Predigt Abschluss HSW

Predigt zum Abschluss der Salzburger Hochschulwochen
Sehr geehrter Herr Erzbischof, geehrter Herr Weihbischof!
Liebe Äbte und Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst!
Verehrter Fürst! Sehr geehrte Professoren und Professorinnen,
an der Spitze der Herr Rektor der Universität und der Herr Dekan der theologischen Fakultät!
Liebe Vortragende an der diesjährigen SHW!
Liebe Studierende!
Brüder und Schwestern im Herrn!

Nachdem Jesus gehört hatte, dass Johannes hingerichtet worden ist, zog er sich in eine einsame Gegend zurück, um – wie es heißt – allein zu sein. Die Sehnsucht allein zu sein, nach dem gewaltsamen Tod seines Täufers, ist auch für Jesus gut verständlich. Manche Exegeten meinen, dass Jesus nach diesem Gewaltakt des Herodes einfach vorsichtiger geworden sei und fortan es mied lange an einem Ort zu bleiben. Die Abgeschiedenheit, wohin er sich zurückgezogen hat, war sicher. Aber die Menschen gingen ihm nach, sie suchten ihn mit ihren Kranken. Als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen, er verlässt seine Einsamkeit, wendet sich den Menschen ganz zu und heilt die Kranken.

So wurde es Abend an jenem abgelegenen Ort mit den vielen Menschen. Die Jünger – auch verständlich – haben Sorge und entwickeln einen Plan. „Schick die Menschen doch weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können.“ Die Antwort Jesu muss beim ersten Hinhören doch etwas verblüffen, wenn er sagt: „Gebt ihr ihnen zu essen!“, da er doch wissen konnte, wie es um ihre Nahrungsvorräte für so viele Menschen stand. Umgekehrt hätten die Jünger vom Propheten Elischa wissen müssen, der in einem ähnlichen Versorgungsengpass auf einen Spruch des Herrn rekurrierte: „Denn so spricht der Herr: - berichtet im 2. Buch der Könige – Essen wird man und noch übrig lassen.“ Das Alte Testament berichtet mehrfach, wie Gott in Zeiten der Not sich um sein Volk kümmert. Wir haben in der ersten Lesung vom Propheten Jesaja vernommen: „Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen“. Um all das – so dürfen wir annehmen – wussten die Jünger Jesu als gläubige Juden. Es wurde aber nicht wirklich Ernst genommen, hingegen Jesus eine radikale Lösung des Problems aufgetischt: „Schick sie weg! Sie sollen in die Dörfer gehen und etwas zu essen kaufen.“ Ich meine diese Wegschiebmentalität gibt es auch heute auf je verschiedene Weise. Wenn nach unserem Verständnis, aus unserer eigenen Kraft nichts mehr getan werden kann für Mensch in Not, dann kann man auf die eine oder andere Art und Weise die Worte: „Schickt sie weg!“ ebenso hören. Gegen diese Logik wehrt sich eine Hildegard Teuschl – die Begründerin der Hospizbewegung–: „Wenn man nichts mehr machen kann – so lautet ihre Maxime – kann man noch immer viel tun!“ Jünger und Jüngerinnen, damals wie heute, neigen zu 100%-Lösungen: alles oder gar nichts zu tun. Genauso gilt für einst und heute, dass man Gott die eigenen Pläne und Ideen aufoktroyieren möchte. Wohl wissend – auch darin hat sich in den 2000 Jahren nicht viel geändert – dass wir allein es nicht schaffen. „Was ist das für so viele?“ könnten wir mit den Jüngern nach so manchem Einsatz enttäuscht fragen. Könnten wir! Gut wäre es, wenn wir das, was wir vermögen – sei es viel, sei es wenig – wie fünf Brote und zwei Fische zu Jesus bringen um seinen Segen bittend, auf dass es für alle reichen möge und noch etwas übrig bleibt.

Vielleicht sind wir in Theologie und Kirche – ohne es zu bemerken – der Philosophie einer Maximierungsgesellschaft verfallen. Mit Blick auf uns selber sollten wir das Wenige und Kleine eher im Auge auch dann, wenn es Großtaten sind. Wenn es um das Letzte geht, stehen wir vor Gott wie auch vor unseren Mitmenschen doch immer mit fast leeren Händen dar. Und gerade weil das so ist, darum – das Paradox des Glaubens – können wir viel tun. Der hl. Apostel Paulus schreibt den etwas stolz gewordenen Korinthern: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark!“ (2Kor. 12,10) Anderer Stelle im selben Brief heißt es: „Wir freuen uns, wenn wir schwach sind, ihr aber stark.“ (2 Kor.13,9)

Das bedeutet nicht, nichts leisten zu dürfen; nicht alles zu tun, um die besten Köpfe und Herzen für das Anliegen Gottes in dieser Welt zu gewinnen. Das Christentum darf nicht (nicht mehr) zu einer buckligen Moral verkommen, wie der Vorwurf einmal – wahrscheinlich – zu Recht an die Christen und Christinnen in Europa ergangen ist. Die Schwäche von der wir hier reden, ist die weltzugewandte Seite des Glaubens, die andere – Gott zugewandt – ist die der Stärke. Der Philosoph Sören Kierkegaard hat ein Loblied auf den Urvater des Glaubens, auf Abraham, geschrieben; darin dankt er Abraham, dass er es nie weiter als bis zum Glauben gebracht hat. Es in der direkten Begegnung nicht weiter als bis zum Glauben zu bringen, das mag in der Augen der Welt Schwäche sein, für gläubige Menschen hingegen ist es Stärke. Der Glaube – so heißt es im Römerbrief – kommt vom Hören. Das führt uns geradewegs hin zur ersten Lesung. Dort ist vom Hören und Essen die Rede. „Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen.“ lautet die Zusage Gottes an sein Volk.

Liebe Brüder und Schwestern, in diesen Tagen der Salzburger Hochschulwoche wurde viel über die Entgrenzungen Europas gesprochen. Wir Christen und Christinnen haben hierbei unseren Beitrag zu leisten. Die Zukunft wird von uns einige Grenzüberschreitungen verlangen:

- einmal ist in der Gottesbeziehung ein neues Hören ist gefordert; unbewusst wurde uns eine Grenze durch unser Wissen über Gott und unsere Erfahrungen mit ihm gezogen. Dabei haben wir die Verhältnismäßigkeit ein wenig aus dem Auge verloren. Dadurch fällt es uns schwer an die Überraschungen Gottes zu glauben.

- zweitens braucht es eine weitere Grenzüberschreitung hin zum Mitmenschen, besonders zu jenen verschiedener Kulturen, Religionen und sozialer Gegebenheit. Es möchte unter uns ein neues Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen, da geprägt ist von Anerkennung, Respekt und Verantwortung vor- und füreinander. Als Christen und Christinnen dürfen wir niemanden wegschicken.

Mit dem, was wir haben – das meiste ist uns ohnehin geschenkt - , was wir tun und leisten können, wollen wir wie Jesus unser Herr zum Himmel aufblicken und den Segen Gottes erbitten, auf das alle satt werden können und noch etwas für Kommende übrigbleibt.
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