Predigt Fronleichnam

4. Juni 2015, im Dom zu Salzburg
Liebe Brüder und Schwestern!

Wenn wir einmal im Jahr in feierlicher Prozession mit dem Innersten und Wertvollsten, das uns im Glauben anvertraut ist, der eucharistischen Gabe Gottes, in unsere Stadt hinausgehen, um mit diesem Stückchen lebendigen Brotes Stadt und Land zu segnen, dann tun wir das nicht im Sinne einer machtvollen Demonstration. Jedes Machtgehabe würde der Verborgenheit Gottes in dieser anspruchslosen Gestalt des Brotes widersprechen. Der Hl. Franziskus, dieser arme Kleine aus Assisi, war kein großer Denker, auch kein Stratege, obwohl Max Scheler, seinerseits einer der führenden Denker des 20 zigsten Jahrhunderts, ihn zu den größten Geistesbildnern des christlichen Abendlandes zählt, hat gerade in der eucharistischen Gabe eine über lange Zeit vergessene Dimension Gottes wiedererkannt. Franziskus schreibt im Brief an die Kustoden:

„O wunderbare Hoheit und staunenswerte Herablassung! O erhabene Demut! O demütige Erhabenheit, dass der Herr des Alls, Gott und Gottes Sohn, sich so erniedrigt, dass er sich zu unserem Heil unter der anspruchslosen Gestalt des Brotes verbirgt! Seht Brüder die Demut Gottes! Demütigt auch ihr euch!“

Die Erstbewegung besteht nicht darin, dass wir zu Gott kommen müssen, sondern Gott hat den ersten Schritt getan, unaufdringlich, sich erniedrigend und zu uns herablassend. Freilich wenn man nun auf die Umgebung des Fronleichnam blickt, drängt sich allerdings ein anderer Eindruck auf: feierliche Gewänder, bunte Uniformen; eine prachtvolle Monstranz, die den kostbaren Schatz, das lebendige Brot in sich birgt, dazu viel Glockengeläut, Weihrauch und Ehrensalven. Mit Recht können wir fragen, wie passt das zusammen? Mir will scheinen, dieses feierliche Rundherum um eine schlichte einfache Wahrheit ist zum einen ein großes Zugeständnis Gottes an diese unsere Welt. Gott hat einen anderen Weg in der Armut von Betlehem und jener schrecklichen von Golgotha gewählt. Der Mensch vermag darauf nicht anders zu antworten als durch eine übertrieben scheinende Herrlichkeit.

Jemand hat einmal darauf hingewiesen, wie einst die Kunstblumen entstanden seien. Gott hat uns die schönen Blumen des Feldes geschenkt, die Menschen ihrerseits wollten Gott etwas zurückgeben, das sie geschaffen haben; das waren dann die gebastelten Blumen. So verhält es sich auch mit dem feierlichen Festzug durch unsere Stadt. Es soll kein Triumphzug sein, wie einst, als Jesus in seine Heilige Stadt Jerusalem eingezogen war, die Menschen voller Begeisterung waren, aber die Stimmung jedoch, wie wir wissen alsbald auch gekippt ist.

Wir wollen, wenn wir hinausgehen unseren Glauben nicht zur Schau stellen in Abgrenzung zu anderen, die diesen Glauben nicht mit uns teilen. Anbetracht der „staunenswerten Herablassung“ Gottes sollen auch wir in allem was wir tun, uns demütigen. Demut wird gerne mit Mut zum Dienen übersetzt.

Der Glaube ist eine lebensdienliche Kraft. Für einander da sein, uns den Blick schärfen lassen für die Armen unter uns, um ihnen das Lebensnotwendige nicht zu versagen. Wir leben in einer friedlichen, weithin sehr abgesicherten Welt. Das sollen wir nicht vergessen. Unser Gast Bischof Francis Shaw aus Pakistan weiß, wie dieses Füreinander da sein sehr schnell harte Wirklichkeit werden kann. Er hat uns gestern erzählt, wie gerne Menschen in seiner Diözese in die Kirche gehen, obwohl sie sich ständig irgendwelchen Attacken ausgesetzt wissen. Junge Menschen passen vor der Kirche auf, ob nicht irgendwelche Anschläge geplant sind. Da ist es geschehen, ein Selbstmordattentäter geht auf die Kirche zu, die erkannten ihn sofort, ein junger Mann hielt ihn fest, damit er nicht in die Kirche eindringen konnte, aber er zündete die Bombe, der Junge wurde mit dem Attentäter getötet. Eine Tat, die der Tat Jesu nahe kommt.

„Niemand hat eine größere Liebe als der, der sein Leben für andere hingibt.“

Unser Mitbruder bittet um das Gebet für alle Menschen in seiner Heimat. Sie beten auch für uns, verspricht er.

Ja hier liegt der tiefste Grund, warum wir in feierlicher Prozession mit dem Allerheiligsten in der Mitte hinausgehen auf die Straßen und Plätze unserer schönen Stadt: wir wollen Gott anbeten und ihn bitten, vor allem um Frieden unter den Völkern, dass Krieg und Unheil von allen Menschen fern bleibe. Wir wollen bitten für viele Nöte hier bei uns, auf dass möglichst alle zusammenwirken, um Leid und Not zu lindern. Und wir möchten Gott Dank sagen für das kostbare Geschenk des Lebens, wenn wir den eucharistischen Segen über Land und Volk spenden.


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