Diakonenweihe 22.11.2014

Predigt zur Diakonenweihe am 22.11.2014
Schwestern und Brüder im Herrn!
Liebe Weihekandidaten!
In besonderer Weise grüße ich Eure Ehefrauen und Familien, Angehörige und Freunde, die mit Euch zur Stunde inniglich verbunden sind!


Anlässlich der Weihe von fünf Männern zu Diakonen, eine große Freude für die ganze Erzdiözese, sind wir eingeladen mit besonderer Aufmerksamkeit in die Lesungen, die uns der Tisch des Wortes bereitet hat, hinein zu hören. Sie wurden von unseren Kandidaten für diese große Feier ausgewählt.

Das Evangelium spricht vom Weizenkorn, das sterben muss. Diese Passage ist in der Einheitsübersetzung mit „letzte öffentliche Rede Jesu“ überschrieben. Jesus erkennt den Ernst der Situation: Die Stunde ist gekommen! Gegenkräfte werden immer stärker; es drängt zur Entscheidung. Das Gleichnis ist eine Antwort, die Jesus auf eine Frage gibt. Nämlich Griechen im Gefolge der Pilger, wurden bei Philippus vorstellig; sie würden gerne Jesus sehen. Ein verständlicher Wunsch! Aber offenbar fühlte Philippus schon, dass etwas in der Luft lag, weil er ging nicht direkt zu Jesus, sondern zuerst zu Andreas, um dann gemeinsam, das Anliegen ihrem Meister vorzubringen. Darauf antwortet Jesus mit den gehörten Worten, die Stunde ist gekommen, der Menschensohn wird verherrlicht, und erzählt das Gleichnis vom Weizenkorn. Jesus spricht nicht mit den Griechen, er empfängt sie nicht! Das ist doch sonderbar! Sonderbar insofern, weil ein so renommierter Exeget wie Rudolf Schnackenburg und mit ihm nicht wenige andere, gerade darin die universale Bedeutung der Mission Jesu angedeutet sehen. Die Ablehnung des Wunsches der Griechen erfolgt nur deshalb, weil Jesus erst den Tod auf sich nehmen muss, um auch Nichtjuden das Heil zuzuwenden. „Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Heißt es wenig später bei Johannes. (12,32)

Das, Brüder und Schwestern, liebe Weihekandidaten, ist die Logik Gottes und somit auch die Maxime unseres Handelns. Ich habe immer das Weiheamt in enger Beziehung mit der Selbstbezeichnung von Paulus im ersten Vers des Römerbriefes angesehen. Da heißt es: „Paulus, Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel,“ und dann heißt es in der Einheitsübersetzung, „auserwählt das Evangelium Gottes zu verkünden.“ Das griechische Wort für „Auserwählung“ bedeutet aber etwas anderes. Die neue Bibelübersetzung wird das korrigieren. Richtig lautet das Wort: „abgesondert“. Paulus, der an anderen Stellen immer wieder betont, nicht müde zu werden, Gutes zu tun, für die Menschen da zu sein, empfand sich selbst als abgesondert und zwar für das Evangelium. Wir können nicht alle Wünsche, seien sie noch so wohlgemeint, erfüllen. Wir können aber sehr wohl durch unsere ungeteilte Hingabe an Gott, durch Anteilnahme an der Heilstat Jesu Christi, universales Heil für die uns anvertrauten Menschen erwirken. Diakonsein bedeutet folglich nach dem soeben gehörten Evangelium: In dem Maße Jesus dienen, wie er es uns vorgelebt hat; indem ihr, geschätzte Weihkandidaten, die Liebe Jesu zu Gott und den Menschen vergegenwärtigt; Euer Lohn ist die Ehre des Vaters im Himmel.

Eine zweite Kostbarkeit auf dem Tisch des Wortes wird uns in der ersten Lesung geboten. Die Situation zu Samuels Zeit war eher triste. Gleich am Anfang heißt es: „In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen nicht häufig.“ In Folge wird der Priester Eli beschrieben, der am helllichten Tag zu schlafen pflegt; seine Augen waren schwach geworden. Der junge Samuel war zwar bereit schnell zu laufen, wusste aber nicht wohin, denn er kannte den Herrn noch nicht. In diese Hoffnungslosigkeit hinein offenbart sich das Erlösende und Rettende, gleichsam beiläufig, wie in einem Nebensatz: „Aber die Lampe Gottes war noch nicht erloschen!“ In diesem unaufdringlichen Lichtschein vermag schließlich der alte blinde Eli, doch den Anruf Gottes zu erkennen, um dem jungen unkundigen Samuel den entscheidenden Hinweis zu geben: „Wenn er dich noch einmal ruft, dann sprich: „Rede Herr, dein Diener hört.“ Ich sehe in dieser Situationsbeschreibung ein Abbild unserer Kirche. Es gibt viel Altes in der Kirche, aber müde Gewordenes; es gibt gar nicht so wenig Junges mit vielen Ideen und guten Willen, aber es fehlt oft eine dauerhafte Orientierung. Worauf es in letzter Konsequenz jedoch ankommt, ist nicht die Weisheit der Alten, auch nicht die Dynamik der Jugend, sondern darauf, dass die Lampe Gottes nicht erlischt. Im Psalm 36:9 heißt es: „Denn bei dir ist die Quelle des Lebens; in deinem Licht schauen wir das Licht.“

Liebe Weihkandidaten, zusammengefasst sind es zwei Aufgaben, zu denen Euch die Weihe befähigen und beauftragen möchte:
  • Jesus dienen! In euren Einsatzorten für den Nächsten in Not barmherziger Samariter zu sein. Aufmerksam, wachsam sein, ein feines Gespür zu entwickeln, wo wartet der in Not gefallene Mensch auf Hilfe? „Was ihr einem meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) Kirche darf an keiner Not einfach vorüber gehen. Papst Franziskus wird nicht müde einzumahnen, an die Ränder unserer Gesellschaft zu gehen, um dort Anwalt der Armen und Schwachen zu sein. Der Lazarus unserer Tage hat allerdings viele Namen, auch das sollen wir nicht vergessen. Ein Name lautet Gott. In dieser unserer Welt baut sich unter den vielen Notlagen eine neue Armut auf. Wir schlittern weithin im guten Glauben in eine Gottvergessenheit. Papst Franziskus nennt es das Gutmenschentum. Darum liebe Mitbrüder ist Euch - ebenso wichtig, wie für den Nächsten da zu sein - ein zweites Herzensanliegen mit auf dem Weg gegeben:
  • Die Sorge, dass die Lampe Gottes nicht erlischt. Diese Lampe Gottes möchte leuchten, sowohl in unseren Kirchen, wenn wir uns um den Altar zum Gebet und zur Feier versammeln, aber auch in den Herzen der Einzelnen. Euer aufrichtiges Ringen und Mühen, um rechten Glauben, gefestigte Hoffnung und vollendete Liebe ist kostbares Öl in der Lampe Gottes.

So danke ich Euch, liebe Weihekandidaten, im Namen des ganzen Gottesvolkes, für die Bereitschaft den diakonalen Dienst in der Kirche zu übernehmen. Ich danke den Ehefrauen und Familien; zuerst sind Eure Ehemänner und Familienväter an das Sakrament der Ehe gebunden; für den Weihestand ist das ist kein Hindernis, sondern Segen; sowohl für die Familie und die Kirche. Aber ich weiß, es ist auch mit Opfer verbunden und zwar beidseitig: die Ehefrauen bitten wir um Bereitschaft mitzutragen, Verständnis zu haben. Der Dienst in der Kirche wird auch die eine oder andere Sorge in Ehe und Familie hineintragen. Genauso ist Kirche und Gemeinde angehalten das kostbare Charisma nicht im Sinne des Besitzstandes, sondern dankbar, rücksichtsvoll und in gegenseitiger Liebe zu betrachten. Schließlich danke ich den Kindern, Freunden und Mitbrüder unserer Weihekandidaten; sie alle geben etwas her, stellen etwas, worauf sie Anspruch hätten, der Kirche für den Aufbau des Reiches Gottes unter den Menschen zur Verfügung. Auch das eine kostbare Gabe; wir wollen uns bemühen sorgsam damit umzugehen.

Ich danke allen, die unsere Weihekandidaten auf ihrem Weg begleiten und im Gebet beistehen. Dieser Tag lässt uns neu glauben: „Die Lampe Gottes ist noch nicht erloschen!

Die neuen Diakone:
  • Mag. Anton Fersterer (44), Pfarrassistent in Kaprun
  • Mag. Johannes Gruchmann-Bernau (53), Hallwang, Schuldirektor, diakonale Aufgaben: Schulpastoral, Malteser, Dom
  • Dipl. Ing. Andreas Moser Bakk. theol. (44), Alpbach, Umweltverfahrenstechniker, als Diakon in den Pfarren Kramsach und Mariathal mit Schwerpunkt in der Jugend- und Berufungspastoral 
  • Johannes Moser (40), Alpbach, Dipl.- Krankenpfleger, als Diakon in Alpbach mit Schwerpunkt in der Altenseelsorge
  • Br. Rufino Ziegerhofer (41), aus Mürzzuschlag, gelernter Koch/Kellner, Diakon für den Franziskanerorden.
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