihr, meine Familie. Ihnen waren als Keuschler Wege verschlossen.

Dieser Herkunft verdanke ich jedoch vieles. So  durfte ich mich Jahre lang, auch noch als Priester, dem Studium der Philosophie widmen, mich mit den subtilsten Gedankengebäuden, dazu gehören die Gottesbeweise, beschäftigen. Die Erfahrung, die diesen zugrunde liegt, das habe ich schon als Kind im bäuerlichen Umfeld mitbekommen: bei der Ernte. Für uns Kinder war klar: Der größte Kürbis gehört zum Dank in die Kirche. Denn: das Schönste, das höchste Gut, das schlechthin einfach Wahre, weist über unsere Welt hinaus, berührt das Heilige.

Für mich hat diese Dimension der Herkunft Hanns Koren, der überzeugende Kulturpolitiker, erschlossen: Heimat ist Tiefe, nicht Enge. Tiefe als Verwurzelung, scheint in unserer Zeit nicht Wenigen zu fehlen: Heimatvertriebene, Menschen, für uns namenlos, ereilt der Tod zur Unzeit, wie kürzlich in Graz geschehen; andere haben in einer unruhig gewordenen Welt schlichtweg vergessen, woher sie kommen und wohin sie gehen.

Verantwortung vor Eigennutz und Kalkül ist gefordert, besonders von Kirche und Politik. Widerstehen wir populistischen Bestrebungen, die es durchaus auch in der Kirche gibt, Verkürzungen, schnellen Antworten. Brennpunkte der Bewährung sind dort, wo diese Verantwortung für das Ganze mit dem je konkreten Einzelschicksal in Berührung kommt.

Die Kirche ist geprägt von dieser Spannung, durch eine Lehre, die in ihrem Grundbestand nicht veränderbar ist, und durch das Lebensschicksal Einzelner. Hegel würde in diesem Zusammenhang vom universalen Konkretem sprechen. Dort werden wir uns bewähren müssen und dazu braucht es Allianzen. Das bedarf an Mut, Vertrauen, Flexibilität und Sinn für Wahrheit. Nach christlichem Verständnis ist Wahrheit nicht zuerst eine Theorie oder Definition, sondern eine Person: Jesus sagt, ein ungeheuerlicher Anspruch: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Jeder Mensch spiegelt in seinem „Person sein“ etwas vom Antlitz Gottes wider.

In Europa hat das Christentum tiefe Wurzeln geschlagen. Diesen Weg gilt es weiterzugehen, gerade hier in der Steiermark, wo Brücken gebaut wurden und der Mitteleuropäische Katholikentag mit seinen sieben Botschaften auch heute den Weg weist. Das ist Auftrag für uns, die wir, viele neu in unseren Aufgaben, gestalten können.

Es bleibt der Dank für diese große Auszeichnung: Ihnen Herr LH Schützenhöfer, der steirischen Landesregierung und LH a.D. Franz Voves.       

Meiner franziskanischen Familie und Mitbrüdern im priesterlichen und diakonalen Dienst. Dir Bischof Johann, du hast mich zum Priester geweiht. Lieber Bischof Egon, du hast mich an deine Seite gerufen.

Allen Wegbegleitern, - Familie, Freunden, und den Mitarbeitern.  

Die Steiermark bleibt meine Heimat, sie und die Menschen haben mich geprägt, vor allem die letzten elf Jahre als Weihbischof an der Seite von Bischof Egon. Gott hat mich aber immer wieder überrascht. Lieber Herr Landeshauptmann! Ich bin gut in Salzburg angekommen.
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