Osternacht 2019

Predigt zur Osternacht, 20.4.2019
In dieser Heiligen Nacht feiert die Kirche auf der ganzen Welt das Fest der Auferstehung, Ursprung, Mitte und Ziel unseres Glaubens. Eine Wahrheit, eigentlich müsste man sagen, die Wahrheit, die Frohe Botschaft, des Lebens. Ich werde zuweilen gefragt, wie ich mir den Himmel vorstelle, da antworte ich verschiedentlich: z.B. es gibt eine letzte Instanz; in dieser Welt gibt es nicht die letzte Gerechtigkeit, Menschen müssen Ungerechtigkeit erleiden und verstehen oft nicht warum? Für sie heißt Auferstehung, dir wird Recht getan werden und deine erlittene Ungerechtigkeit muss gesühnt werden. Wir kennen die Verlierer unserer Zeit, die Flüchtlinge, Armen, allein Lebenden, kranken und alten Menschen. Die Erde erfüllt nicht alle Wünsche. Das darf nicht zur Ausrede führen, nicht alles zu tun, Leid zu mindern, Armut zu teilen und Bedürftigen zu helfen. Dennoch unterm Strich bleibt ein Selbstbehalt: Es gehört zum menschlichen Leben, auch mit unerfüllten Wünschen leben zu lernen. Der Himmel - und dafür allein steht Auferstehung – gewährt die Erfüllung unerfüllter Wünsche. Das mag in den Ohren so mancher Menschen wie eine Vertröstung klingen; wie es schon geschehen ist in der Zeit. In der Tat ist dieser Vorwurf an den Auferstehungsglauben nicht leicht zu entkräften, denn viel zu lange wurden die Menschen im so genannten christlichen Abendland auf die rein irdische Dimension unseres Glaubens eingestimmt. Darum will die Botschaft der Auferstehung nicht so recht bei unseren Ohren ankommen. Es scheint zuweilen fast so, als habe der Gedanke an ein Weiterleben nach dem Tod, etwas Bedrohliches angenommen, als bloße Verlängerung eines irdischen Daseins, dem doch so manche Beschwernis und Enttäuschung anhaftet. Der Mensch von Heute scheint für die Ewigkeit lebensmüde geworden zu sein. Dagegen zu argumentieren ist aussichtslos. Es braucht Auferstehungszeugen. Auch für die ersten war es nicht leicht, nach der schrecklichen Erfahrung von Golgotha an Auferstehung zu glauben. Sie haben es getan und bezeugt. Wir haben es gehört im Evangelium, wie die Frauen in aller Frühe, als es noch dunkel war, zum Grab gingen, um ihren verstorbenen Herrn mit wohl riechenden Salben den letzten Dienst zu erweisen. Dort werden sie hingegen von zwei Männern in leuchtenden Gewändern erwartet, die sie mit einer Frage überraschten, die auch für unsere Ohren gänzlich unverständlich klingen muss: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ So als ob es am zweiten Tag zuvor Kreuzigung und Grablegung nicht gegeben hätte. Ich verstehe, dass die Frauen ratlos in den Boden blickten. Schließlich dämmerte es in ihren Köpfen doch und sie erinnerten sich, dass der Herr selbst davon gesprochen hatte; Er, der Menschensohn müsse ausgeliefert, gekreuzigt werden; er werde aber am dritten Tag auferstehen. Ähnlich ergeht es Petrus, er hört das Zeugnis, das die anderen für Geschwätz hielten, er läuft zum Grab, sieht das leere Grab, die Leinenbinden herumliegen und er geht, er läuft nicht mehr, jedoch geht er voll Verwunderung über das, was geschehen war nach Hause. Was mag wohl in seinem Kopf vor sich gegangen sein? Was hatte er alles mit seinem Meister erlebt? Welch große Versprechungen sind ihm über die Lippen gekommen, sterben wollte er für ihn? Wie schonungslos hatte der Herr ihn überführt, seine Schwächen und Halbheiten aufgedeckt? Dennoch war Jesus der Messias, seine Worte waren nie verletzend oder demütigend, sie sind wahr. Und dann die Festnahme, Verhör und Kreuzigung und ich, Petrus, habe ihn verraten. Und nun das leere Grab, nur die Leinenbinden, in denen er eingewickelt war lagen herum. Die Kunde geht schon herum: Er sei auferstanden, Er lebe! Unglaubliches Geschehen! Und doch wahr! Evangelium unseres Herrn Jesus Christus. Liebe Brüder und Schwestern, Petrus steht für Kirche. So hat sie wie er auf ihrem langen Weg durch die Zeit vieles erlebt; Großartiges, ja man wird von Wundern, die in und durch die Kirche geschehen sind, sprechen dürfen. Durch zwei Jahrtausende hin hat sie die Botschaft von der Auferstehung verkündet und gefeiert. Wir dürfen es nicht verschweigen, in ihr sind auch schreckliche Fehler geschehen. Wir verdienen es, wie Petrus, hart von Jesus angefasst zu werden, mit Worten wie: „Hinweg von mir, Satan, du willst nicht was Gott will.“ Zu oft wurden Egoismen gepflogen, wurde das Dienstamt verraten. Das muss auch uns, wie Petrus, bitterlich weinen lassen. Dennoch gilt auch uns das tröstende Wort Jesu an Petrus: „Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du wieder umgekehrt bist, dann stärke deine Brüder.“ (Lk. 22,32) Liebe Schwestern und Brüder, der Apostel Paulus sagt, mit Christus sind wir schon auferstanden. So dürfen wir mit den Frauen damals frühmorgens am Grab unsere Augen aufheben und uns sagen lassen, sucht nicht den Lebenden bei den Toden. Er ist auferstanden. Und wir dürfen wie Petrus voll Verwunderung über das, was geschehen ist, nach Hause gehen. Denn der Herr ist wahrhaft auferstanden. Amen.
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