Festtag der Diözesanpatrone hl. Rupert und hl. Virgil 2018

Predigt von Erzbischof Franz Lackner im Dom zu Salzburg am 24. 9. 2018
Exzellenzen, hwst Bischöfe, im Besonderen darf ich meinen Vorgänger Erzbischof Alois und die Bischöfe aus den Partnerdiözesen herzlich willkommen heißen. 
Hochwürdigste Äbte, an der Spitze der Erzabt, der mit dem Erzbischof von Salzburg den Ursprung unserer Diözese repräsentiert! 
Besondere Freude ist es für uns, mehrere Äbtissinnen zu begrüßen, angeführt von der hochwürdigen Äbtissin vom Nonnberg, als Nachfolgerin der hl. Erentrudis bürgt sie für Kontinuität seit Anfangszeiten. 
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst. 
Ich darf alle geistlichen Schwestern und Brüder begrüßen, wie auch die weltlichen Ordensgemeinschaften. 
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann, Frau Landtagspräsidentin, Herr Bürgermeister! 
Liebe Abordnungen der Heimat- und Traditionsvereine, Schützen und Musikkapellen. 

Liebe Schwestern und Brüder!

Wie bei fast allen Heiligen der Frühzeit des Christentums ist auch vom hl. Rupert wenig historisch Gesichertes aus seiner Biografie bekannt. So wissen wir nicht, warum er sein Angestammtes in Worms verlassen hatte, um als Missionar nach Regensburg zu gehen und schließlich über Umwege nach Salzburg zu gelangen. Nach Auskunft der Geschichtsschreiber muss es dafür rein persönliche Gründe gegeben haben. In Salzburg angekommen entfaltete er eine äußerst erfolgreiche Gründungstätigkeit. Die Klöster St. Peter und Nonnberg geben dafür Zeugnis. Rupert war nicht nur Klostergründer, sondern er schuf die kirchliche wie auch wirtschaftliche Basis zum Aufstieg Salzburgs zur geistlichen Metropole von damals ganz Bayern. Dennoch, das mag uns heute erstaunen lassen, nahm das Andenken an ihn nach dem Tod ab. Kaum einer der nachfolgenden Äbte und Bischöfe, so lesen wir, nahm Bezug auf Rupert. Der Grund lag jedoch nicht in einer möglichen Missachtung, sondern in dieser frühen Zeit blieb das persönlich Biografische vor dem getanen Werk im Hintergrund. Nach dem Wort Jesu:

„Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Knechte, wir haben nur unsre Schuldigkeit getan.“ (Lk. 17,10)

Eine erste persönliche Notiz über unseren Gründungsheiligen finden wir in einer gegen Ende des 8. Jahrhunderts entstandenen Lebensbeschreibung:

„Er stammte aus vornehmem, königlichen Geschlecht, war aber noch vornehmer durch seinen Glauben und Frömmigkeit.“
 

Vornehm aus Herkunft, noch vornehmer durch Glaube und Frömmigkeit. Eine wunderbare Beschreibung, was Glaube sein möchte, nämlich nicht Alleinursache, nichts anderes als gut gelten lassend, vielmehr eine göttlich-menschliche Gabe, die dem, was der Mensch aus Eigeninitiative zu leisten, eine letzte Würde zu geben vermag.

Ich glaube, unsere Zeit, in der viel Gutes geschieht, vieles von vornehmer Herkunft ist, wird den hohen Standard an Humanität und Mitmenschlichkeit ohne diese Zutat von Glaube und Frömmigkeit nicht zu halten vermögen. Wir erleben es in den großen Fragen unserer Zeit. Keine noch so gut ausbalancierte allgemeingültige Gesetzlichkeit vermag dem Einzelnen in seiner einmaligen Würde ganz gerecht zu werden. Institutionen werden im Besonderen immer auch schuldig. Papst Franziskus weist in seinem Schreiben Amoris laetitia eindringlich darauf hin. Es gibt sie, die große einsame Not, im an den hohen Ansprüchen des Religiösen Enttäuschten und Gescheiterten, im stummen Schrei des Ungeborenen, das leben möchte, im Flüchtling, der keine Aufnahme findet, weil es zu viele gibt, die diese nicht verdienen. Diesen Menschen, so unser Papst Franziskus, müssen wir, so weit wie nur irgendwie möglich, entgegengehen. Sie sind von vornehmer Herkunft und möchten noch vornehmer werden, wenn man ihnen mit Glauben und Frömmigkeit des Herzens entgegengeht. Für uns als Christgläubige muss das Wort Jesu, vom Salz der Erde, neue, tiefere Bedeutung bekommen, gerade in der Stadt, in dem Land, die den Namen vom Salz bekommen haben. Ihr seid das Salz der Erde. Jesus sagt nicht, ihr seid die Hauptspeise, ihr seid eine zuckersüße Nachspeise, nein, Salz der Erde sollen wir sein. Salz kann man allein gar nicht essen, aber es ist die kostbare Zugabe, die der Speise den eigentlichen Geschmack verleiht.


Liebe Schwestern und Brüder, unser Beitrag zum Gelingen des Gemeinwohls mag äußerlich betrachtet ein kleiner sein. Dem Bismarck‘schen dictum „Mit der Bergpredigt kann man nicht regieren“ ist durchaus etwas abzugewinnen, wir dürfen es nicht als falsch hinstellen, aber ganz ohne Bergpredigt wird es auch nicht gehen. Die Welt von heute mit ihren großen Herausforderungen wird ohne die Ressource Glaube nicht auskommen. Alle Institutionen leiden an Vertrauensschwund, ebenso die Kirchen, dafür gibt es viele Gründe, einer liegt wohl darin, dass die Schule des Vertrauens, und das ist der Glaube, fast keine Schüler mehr hat.

Von unseren Gründungsheiligen sollen wir lernen. Das Motto des hl Rupert war der Wahlspruch des hl. Martin, non recuso laborem! Ich weise die Arbeit nicht ab, freier übersetzt: „Ich scheue die Mühe nicht!“. Glauben bedeutet auch Mühe, auch in unserer Zeit. Es hat zuweilen schon innerkirchlich den Eindruck, als ob wir nach Belieben aus dem Vollen schöpfen könnten. Wenn dem so ist, dann verdienen wir den Namen Christen nicht mehr, denn wenige Flugstunden entfernt müssen Menschen täglich um ihr Leben fürchten, nur weil sie sich Christen nennen und das auch bezeugen wollen. Die Vornehmheit, die aus dem Glauben und der Frömmigkeit kommt, hat einen Preis, der in kleinen Münzen bezahlt werden muss.

Der hl. Rupert war sehr bemüht um den Gottesdienst, er suchte eine einheitliche Feierkultur der Kirche. Auch in diesem Bereich ist Demut, d. h. Mut zum Dienen, angesagt. Die Not an Priestern hat eine schöne Frucht gezeitigt; die Erkenntnis, dass es auch eine Berufung zur Verkündigung durch Laien aus der Tauf- und Firmgnade gibt. Diese Erkenntnis ruft uns eine lang vergessene Wahrheit in Erinnerung. In Nazareth ist Gott in Jesus tief in das Menschsein eingetaucht, wie gewohnt ging er am Sabbat in die Synagoge, heißt es beim Evangelisten Lukas. Dem Volk zugehörig lebte Jesus wie ein Laie unter den Menschen. Da ist heilsgeschichtlich Wesentliches geschehen: Der Gottesname Emmanuel – Gott mit uns – wurde über den langen Zeitraum von fast 30 Jahren irdische Wirklichkeit. Allgemeines und das besondere Priestertum sind kommunizierende Gefäße, nur gemeinsam vermag die ganze Wahrheit des Evangeliums in unsere Welt hinein übersetzt werden.

Weiters wird berichtet: Der hl. Rupert war ein kluger, gelassener Mann, wahrhaftig in seiner Rede, gerecht im Urteil, vorausblickend und stark im Handeln und bekannt für seine Nächstenliebe. Ein besonderes Anliegen sei ihm der Ausgleich zwischen Alt und Neu gewesen.

Mit dem heutigen Festtag beenden wir den ersten Abschnitt des vor zwei Jahren gestarteten Zukunftsprozesses. Ein Weg wurde begonnen. Viele haben sich bemüht, gearbeitet und immer gebetet. Viele haben sich begeistern lassen, aber – man muss es sagen – nicht wenige Mitverantwortliche tun sich nach wie vor schwer. Gewiss kann man Fehler benennen, sie sind passiert. Ich möchte nichts wegreden, aber es ist schon ein missionarischer Geist, der uns bewegt. Dass Missionen nicht immer gleich gut gehen müssen, das hat der hl. Rupert auch am Anfang seines Wirkens erfahren müssen. Wir sind auch am Anfang. Wir wollen weitergehen in die Zukunft und laden alle herzlich ein, mitzugehen, mitzutun und mitzubeten.

Wir haben eine Verantwortung vor Gott und den Menschen. Wir haben eine wunderbare Botschaft, die Freude des Evangeliums. Das dürfen wir der Welt von heute, unserem Land, unserer Erzdiözese nicht vorenthalten, ohne schwere Schuld auf uns zu laden. Unsere Gründungsheiligen würden in diesem Fall am Ende der Zeiten zum Zeugnis gegen uns aufstehen.

Unsere Aufgabe ist es, den Schwachen, Armen, Einsamen und Enttäuschten, den Trauernden und Verfolgten so zu begegnen, ihnen zur Seite zu stehen, dass sie sich ihrer vornehmen Herkunft innewerden. Vieles dürfen wir entdecken; Gutes, das nicht nur von uns kommt, dem wollen wir glaubend und vertrauend begegnen, um das Vornehme noch vornehmer zu machen. Das können wir nur gemeinsam und mit der Hilfe Gottes erfüllen.
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