Ostersonntag 2019

Predigt zum Ostersonntag, 21.4.2019
Der Angelpunkt, an dem alles hängt, um den sich alles dreht, ist im christlichen Glauben die Auferstehung: Christus auferstanden oder nicht, das ist die Frage. Der Hl. Apostel bringt dies auf den Punkt: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube.“ (1 Kor.15, 13) Kein anderes Ereignis wurde so oft untersucht, in Frage gestellt und geleugnet als die Zeugnisse vom auferstandenen Christus. Vor gar nicht allzu langer Zeit wurde wieder einmal „schlagzeilenmäßig“ behauptet, man habe das Totengebein von Jesus in Jerusalem gefunden, was sich postwendend als Fälschung heraus stellte. Ich verweise nur auf das Turiner Grabtuch. Bis heute finden in regelmäßigen Abständen wissenschaftliche Kongresse über dieses Leinentuch, in das der tote Jesus eingewickelt war, statt. Dabei hatte man in den 80ziger Jahren im ORF in der primetime verkündet: eine Fälschung! Auch dieses wäre im Jahre 1996 als der Dom von Turin brannte bald ein Raub der Flammen geworden. Ein Feuerwehrmann hatte das Panzerglass davor erst mit hundert Schlägen zu zertrümmern vermocht, um es in letzter Sekunde dem Raub der Flammen zu entreißen. Gott hat mir dazu die Kraft gegeben, bekannte der Feuerwehrmann hernach. Und vor einigen Tagen ist Gleiches in Paris geschehen, als der Priester und Feuerwehrmann Fournier in die brennende und vom Einsturz gefährdete Kathedrale gegangen ist, um die Dornenkrone Jesu, diese kostbare Reliquie, zu retten. Intuitiv wird hier im großen Stil gespürt, da geht es nicht nur um ein sehr altes Stück Geschichte, sondern es geht um unser Leben als Ganzes.             Darum, liebe Schwestern und Brüder, sollen wir gut hinhören, wenn in der Liturgie von diesem einmalig einzigartigen Ereignis gesprochen wird. Es kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, einem zweiten Schöpfungsakt Gottes gleich. Darum betet die Kirche in diesen Tagen immer wieder: „Gott, du hast die Welt wunderbar erschaffen und noch wunderbarer erlöst.“             Wenden wir uns nun dem Auferstehungsbericht nach Johannes zu, wie wir es im Evangelium gerade gehört haben. Es liest sich wie eine punktgenaue Regieanweisung. Maria von Magdala geht frühmorgens zum Grab und sieht, der Stein ist vom Grab weggewälzt. Schnell läuft sie zu Petrus und meldet, dass man den Herrn vom Grab weggenommen habe. Offensichtlich geht sie von einem natürlichen Geschehen aus. Petrus läuft zum Grab, mit ihm der jüngere Johannes, der schneller läuft, zuerst am Grab ankommt, aber nicht in das offene Grab hineingeht, sondern auf Petrus wartet, der als erster in das Grab hingeht; Johannes folgt ihm. Jetzt sind sie am Ort des Geschehens. Sie sehen das leere Grab, Leinbinden dort liegen, wo der tote Jesus gelegen hatte. Und dann heißt es vom jüngeren Johannes, er sah und er glaubte. Danach kehrten sie wieder nach Hause zurück. Am Grab draußen stand immer noch Maria. Sie war die erste am Grab, hatte die Jünger verständigt, ist nicht in das Grab mit hineingegangen; sie steht da und weint, beugt sich in die Grabkammer hinein und sieht die zwei Engel dort sitzen, die sie fragen, warum sie denn weine. „Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gelegt haben.“ Als sie diesen Satz sagte, drehte sie sich um und sah Jesus dastehen, meinte aber, das sei der Gärtner. Welcher sie dasselbe fragte: „Frau, warum weinst du?“ Ihre Antwort: „Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast.“ Und dann der entscheidende Moment: Jesus spricht sie an, mit Namen: „Maria!“ In diesem Augenblick, beim Hören ihres Namens, bricht es in ihr durch, sie erkennt, es ist der Meister. Was aber zumeist überhört wird, mir ist das auch erst vor kurzem bewusst geworden; zuvor wird noch etwas berichtet: Als der Auferstandene ihren Namen ruft, heißt es, „da wandte sie sich um“, nun haben wir schon gehört, dass Maria sich zuvor schon Jesus zugewendet hatte, als sie in ihm den Gärtner zu sehen meinte. Ein zweites Mal umwenden, kann folglich nur heißen, sie wandte sich von Jesus wieder weg. Das ist interessant. Eckhard Nordhofen hat kürzlich darauf aufmerksam gemacht: die ursprüngliche Bedeutung vom griechischen Wort für Umdrehen meint Wegdrehen. Beim ersten Mal drehte sich Maria von den zwei Männern weg und Jesus zu; als nun Jesus sie mit Namen anspricht, da drehte sie sich abermals weg, nun vom auferstandenen Jesus; Rabbuni! Rabbuni wird oft als Verkleinerungsform von Rabbi verstanden, bedeutet nach jüdischem Verständnis jedoch „Herr der Welten!“ Darin liegt eine tiefe Bedeutung. In dem Moment, als Jesus Maria mit Namen anspricht, erkennt Maria den auferstandenen Herrn und Meister. Da steht der verherrlichte Christus, der Herr der Welten vor ihr, die ursprünglich erneuerte Schöpfungsgewalt Gottes wird sichtbar. Da muss Maria sich abwenden. Kein Mensch kann Gott schauen. Erkennen und Sehen geht im Glauben nie ganz zusammen, sowie endlich und unendlich nie ganz zusammenpassen. So lange Maria Magdalena den Herrn sah, hat sie ihn nicht erkannt, aber in dem Moment – Nordhofen nennt es die Magdalenensekunde – als sie ihn erkennt, muss sie sich wegdrehen; denn die ganze Herrlichkeit Gottes kann sie nicht sehen. Diese Magdalenensekunde kann es für jeden Menschen geben, denn darin liegt die Auferstehungsgnade. Dazu ist es notwendig, sich immer wieder ein wenig wegzuwenden von den Anforderungen dieser Welt, wegzuwenden vor den eigenen Gottesvorstellungen. An den leeren Gräbern unserer Ideale, Wünsche und Hoffnungen wie Maria weinend auszuharren; denn dort wartet auch der Auferstandene und möchte uns mit Namen ansprechen.
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