Erscheinung des Herrn

Predigt am 6. 1. 2019 im Salzburger Dom
Liebe Schwestern und Brüder!

Christsein ist spannend! Durchaus gemeint im Sinne von interessant, aber auch wörtlich im Sinne von ausgespannt, ausgestreckt sein, zwischen zwei Extremen. Christsein bedeutet, von seinem Ursprung her in der Spannung stehen zwischen Sünder und Heilig, Ideal und Realität oder - wie es in der Eschatologie heißt - zwischen dem „schon“ und „noch nicht“. Diese, man möchte fast sagen, Zerreißprobe gilt es nicht nur auszuhalten, sondern sogar für das Leben und den Glauben fruchtbar zu machen. Paulus sagt: „mit Christus sind wir schon auferstanden“, den Tod gibt es demnach ja schon nicht mehr für einen gläubigen Menschen. Das hat Auswirkungen für unser Leben im Hier und Jetzt. Dennoch kennt ein jeder von uns die so sehr bittere Erfahrung des Sterbens eines lieben Menschen und schaut dem eigenen Sterben mit großer Sorge entgegen. Es ist wahr, wir haben schon jetzt Anteil am Wort Gottes, das da heißt: „Und der Tod wird nicht mehr sein!“ Und doch bleibt dahinter ein großes Fragezeichen. Das sind die beiden Pole, die jegliche christliche Existenz umspannen.

Von dieser Spannung ist selbst auch die Menschwerdung Gottes geprägt. Jesus wusste sich von Anfang an zum Hause Israel gesandt. In seinem öffentlichen Wirken hat er nie ein heidnisches Haus betreten. Und doch ist sein Eintritt in diese Welt kein nationales, sondern ein universales Geschehen. In der Lesung haben wir gehört, wie der Prophet Jesaja Jerusalem auffordert, Licht zu werden, denn die Herrlichkeit des Herrn geht über ihr strahlend auf. Finsternis bedeckt die Völker, doch über Jerusalem erscheint die Herrlichkeit des Herrn, so lauteten die ersten beiden Sätze der Lesung heute. Man könnte meinen, ein rein innerjüdisches Geschehen; dem ist nicht so, am Ende hat es geheißen: „Aus Saba kommen sie alle, Gold und Weihrauch bringen sie und verkünden die Ruhmestaten des Herrn.“  Saba gehört nicht zum auserwählten Volk. Auch für dieses Volk ist die frohe Kunde Gottes verkündet.

Heute feiern wir Erscheinung des Herrn. Im Zentrum dieses Festes stehen die Sterndeuter aus dem Osten, die nach Jerusalem kommen, um den neugeborenen König zu huldigen. Das waren Heiden. Also nicht erste Adresse in der Mission des neuen Königs. Und doch haben sie seinen Stern aufgehen gesehen und sie machen sich auf den Weg. Heiden gelten gemeinhin als Ungläubige. Das stimmt jedoch nicht. Heiden damals waren durchaus gläubig, allerdings nicht einem Gott zugetan, sondern vielen Göttern. Dem ursprünglich christlichen Europa wird heute ein gewisses Neuheidentum zugesprochen. Nicht der Atheismus hat sich durchgesetzt, wohl aber ein Allerweltsglaube. Die Hinneigung auf einen Gott, den Gott Jesu Christi, geht weithin verloren. Vor einiger Zeit hat eine Zeitung in unserem Land von einer Umfrage berichtet, wie viele Christen noch an die Auferstehung glauben? Das Ergebnis war sehr ernüchternd. Die Mehrheit glaubt eher an Wiedergeburt.

So erscheint mir die Meinung nicht abwegig zu sein, die Heiligen drei Könige auch als Vorbilder dieses Neuheidentums zu sehen, auf dass wir mit ihnen unsere Gaben zur Krippe bringen. Damals brachten sie Gold, Weihrauch und Myrrhe. 

Was wäre das Gold unserer Tage, das wir zum neugeborenen König als Geschenk bringen? Da kann man vieles nennen. Zum Beispiel die großen Errungenschaften in Technik und Medizin. Die moderne Wissenschaft hat ihren Aufschwung genommen, indem sie sich vom Glauben losgesagt hat, die Welt als allein natürlich erkennbar darstellt. Ich wurde einmal gefragt, Jesus habe gesagt, wir würden größeres als er zu seiner Zeit bewirkte, tun können, ob denn das überhaupt stimme? In gewisser Weise schon. Was ist heute medizinisch alles möglich? Sehr viel mehr als es damals der Fall war. Nur wir danken dafür nicht Gott. So wäre es eine schöne und huldvolle Geste, die Errungenschaften der neuen Welt dem göttlichen Kind als Gabe darzubringen.

Der Weihrauch steht für Anbetung. Angebetet wird heute auch viel. Die Frage ist nur, wem diese Anbetung gilt? Menschen mit außergewöhnlichen Begabungen, wie Stars, Sportlern, Idole, aber auch Macht, Geld oder eben auch Sterne. Die Könige damals waren Sterndeuter; sie haben aufgeschaut, den Blick nach oben gerichtet, doch hat sich ihr Blick dort nicht festgeheftet. Er ging über ihre Sternenkunde hinaus und blieb bei Seinem Stern stehen; ein ganz anderer Stern, der sie zu einer Krippe führte, in der Christus lag. Noch nie hat die Welt so weit in die Sternenwelt zu schauen vermocht, als dies heute möglich ist. Ich will einfach nicht glauben, dass dieser Blick in die Unendlichkeit des Universums nicht doch auch einen Abglanz von Seinem Stern, der in unsere Zeit hinein aufgehen möchte, zu erfassen vermag. Es würde unserem Wirken und Tun keinen Abbruch tun, vielmehr einen göttlichen Glanz verleihen.

Schließlich bringen die Waisen aus dem Morgenland Myrrhe. Dieses wurde aus Harz gewonnen, schmeckt bitter und als Beimischung zum Wein wirkte es betäubend. Darum fand es in biblischer Zeit als Heilmittel Verwendung. Symbolisch steht Myrrhe für das Leid des Herrn. Auch in unserer Zeit gibt es viel Leid. Einsamkeit, Heimatlosigkeit, Überforderung, Sinnlosigkeit und vieles mehr. Jedoch kommen wir mit diesen bedrückenden Fragen nicht zu Gott. Wir versuchen sie auf rein menschlicher Basis abzuhandeln. Jedoch wartet das Kind in der Krippe gerade auf diese Gabe. Die Botschaft von der Krippe hat gerade den leidenden Menschen so viel zu sagen, vor allem aber eines: In deinem Leid bist du Mensch nicht allein. Ich bin Dir vorausgegangen, habe den Weg gezeichnet, selbst durch den Tod hindurch. Auch in deiner gefühlten Gottverlassenheit bist Du nicht allein. Ich habe für dich am Kreuz die Worte gesprochen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ Ich bin dir vorausgegangen, so die Botschaft von der Krippe, die aus dem gleichen Holz geschaffen ist wie das Kreuz auf Golgotha.

Liebe Brüder und Schwestern, unzählige Jugendliche haben mit vielen Begleitern in den letzten Tagen diese dreifache Botschaft in ihre Häuser getragen. Sie sind einem Stern gefolgt: Eine wunderbare Aktion, durchaus vergleichbar mit der Gabe der Könige von damals. Mit dieser Gabe brachten sie Gold und Anbetung für einen kurzen Augenblick in ihre Häuser. Singend verkündeten sie jene große Freude, die Hirten wie Weise inspirierte, sich auf den Weg nach Betlehem zu begeben, sucht auch den Weg in das Betlehem von heute. Der Weihrauch, die Myrrhe, der Duft der Anbetung mögen uns die Schwachen, Armen und Leidenden in Erinnerung bringen. Die jungen Leute haben für lebenswichtige Projekte gesammelt. Danke für Eure Gabe, sie ist Goldes wert.

Den vielen, die die Sternsingeraktion durchführen, sage ich ein herzliches Vergelt´s Gott, vor allem der Trägerorganisation, der katholische Jungschar. Von den Waisen aus dem Morgenland, Sterndeuter, heißt es: als sie den Stern über dem Ort, wo das Kind war, stehen sahen freuten sie sich.

So möge, bei allem was wir können und tun, was wir feiern und beten und was wir leiden, persönlich erfahren oder teilen, der Stern der Freude über uns aufgehen.

Amen
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