Fastenimpuls

Rupertusblatt-Fastenimpuls vom 29.3.2020
Liebe Schwestern und Brüder,

Ein wesentlicher Aspekt des Fastens ist, durch Verzicht die Widerstandskräfte von Geist und Seele zu stärken. In der derzeitigen Krisensituation, die wir gemeinsam durchleben, hat dieser Gedanke eine besondere Dringlichkeit. Viele Gläubige erleben es als sehr schmerzhaft, dass sie nicht zur Heiligen Messe gehen und den Leib Christi empfangen können, „gerade jetzt, wo es notwendiger wäre denn je…“, wie ich in zahlreichen Briefen aus den letzten Wochen gelesen habe. Es war für mich eine der schmerzhaftesten Entscheidungen meines Lebens, die öffentlichen Messen absagen zu müssen. Aber vielleicht ist diese Not auch eine Chance, andere Grundlagen unseres Lebens und Glaubens neu zu entdecken. Wir sind als Kirche über die Grenzen der körperlichen Nähe hinaus geistig und im Gebet verbunden. Auch wenn wir körperlich voneinander getrennt sind, unser Herzen, unsere Seelen, sind es nicht. Manche fühlen sich nun ihren Lieben, mit denen sie nicht zusammen sein können, sogar näher als sonst. Uns wird bewusst, wie sehr wir mit- und füreinander leben und spüren eine geistige Verbundenheit. Ähnlich verhält es sich in Bezug auf die Kirche. Denn von Jesus und seiner Kirche können wir nie getrennt werden, selbst wenn es nach außen hin so scheint. Wir empfangen den Leib Christi nicht nur, wir sind der Leib Christi. Wir sind nicht nur Mitglieder der Kirche, wir sind die Kirche. Wie Papst Benedikt XVI. einmal gesagt hat: „Wer glaubt, ist nie allein“. Wir sind eingebunden in eine große Gemeinschaft der Lebenden und der in die Ewigkeit Eingegangenen. Möge uns diese geistige Erfahrung der Verbundenheit durch diese schmerzhafte Fastenzeit tragen.

Im Gebet verbunden!

Franz Lackner
+Erzbischof
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