Fronleichnam 2018

31.5.2018, Dom zu Salzburg
Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann, Herr Bürgermeister!
Magnifizenz!
Brüder und Schwestern!

Im Rahmen einer Visitation erzählte mir ein Bergbauer folgende berührende Geschichte. Sein Sohn, noch ein Kind, kam einst ganz aufgeregt zu ihm und berichtete irgendein Ereignis; er selbst konnte sich nicht mehr erinnern, was das Kinderherz so sehr bewegte. Auf die Rückfrage des Vaters, wo denn das stattgefunden habe, sagte ihm der Sohn: „Dort, wo unser Brot wächst!“, nicht auf dem Getreideacker, sondern, wo unser Brot wächst. Das war keine gängige Redewendung im Hause, das Kind hat jedoch am Getreidefeld das Wachsen des Brotes erspürt. Eine wunderbare Übereinstimmung mit dem Segensspruch, der Brot aus der Erde hervorzog.

Brot ist bis in unsere Zeit das Hauptnahrungsmittel. In biblischer Sprache steht es für die Lebensgrundlage schlechthin, als solches ist es auch ein Realsymbol für den Glauben.

Als Lazarus schwer erkrankt, geht Jesus nicht gleich zu ihm, er wartet zu. Erst als er gestorben ist, begibt er sich zu dessen Schwestern, die ihn fast vorwurfsvoll empfangen: „Herr wärest du hier gewesen, der Bruder wäre nicht gestorben.“ Darauf spricht Jesus den unglaublich anmutenden Satz: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird nicht sterben, auch wenn er stirbt.“ Und er fragt: „Glaubst du das?“

Liebe Schwestern und Brüder: Glauben wir das? Glauben wir, dass wir leben werden, auch wenn wir sterben? Oder ist es nicht in unserer Zeit vielmehr so, dass sich eine Müdigkeit des Lebens über den Tod hinaus breit gemacht hat?

Ich denke mit Erschütterung an ein Ereignis an einem Sterbebett, als ein Christ, mir im Angesicht des Todes sagte: „Wenn es nichts gibt, ist es auch recht!“ Das Leben war ihm gerade auf dem letzten Abschnitt zu sehr Last geworden.  

Ein wenig scheint mir diese Müdigkeit im Glauben zur Grundstimmung des Lebens geworden zu sein. In der Psychologie spricht man diesbezüglich von einem depressiven Realismus. Das ist jedoch nicht das Ende, sondern Anlass zur Erinnerung. An die beiden Emmausjünger, die auch traurig des Weges gehen, ihre Träume und Hoffnungen sind wie eine Seifenblase in der Luft zerplatzt. Jesus geht schon mit ihnen und erklärt ihnen aus der Schrift, warum es so sein hat müssen. Doch sie verstehen ihn nicht. Glaube kann man nicht erklären. Erklären ist gut, wenn man schon glaubt. Gottesbeweise sind großartige Erklärungen, aber deswegen ist noch niemand zum Glauben gekommen. Der Glaube lässt sich nicht im Verstehen aufheben, dennoch ist Glaube nicht pures Nicht-Verstehen. Glauben ist für mich Verstehen im Nicht-Verstehen. Das zeigen uns die Emmausjünger. Als sie nämlich ans Ziel kommen, da tut Jesus so, als ob er weitergehen möchte, mit dem Hl. Franziskus könnten wir da ausrufen seht die Demut Gott, wie er unaufdringlich doch bittet, ladet mich doch ein, bei euch, und dann fällt das Zauberwort: „Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden. Der Tag hat sich schon geneigt.“

„Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen.“    

Da gehen ihnen die Augen auf.
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