Priesterweihe am 29. 6. 2017 im Dom zu Salzburg

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst; an der Spitze Weihbischof Andreas und der ernannte Weihbischof Hansjörg! Ich grüße sehr herzlich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserer Erzdiözese, Vertreter des Domkapitels, Konsistorium und jene aus den verschiedenen Ämtern! Liebe Brüder und Schwestern, aus Heimat- und Praktikumspfarre mit den Abordnungen aus Politik, Kultur und Gesellschaft. Mein besonderer Gruß gilt der Familie unseres Weihekandidaten! Lieber Christian! Mir ist immer noch ein Wort in Erinnerung, das mir ein Priester vor vielen Jahren zugesprochen hat, als sich in mir der Wunsch Priester zu werden gemeldet hat. Ich hatte diesen nämlich gefragt, was man denn als Priester zu tun habe? Worauf mir jener die Antwort gab: „Der Priester steht betend, bittend und hoffend vor Gott für Menschen, die ihm anvertraut sind.“ Ich halte diese Bezeichnung nach mehr als 25 Jahren priesterlichen Wirkens noch immer für zutreffend. Denn Mitte und Wesen des Priesters liegt in der Mittlerschaft, die zweifach verstanden wird: einmal im Sinne einer allgemein religionsgeschichtlichen Bedeutung. Religion gehört zu den urmenschlichen Angelegenheiten. Der priesterliche Dienst spielt darin eine zentrale Rolle. Das Priestertum Christi, Ursprung und Grundlage des sakramentalen Priestertum, versteht sich ebenso als Dienst der Vermittlung, jedoch mit einem gewaltigen Unterschied: Jesus Christus selbst ist alleiniger Mittler zwischen Gott und Menschen. Ein darauf aufbauendes priesterliches Wirken kann nicht anderes meinen als nur an Christi statt handeln und wirken. Entsprechend einem berühmten Wort des Hl. Augustinus, das auch vom II. Vat. Konzil aufgegriffen worden ist: Er, Christus ist es, der tauft, predigt und konsekriert. Der Philosoph Kierkegaard, selbst vom Glauben tief geprägt und gezeichnet, hat diese menschlich-göttliche Übereinkunft treffend ins Wort gefasst: „Der Helfer ist die Hilfe!“ Sakramentale Wirkweise beinhaltet nicht bloß etwas zu geben, zu vermitteln, vielmehr gibt sich der Geber selbst. Der Geber ist die Gabe. Priestersein versteht sich folglich nicht im Sinne eines Botendienstes, als Abgeordneter oder Delegierter Gottes zu handeln, sondern sakramental den authentisch zu repräsentieren, der sendet. Hierin zeigt sich ein Grundzug christlicher Existenzweise überhaupt. Jesus sagt: „Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat.“ Diese Zusage gilt sowohl für das gemeinsame Priestertum aller Getauften wie besonders für das sakramentale Priestertum. Priestersein bedeutet demnach Anteil haben an dieser göttlichen Sendung. Darin liegt würdevolle Größe, aber auch eine sehr verfängliche Verführung, nämlich zu meinen, wir hätten etwas zur je eigenen Profilierung. Das wäre jedoch weit gefehlt. Die Anteilhabe ist unlöslich verbunden mit einem Auftrag. Denn die eine kann es ohne den anderen nicht geben. Dieser Auftrag lautet: Bereitschaft zur Hingabe ganz nach dem Vorbild Jesu. Der Hebräerbrief sieht das Wirken Jesu als eine große priesterliche Sendung, so lesen wir dort: „Er hat in den Tagen seines irdischen Lebens mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört worden.“ (Hebr. 5, 7) Daran haben wir Anteil: Bis zur Selbstaufgabe unter Tränen Gebete und Bitten vor den zu bringen, der die, für die wir Priester sind, zu erretten vermag, Und auch wir werden erhört werden. Mit dieser Betrachtung ist jedoch erst die eine Seite in den Blick gekommen. Max Scheler spricht von einer Bewegungsumkehr der Liebe, die durch die Offenbarung Gottes in der Menschwerdung erfahrbar geworden ist. Demnach führt die Liebesbewegung nicht vom Niedrigen zum Höheren, sondern vielmehr umgekehrt geschieht diese als liebevolle Herablassung des Höheren zum Niedrigen, von Gott zu den Menschen, des Heiligen zum Sünder. Über Jesus Christus spricht der Philipperhymnus: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen.“ (Phil. 2, 6f.)   Aufgrund dieser Bewegungsumkehr der Liebe können wir mit Kierkegaard weiter sagen: „Der Schöpfer ist Geschöpf!“ Gott ist Mensch geworden und das in ärmlichen Umständen, infolgedessen wird man Gott immer zunächst in den Armen zu suchen haben. Gottes Menschwerdung hat sich unter Bedingungen ereignet, für die es kein legales Vorbild gab. Was bedeutet das für alle Sorge tragenden in der Seelsorge und besonders für die Priester, wenn wir Menschen begegnen, deren Einmaligkeit und Einzigartigkeit in Leben und Geschichte in keinen noch so penibel gewerkten Rahmen passt? Wir müssen den Gedanken noch weiterführen. Kaum geboren abseits der Geschäftigkeit dieser Welt, war man mit dem Kind, mit Gott, schon auf der Flucht, man trachtete ihm nach dem Leben. Was heißt das für unsere Gottsuche? Wird er nicht im Flüchtling – ich benütze bewusst die Einzahl – vornehmlich zu suchen sein? Und erst recht gilt es den Umgang Jesu mit Schwachen, Kranken und Sündern zu bedenken. Das sind Vorgaben, hinter die wir nicht mehr zurück dürfen; daran werden wir einmal gemessen und beurteilt werden. „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt. 25, 40) Papst Franziskus wird nicht müde uns diese Wahrheit und Freude des Evangeliums immer wiederum in Erinnerung zu rufen. Gott ist Mensch geworden und er ist im Menschen zuerst zu suchen. Das bedeutet nicht, zu allem, was angeblich menschlich ist Ja und Amen zu sagen, es bedeutet jedoch sehr wohl, dass wir nicht ohne unsere Brüder und Schwestern bei Gott einmal ankommen werden können. Liebe Brüder und Schwestern, lieber Christian, ich kehre zurück an den Anfang meiner Predigt mit der Definition, was Priestersein bedeutet, wie sie in mir immer noch lebendig ist. Diese Worte waren mir immer so etwas wie ein Fixstern, ein Orientierungspunkt. Und es waren genau diese Worte auch, die mich anregten eine eigene Umschreibung des priesterlichen Dienstes zu unternehmen. Ich glaube sagen zu können, der Priester braucht eine zweifache Aufmerksamkeit, eine Wachsamkeit für Gott - die Gottesfrage darf in uns Priestern im Besonderen nicht zur Ruhe kommen. Ich denke da an die Aufforderung von Rainer Maria Rilke an einen jungen Dichter: „Lebe die Frage!“ Uns Priestern sind doch viele Freiheiten geschenkt, uns sind auch Lasten aufgelegt, wir wissen das, aber bewahren wir in uns den Freiraum für die Gottesfrage. In dieser Fragwürdigkeit sind wir geführt, denn allmählich, wie Rilke dem jungen Dichter verspricht, werden wir ohne es zu merken in Antworten hineinfinden. Die zweite Aufmerksamkeit gilt dem Menschen. Für mich war diesbezüglich ein Wort aus der Antike leitend: „Wie schön ist der Mensch, wenn er wirklich Mensch ist“. Ich habe eine geläutete Schönheit gerade bei Menschen entdecken dürfen, die es schwer haben, leidend sind oder in irgendeiner Weise gescheitert. Aus den zwei Aufmerksamkeiten habe ich meine Definition des Priesterseins gefunden: Freund Gottes und Freund der Menschen zu sein!
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